Zdebel wehrt sich nach Rauswurf

"Betrogen und benutzt"

Von Andreas Lehner
Montag, 05.01.2009 | 14:40 Uhr
Thomas Zdebel absolvierte insgesamt 162 Erst- und Zweiligaspiele für den VfL Bochum
© Getty
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Thomas Zdebel wurde zum Trainingsstart völlig überraschend zu den Amateuren versetzt. Nun wehrt sich der Kapitän gegen Vorwürfe, er habe gegen Trainer Marcel Koller gearbeitet und will den Verein verlassen.

Ein Reflex ist die unwillkürliche, rasche und gleichartige Reaktion eines Organismus auf einen bestimmten Reiz.

Nach diesem Muster wird im deutschen Fußball in schweren Zeiten und ganz besonders im Abstiegskampf nach deutschen Tugenden verlangt.

Ungewöhnliche Maßnahme des VfL

Rennen, grätschen, kämpfen, beißen sind Attribute, die die Mannschaft erfüllen sollte, um sich gegen die Konkurrenz zu erwehren.

Am besten symbolisiert durch den Führungsspieler, im Idealfall der Kapitän. Er geht voran, lebt die richtige Einstellung vor und faltet seinen Mitspieler wenn nötig auch auf dem Platz mal zusammen.

Eher ungewöhnlich kommt da die Maßnahme des VfL Bochum daher. Zum Trainingsstart wurde Thomas Zdebel von den Profis zu den Amateuren verbannt. Ein Routinier, einer, der keinen Zweikampf scheut, der Kapitän - ein Führungsspieler eben.

"Ein Schlag ins Gesicht"

Für Zdebel war die Ausbootung "ein Schlag ins Gesicht". Zunächst geschah dies ohne Angabe von Gründen, doch mittlerweile wird von Seiten des Vereins angedeutet, Zdebel habe sich gegen Trainer Marcel Koller ausgesprochen.

"Er hatte wohl Zweifel, dass der Weg mit unserem Trainer der richtige ist", so Sportvorstand Thomas Ernst: "Wir sind offen für Kritk. Aber wenn einer meint, der Trainer müsse weg..."

Dann muss er wohl selbst weg. Auch wenn der Geschasste diese Vorwürfe als "lächerlich" bezeichnet und sich entschieden dagegen wehrt.

"Diese Vorwürfe sind Unfug. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Vor einiger Zeit hat Thomas Ernst noch ausdrücklich betont, er finde es gut, dass ich mich loyal verhalte, obwohl ich wenig spiele", sagt Zdebel im "Kicker".

Dinge intern angesprochen

Zwölf Bundesligaspiele absolviert der 35-Jährige in der Vorrunde, kam aber erst richtig zum Zug als sich der auf seiner Position gesetzte Daniel Imhof verletzte.

Im Moment hat Zdebel verlängerten Urlaub, die Amateure beginnen ihre Vorbereitung erst am 8. Januar.

Er fühlt sich als Sündenbock für die schwache Vorrunde, in der der VfL nur einen Sieg und mickrige elf Punkte ergatterte: "Ich fühle mich betrogen und benutzt."

Gründe für seine Strafversetzung hat er nicht, aber eine Vermutung: "Vielleicht habe ich mich etwas ungeschickt verhalten, als ich einige Dinge intern angesprochen habe. Intern, wohlgemerkt!" Dass es sich dabei um eine mögliche Trennung von Koller gehandelt habe, bleibt Spekulation.

Hohes Ansehen bei Fans und Mannschaft

Doch die Indizien deuten darauf hin, dass es intern zu einem Machtkampf kam, in dem sich die sportliche Leitung durchsetzte. Dennoch bleibt die Personalie heikel.

Zdebel besitzt sowohl in der Mannschaft wie auch bei den Fans ein hohes Ansehen, einen Fehlschlag dürfen sich Koller und Ernst nicht erlauben, sonst trifft sie der Zorn des Volkes vehement.

Aufgeben will Zdebel aber auf keinen Fall, aber das Ende seiner Karriere hatte er sich auch anders vorgestellt. Deshalb will er seine letzte halbe Saison nicht in der Oberliga verbringen, dafür sei er sich zu schade. Mögliches Ziel ist der MSV Duisburg, wo sein ehemaliger Trainer Peter Neururer tätig ist.

Neben Zdebel würde der MSV auch Vahid Hashemian gerne an die Wedau holen. Der Iraner ist bei Koller ebenfalls in Ungnade gefallen.

Klimowicz' deutsche Tugenden

Ihm wurde mit Diego Fernando Klimowicz (kommt für ca. 400.000 Euro von Borussia Dortmund) bereits ein Stürmer vor die Nase gesetzt.

"Dieser Stürmertyp hat uns noch gefehlt", meint Ernst. Der Argentinier ist ein großgewachsener, kantiger, robuster Stürmer, der viel arbeitet. Deutsche Tugenden eben.

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