Neue Chance, neues Risiko

Von Haruka Gruber
Donnerstag, 12.02.2009 | 10:21 Uhr
Zumindest mit der zweiten Mannschaft trifft er doppelt: Kevin Kuranyi (2.v.l.)
© Getty
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Jung und hungrig statt alt und teuer: Der FC Schalke 04 folgt dem Hoffenheimer Modell und plant im Sommer den Neuanfang. Er birgt jedoch auch Gefahren. Angefangen bei Manager Andreas Müller...

Für einen kurzen Moment dachte man an den nächsten Aufreger auf Schalke. Die zweite Mannschaft der Königsblauen trat am Dienstag zum Testspiel gegen den Bonner SC an - und auf dem Platz standen unter anderem Kevin Kuranyi, Jermaine Jones, Orlando Engelaar und Christian Pander.

Die Entscheidung hatte jedoch keine disziplinarischen Gründe, so wie bei den mittlerweile abgewanderten Albert Streit und Peter Lövenkrands. Vielmehr "sollten die Jungs Spielpraxis sammeln", sagte Trainer Fred Rutten.

Eine simple Erklärung in Zeiten des zunehmenden Durcheinanders beim FC Schalke.

Schalke will sich neu erfinden

Trotz des 1:0-Erfolgs gegen Werder Bremen am vergangenen Spieltag etwa boykottiert Manager Andreas Müller konsequent die Journalisten. Bei den obligatorischen Pressekonferenzen lässt er sich entschuldigen, in der Mixed Zone wurde er zuletzt von Präsident Josef Schnusenberg vertreten.

"Andi vertritt die Meinung, dass alles gesagt ist. Er stand stark in der Kritik und wollte sich deswegen nun etwas zurückhalten", so Schnusenberg. Alles gesagt? Mitnichten.

Denn unter der Führung (oder zumindest der Mithilfe) des Managers plant Schalke nicht weniger als den Neubeginn zur kommenden Saison. Auf "junge, hungrige Profis" wolle er setzen, sagte Müller vor seinem Medienstreik. "Und trotzdem immer im internationalen Fußball vertreten sein."

Ernst-Transfer erster Vorgeschmack

Der überraschende Verkauf des fleißigen, aber 29-jährigen Fabian Ernst für fast drei Millionen Euro war offensichtlich nur ein erster Vorgeschmack auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel im Sommer.

"Mit der Champions League wird es dann zwar schwer, aber ich finde das Konzept gut", sagt Jones. Mit dem georgischen Spielmacher Levan Kenia (18), laut Ex-Coach Klaus Toppmöller vergleichbar mit dem "blutjungen Messi", dem peruanischen Nationalverteidiger Carlos Zambrano (19), dem deutschen U-19-Europameister Danny Latza (19) sowie den bereits als Stammspieler etablierten Rafinha (23), Manuel Neuer (22) und Benedikt Höwedes (20) stehen einige Toptalente im Kader.

Im Januar wurden mit dem Tschechen Jan Moravek (19) und dem Brasilianer Bruno Soares (17) weitere Nachwuchshoffnungen im Probetraining getestet. "Das werden wir auch in den nächsten Monaten so machen", kündigte Müller vor einigen Wochen an. Bis zur nächsten Spielzeit sollen auf diese Weise die Gehaltskosten von rund 55 auf 45 Millionen Euro sinken.

Schalkes Spagat

Eine Mannschaft aus günstigen, dafür aber hoch motivierten und veranlagten Jungspielern. Was in Hoffenheim oder Leverkusen funktioniert, kann auf Schalke nicht falsch sein. Oder doch?

Doch. Denn was S04 offenbar unterschätzt: Ein Paradigmenwechsel und der damit einhergehende Umbruch eines Kaders ist die wahrscheinlich größte Herausforderung für eine sportliche Führung.

Es heißt, parallel zum stressigen Alltagsgeschäft mittelfristig voraus zu blicken. Sich Gedanken um ein Konzept, eine neue Philosophie zu machen. Möglichst geräuschlos den Weggang von Spielern einzufädeln, die nur noch in der Rückrunde, aber nicht darüber hinaus gebraucht werden.

Hysterie auf Schalke

In Hoffenheim und Leverkusen können die Verantwortlichen weitgehend unbehelligt von der Öffentlichkeit im Hintergrund ihre Vorstellungen umsetzen. Auf Schalke hingegen herrscht jeher eine hysterisch-übernervöse Grundstimmung.

Müllers Streik, zuvor die Ablösung des Pressesprechers, die Suspendierung von Streit und Lövenkrands, die angeblich von Müller lancierten Interna über Kevin Kuranyi, als Krönung der Hacker-Angriff auf die Vereinshomepage am Mittwochabend. Keine optimalen Voraussetzungen für den angedachten Reset.

Bordon schreit Journalisten an

Schalke ist gereizt. Nicht nur Müller, sondern auch die Mannschaft. Kapitän Marcelo Bordon, dessen Ansehen innerhalb der Mannschaft seit dem Sommer Schaden genommen haben soll, beschimpfte vor dem Bremen-Spiel einen Journalisten derart lautstark, "dass selbst die Mitglieder des Schalker Wachdienstes zusammenzuckten", berichten die "Ruhr-Nachrichten".

In einem Telefonat zwischen Kuranyi und Müller sollen laut der "Sport-Bild" vergangene Woche Worte wie "Katastrophe" und "Lüge" gefallen sein, weil der Manager Gerüchte über einem Verkauf Kuranyis platziert haben soll. Der Verkauf von Kuranyi zum Saisonende ist wahrscheinlich, Bordon wiederum plant sein Karriereende bereits 2010, ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags.

Immerhin: Ein Teil des zukünftigen Schalker Grundgerüsts steht bereits. Neuer im Tor, in der Verteidigung Höwedes, Heiko Westermann sowie Rafinha, Jones und Rakitic im Mittefeld, wahrscheinlich Farfan als Sturmspitze.

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Selbst Westermann mosert

Doch selbst bei den vermeintlich Gesetzten brodelt es. Rakitic kokettiert mit einem Wechsel nach Italien, Jones erwägt ebenfalls einen Transfer, wenn sich Schalke nicht zumindest für die Euro League, dem Nachfolgewettbewerb des UEFA-Cups, qualifiziert. Und dass es Rafinha zu einem europäischen Spitzenverein zieht (Bayern? Liverpool?), ist ein offenes Geheimnis.

Selbst der sonst so vorbildliche Westermann probt derzeit den Mini-Aufstand.

Weil er um seine Nationalmannschafts-Ambitionen fürchtet, will er im Verein auf seiner Lieblingsposition in der Abwehrzentrale eingesetzt werden - und nicht mehr als Notnagel im Mittelfeld oder als Linksverteidiger. Seine Forderung: "Ich will nicht mehr hinten links spielen!"

Schalke plant den Neuanfang. Mit einem unzufriedenen Manager und unzufriedenen Leistungsträgern. Zumindest gab es in dieser Woche eine gute Nachricht: Schalkes zweite Mannschaft gewann gegen den Bonner SC mit 3:1.

Doppelter Torschütze: Kevin Kuranyi.

Der FC Schalke 04 im Steckbrief

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