Fussball

Nummer eins für einen Tag

Von Daniel Börlein
Jose Ernesto Sosa (l.) zeigte gegen Bochum seine beste Vorstellung im Bayern-Trikot
© Imago

Luca Toni verletzt, Landon Donovan weg und in Bochum nun auch noch Miroslav Klose verloren. Der FC Bayern hat ein Sturmproblem, das gegen den VfL allerdings zwei vermeintlich Abgeschriebene vorerst behoben. Für beide war es aber wohl nur ein kurzes Vergnügen.

Miroslav Klose ist beileibe kein Egoist. Der 30-Jährige lässt vielmehr gerne seine Nebenleute glänzen. Für seine Uneigennützigkeit wird Klose von seinen Kollegen geschätzt, von dem einen oder anderen Beobachter bisweilen aber auch kritisiert. Ein Stürmer müsse vor dem Tor egoistischer sein, heißt es dann.

Am vergangenen Dienstag war Klose egoistisch. Die Bayern führten im Champions-League-Rückspiel gegen völlig überforderte Lissaboner bereits mit 5:1, als der Rekordmeister einen Elfmeter zugesprochen kam. Klose war gefoult worden.

Kloses klare Botschaft

Dieses Mal aber überließ Klose den Ball keinem Nebenmann - keinem Lukas Podolski, der bereits zweimal getroffen hatte und auch keinem Jörg Butt, den die Fans lautstark forderten.

Klose ließ keine Diskussionen zu, nahm sich selbst den Ball und erzielte seinen siebten Champions-League-Treffer im laufenden Wettbewerb. Die Botschaft, die bei dieser Szene mitschwang: Klose ist selbstbewusst, Klose übernimmt Verantwortung und Klose ist derzeit zweifellos Bayerns Stürmer Nummer eins.

Poldi: Bayern-Stürmer Nummer eins

Gegen den VfL Bochum gab es nach 48 Minuten nun abermals Elfmeter für den Rekordmeister. Den Strafstoß allerdings vergab der zu diesem Zeitpunkt aktuelle Bayern-Stürmer Nummer eins - Lukas Podolski.

Podolski, aktuell Bayern-Stürmer Nummer eins? Kaum zu glauben, aber wahr. Allerdings nicht unbedingt, weil der 23-Jährige derzeit alle anderen Bayern-Angreifer überragt, sondern weil den Münchnern schlichtweg die Stürmer ausgehen.

Landon Donovan wurde bereits in die USA zurückgeschickt, Luca Toni fehlte gegen den VfL erneut verletzungsbedingt und Klose musste in Bochum nach einer halben Stunde verletzt raus. So war Podolski neben der auf der Bank sitzenden Nachwuchshoffnung Thomas Müller der einzig verbliebene Angreifer, und damit die Nummer eins.

Klose: "Da ist was kaputt"

"Da ist was kaputt. Es hat nur noch gekracht. Ich konnte nicht mehr stehen", sagte der ausgewechselte Klose, nachdem er ohne Gegnereinwirkung umgeknickt war.

Am Sonntag folgte dann die genaue Diagnose: Klose erlitt einen Riss der Sehnenführung im rechten Sprunggelenk, muss deshalb operiert werden und fällt für unbestimmte Zeit aus.

"Das ist natürlich ein herber Schlag, eine bittere Nachricht. Solche Leute wie er sind nicht einfach zu ersetzen", sagte Klinsmann. "Die Decke ist dünn, aber das ist nun mal jetzt so, und da werden wir durchgehen."

Sosas bester Auftritt

Gegen Bochum meisterte der Bayern-Coach den Ausfall Kloses mit einer überraschenden, allerdings überaus gelungenen Maßnahme. Klinsmann brachte Jose Ernesto Sosa und stattete den Mittelfeldspieler mit allen Freiheiten aus.

Der Argentinier, der damit zum ersten Bundesliga-Einsatz seit dem 13. Spieltag kam, dankte es seinem Trainer und bot seine bislang beste Vorstellung im Bayern-Trikot. Gegen Sporting enttäuschte Sosa nach seiner Einwechslung noch komplett.

Youngster Müller hingegen sammelte gegen die Portugiesen fleißig Pluspunkte. Dennoch traute Klinsmann dem 19-Jährigen einen 60-minütigen Bundesliga-Einsatz offenbar (noch) nicht zu.

Hoeneß: "Er hat anscheinend begriffen"

Sosa hingegen schon. Und der nutzte seine vielleicht schon letzte Chance beim FC Bayern. "Er hat gezeigt, was ihn ihm steckt", sagte Klinsmann. Und Uli Hoeneß befand: "Der hat wohl anscheinend jetzt begriffen, wie es in der Bundesliga und beim FC Bayern München geht. Man kann ihn quasi als Winterneuzugang sehen."

Als hängende Spitze harmonierte Sosa glänzend mit Podolski, der trotz des verschossenen Elfmeters eine ordentliche Leistung bot und ansteigende Tendenz erkennen ließ. Podolski und Sosa - vom Abstellgleis ins Rampenlicht.

Nur kurz im Mittelpunkt

Wohl allerdings nur für kurze Zeit. Denn schon bald werden Franck Ribery und Tim Borowski in den Bayern-Kader zurückkehren, wodurch Sosas Chancen auf Spielzeit sicher nicht steigen.

Und Podolski? Der wird durch den Ausfall von Miroslav Klose zwar weiter seine Einsätze bekommen, die Nummer eins im Sturm war Podolski allerdings nur dieses Mal gegen Bochum, denn Klinsmann geht davon aus, "dass Toni demnächst zurückkommt."

VfL Bochum - FC Bayern: Die SPOX-Analyse

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