"Steven Spielberg hatte wohl keine Zeit"

SID
Mittwoch, 07.01.2009 | 14:07 Uhr
Wenn die Finanzkrise den Sport beträfe, würde Uli Hoeneß als Manager wohl weiter machen
© Getty
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Uli Hoeneß freut und ärgert sich. Das Trainingslager im sonnigen Dubai läuft ganz zur Zufriedenheit des Bayern-Managers.

Verwundert zeigt er sich jedoch bezüglich des AC Mailand und spricht darüber, unter welchen Umständen eine Fortsetzung seiner Managerkarriere möglich wäre.

Der 57-Jährige über...

...den Verlauf des Trainingslagers: "Alles, was wir hier erlebt haben, ist perfekt. Hübsches Hotel, nicht so ein riesen Kasten. Die Trainingsbedingungen sind perfekt. Wir werden von der königlichen Familie aufgenommen, als würden wir dazugehören. Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft unglaublich konzentriert arbeitet und die Freiheiten genießt, die ihnen die Trainer geben. Es wird hart gearbeitet, aber auch etwas für die Muße getan. Das scheint mir eine hervorragende Mischung zu sein."

...über den Hype beim AC Milan um David Beckham: "Bei uns wird Fußball gespielt und bei Milan werden Filme gedreht wie in Hollywood. Ich bin als Fußball-Manager angestellt und nicht dafür zuständig, für Frau Beckham ein passendes Appartement im Hotel zu finden. Ich habe mich sehr gewundert, dass Milan diesen Heckmeck mitmacht. Das Testspiel gegen den HSV war kein Fußballspiel, sondern eine Inszenierung. Steven Spielberg hatte wohl keine Zeit. So was muss ich mir in meiner Freizeit nicht antun."

...ein mögliches Tauschgeschäft Podolski/Olic: "Ich habe in einem Gespräch mit Dietmar Beiersdorfer das Thema Podolski angesprochen. Ich sehe momentan nur eine winzige Kleinigkeit, dass da überhaupt etwas ins Laufen kommt. Wenn Podolski auf uns zukäme und sagen würde: 'Ich möchte nicht warten, bis Köln bereit ist, die geforderte Ablösesumme zu bezahlen, sondern bewege mich auch auf andere Vereine zu', wäre das ein Signal, auch mit anderen Vereinen zu sprechen."

...Podolskis generelle Zukunft: "Uns wäre es sehr recht, wenn wir bis Ende Januar klare Fronten schaffen könnten, egal wie sich Podolski entscheidet. Wir sind aber der festen Meinung, dass er das nächste halbe Jahr bei uns bleibt. Wir wollen ihn ja auch nicht loswerden. Wir haben niemals betont, dass er den FC Bayern verlassen muss. Die Initiative ging ja von anderen Vereinen aus. Alle, die glauben, mit Lukas ein Schnäppchen zu machen, werden sich täuschen. Wir haben klare Vorstellungen von seinem Wert. Wir haben eine Vereinbarung mit dem 1. FC Köln, dass sie ihn für zehn Millionen Euro zurückholen können. Diese Bedingungen werden wir bei anderen nicht anwenden. Wenn andere Vereine Podolski haben wollen, müssen sie mehr Geld bezahlen."

...die Zukunft von Mark van Bommel, Ze Roberto, Massimo Oddo uns Jose Sosa: "Mark van Bommel muss uns bis 31. Januar Bescheid geben, ob er unser Angebot annimmt oder nicht. Bei Ze Roberto und Massimo Oddo haben wir noch Zeit bis März/April. Bei Sosa sehe ich wenig Hoffnung, dass sich im Januar noch was tut."

...eine mögliche Verpflichtung von Anatolij Tymoschtschuk: "Ihm liegt ein Angebot von uns vor. Laut seines Managements will er sich bis Ende Januar entscheiden. Er hat gewisse Forderungen gestellt, die wir nicht erfüllen werden. Es liegt an ihm: Entweder er nimmt unser Angebot an oder nicht."

...die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Fußball: "Viele Firmen und Privatleute haben mittlerweile große Probleme, ihre Finanzierungen aufrecht zu erhalten. Den Investoren geht das Geld aus. Ich weiß nicht, ob Abramowitschs Konto eine weitere Investition von 100 Millionen aushält. Deswegen hängen sehr viele Vereine, speziell im Ausland, stark von Banken ab, weil sie für ihre Transfers Kredite aufnehmen müssen. Ich bin ziemlich sicher, dass es in den ausländischen Ligen für die Vereine ab Platz drei, vier schwierig werden wird, große Transfers zu tätigen. Das trifft besonders die englischen Vereine. Das britische Pfund hat sich um ca. 30 Prozent abgeschwächt. Jeder Spieler, der von einem englischen Verein gekauft wird, kostet 30 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Bundesliga könnte davon profitieren."

...die Auswirkungen der Finanzkrise auf sein geplantes Ende als Manager: "Im Moment sieht es nicht so aus, als würde der FC Bayern davon betroffen werden. Wenn aber ein mehrfacher Milliardär wie Adolf Merckle sich umbringt, weil er nicht mehr weiter weiß, kann das auch in anderen Teilen der Wirtschaft passieren. Wenn sich die Finanzkrise auf den Sport ausweiten würde, ist doch klar, dass ich weiter machen würde. Das könnte ich aber auch als aktiver Aufsichtsratsvorsitzender. Sie müssen sich davon verabschieden, dass ich weg bin, wenn ich am 31.12. als Manager aufhöre. Ich werde sehr aktiv weiter für diesen Verein arbeiten. Man kann als Aufsichtsratvorsitzender so arbeiten oder so. Und ich werde so arbeiten. Ich werde das tun, was für den FC Bayern gut ist. Das habe ich mein Leben lang gemacht und das werde ich weiterhin tun."

...seinen Nachfolger als Manager: "Ich arbeite eng mit dem Aufsichtsrat zusammen und werde rechtzeitig sagen, wer meine Arbeit übernimmt."

...die Sticheleien von und gegen 1899 Hoffenheim: "Wir tun gut daran, die Sache auf dem Platz auszutragen. Auch Herr Hopp hat gezeigt, dass ihm die Giftpfeile von beiden Seiten auf die Nerven gehen. Das bringt uns nicht weiter. Wir sollten uns auf den Sport konzentrieren."

...den Kampf um die Meisterschaft: "Wir werden deutscher Meister. Das habe ich auch gesagt, als wir zwölf Punkte Rückstand hatten. Wir sind ja gefühlter Herbstmeister geworden. The trend is your friend. Und wir haben den Trend auf unserer Seite. Im Gegensatz zu Hoffenheim mussten wir uns erst sortieren. Neuer Trainer, viele verletzte Spieler. Wir haben uns sortiert und jetzt laufen die Dinge wie geplant. Jede Mannschaft gibt gegen uns immer 110 Prozent, das wird auf Hoffenheim in der Rückrunde auch zukommen."

...die Entwicklung von Jürgen Klinsmann: "Er arbeitet nach wie vor sehr intensiv auf einem hohen Niveau. Aber er ist gelassener geworden. Er lässt auch mal Fünfe grade stehen. Er wollte Rom in zwei Monaten erbauen, das ging nicht. Im Leistungszentrum ging es am Anfang zu wie in einem Bienenschwarm. Alles war hektisch. Jetzt ist es eine Oase der Ruhe, der Zufriedenheit. Es hat sich vieles beruhigt. Der Anpassungsprozess ist beendet."

...über seinen Freund Ottmar Hitzfeld, der am 12. Januar 60 Jahre alt wird: "Wir haben nach wie vor einen sehr guten Kontakt. Es geht ihm sehr gut. Er sieht aus wie 55, seitdem er nicht mehr bei Bayern arbeitet."

...über die Chancen des FC Bayern in der Champions League: "Es wäre arrogant zu sagen, dass wir die Champions League gewinnen können. Dafür ist die Konkurrenz zu groß. Aber ich traue der Mannschaft an guten Tagen zu, jeden zu schlagen. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist sehr gut, aber ob sie diesen "Geist von 2001" hat, wird sich erst in den Schlachten in der K.o.-Runde zeigen."

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