Mit Laptop und Lichtschranke

Von Andreas Lehner
Montag, 19.01.2009 | 19:32 Uhr
Werder Bremen legte im türkischen Belek die Grundlagen für die Rückrunde
© Getty
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Trillerpfeife und Stoppuhr waren gestern. Heute bestimmen moderne Gerätschaften und ein Team von Spezialisten die Trainingsarbeit. Doch es geht auch anders.

Der deutsche Fußball wird im Ausland vor allem mit Kraft, Kondition und Disziplin in Verbindung gebracht. Panzer ist ein immer wiederkehrender Begriff, der von den Boulevardblättern in aller Welt gerne aus der Mottenkiste geholt wird, bevor es gegen die Deutschen geht.

Noch immer ist die Physis ein germanisches Hauptmerkmal. Die Art und Weise, wie man sich die Fitness aneignet, hat sich allerdings verändert. "Normal war früher: erstes Saisontraining vor Zuschauern und dann so ein harter Drill, bis einer kotzen musste. Und die Leute haben geklatscht", beschreibt beispielsweise der ehemalige Profi und Co-Trainer von Werder Bremen Karl-Heinz Kamp die Methoden der 70er und 80er Jahre.

Wahrscheinlich würden die Zuschauer auch heutzutage noch so reagieren, doch mittlerweile heißt das alles überragende Stichwort: individuelle Trainingssteuerung. Das Training wird genau auf den jeweiligen Spieler abgestimmt, um so bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Vorteil verschwindet

Die Winterpause bietet den Bundesliga-Mannschaften im Vergleich zur Konkurrenz aus England, Spanien und Italien noch mal die Möglichkeit, an den Grundlagen zu arbeiten.

Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht die Verkürzung der Winterpause ab der kommenden Saison von sechseinhalb auf dreieinhalb Wochen als einen Fehler. Die Bundesliga beraube sich damit "einem unserer letzten Vorteile".

Noch können die Teams allerdings die Gnade der langen Pause genießen und für Trainingslager in wärmeren Gefilden nutzen. Und um nichts dem Zufall zu überlassen, hat jeder Verein auch jede Menge Spezialisten und Technik mit in den Flieger gepackt.

Laboratorium statt Schlafgelegenheit

Spitzenreiter ist auch hier 1899 Hoffenheim. Mit 27 Spielern und 29 Betreuern reiste der Aufsteiger nach La Manga. Mit dabei auch ein persönlicher Berater von Ralf Rangnick, der mit ihm die Einheiten analysierte, ein Video-Analyst, der jedes Training filmte, und ein Privatlehrer für die Nachwuchsspieler. Die Bayern liegen mit 15 Betreuern nur auf Platz elf in dieser Rangliste.

Wo früher noch ein Assistenztrainer mit Stoppuhr in der Hand und Pfeife im Mund stand, befinden sich nun Laptops, Lichtschranken und sonstige Messtechnik.

Die Hotelzimmer der Konditionstrainer und Fitnesscoaches gleichen mehr einem Laboratorium als einer Schlafgelegenheit. Innerhalb von 180 Sekunden werden mittlerweile die wichtigsten Blutwerte ermittelt (Laktat-Konzentration, Muskelwerte, Stoffwechselwerte).

Werder Bremen überraschte in Belek sogar bei den Testspielen mit speziellen Messgeräten unter dem Trikot. "Jeder Spieler trägt einen kleinen Sender. Leistungsdaten wie zum Beispiel Laufstrecke und Herzfrequenz werden über Satellit an einen Computer übertragen", erklärt Sportdirektor Klaus Allofs.

Kein Alkohol - oder doch?

Es wird nichts dem Zufall überlassen. Auch bei der Ernährung und den Getränken. Hertha-Trainer Lucien Favre hat im Mannschaftshotel kurzerhand die Mini-Bars räumen lassen, um dem körperlichen Entwicklungsprozess nicht mit Alkohol zu schaden.

"Die Jungs sollen abends gar nicht erst in Versuchung kommen. Ich denke, das ist mittlerweile Standard", sagt Michael Preetz, Leiter der Lizenzspielerabteilung.

Nicht so bei Felix Magath. "Ich sehe das unterschiedlich. Wenn jemand besser läuft, wenn er ein Glas Sherry trinkt, soll er das gern trinken", so der Wolfsburg-Coach, der mit seinem Team im spanischen Jerez de la Frontera abgestiegen war. Allerdings muss natürlich die Leistung stimmen.

"Was man nicht gut kann, muss man üben"

Und dass nicht alles von der Technik bestimmt werden muss, bewies ebenfalls der Ex-Bayern-Trainer. Nachdem ihm seine Mannschaft etwas zu lasch trainiert hatte, jagte er die Spieler hinterher noch einen 30 Meter langen, steilen Hang hinauf - in den verschiedensten Varianten.

Besonders hart erwischte es Alexander Madlung und Andrea Barzagli, die sich Huckepack abwechselnd den Berg hinauf schleppen mussten, nachdem die anderen schon in der Kabine verschwunden waren.

"Das Kriterium ist immer die Leistung. Sie waren am Berg deutlich schwächer. Und was man nicht gut kann, muss man üben", sagt Magath. Hätte es Zuschauer gegeben, sie hätten bestimmt geklatscht.

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