Bayern vor dem HSV-Spiel

Die Unberührbaren

Von Florian Bogner
Freitag, 30.01.2009 | 12:32 Uhr
Der FC Bayern holte sich im Trainingslager in Dubai die nötige Lockerheit für die Rückrunde
© Getty
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Es ist schon fast langweilig: Beim FC Bayern läuft vor dem Rückrunden-Auftakt der Bundesliga beim Hamburger SV (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) alles, aber auch wirklich alles, nach Plan. Selbst den schärfsten Kritikern fällt es schwer, den Harmonie-Junkies von der Säbener Straße eine Krise oder Brandherde anzudichten - einzig Franck Ribery macht etwas Theater. Aber die Ruhe stören kann das nicht.

Fünf kleinere bis größere Ultimaten hatte man beim FC Bayern nach Hinrunden-Ende ausgelobt. Die Personalien Hoeneß, Podolski, Ze Roberto, van Bommel und Tymoschtschuk galt es zu klären, und bei diesen Namen wird schnell klar, dass es sich nicht gerade um die Neubesetzung der Putzfrau oder des Zeugwarts an der Säbener Straße handelt.

Und was hat sich getan? Fast nichts! Einzig Lukas Podolski ist wunschlos glücklich und darf im Sommer an den Mutterbusen zurück nach Köln. Dass im zentralen Mittelfeld der Bayern bislang nur der Backup Andreas Ottl am 1. Juli noch gültige Arbeitspapiere besitzt, stört offenbar niemanden. Harmonie ist das Stichwort.

Keine Eile bei van Bommel und Ze Roberto

Die Münchner Journallie wurde am Donnerstag jedenfalls sehr hellhörig, als Jürgen Klinsmann ganz gelöst von einer Aufstockung des Ultimatums an van Bommel berichtete.

"Es gibt keine Deadline. Wenn er sagt, er braucht noch ein, zwei Wochen Bedenkzeit, dann ist das kein Problem", meinte der Bayern-Coach sichtlich gut gelaunt. Van Bommel hatte eigentlich nur um Bedenkzeit bis Ende Januar gebeten - der Trainer gewährt also großzügig eine Fristverlängerung.

Im Fall Ze Roberto ist man beim Meister sogar noch generöser. "Ich habe ihm gesagt: Wenn du dich entschieden hast, dann sag' Bescheid", meinte der Trainer. Ze Roberto selbst sprach von Verhandlungen Mitte Februar. "Dann rede ich mit dem Manager", so der Brasilianer. Die wichtigste Planstelle im Bayern-Mittelfeld bekommt also ungeahnte Privilegien eingeräumt. Der Harmonie wegen.

Die Lehren der Winterpause

Und warum das alles? Weil es auf dem Platz stimmt. Weil die Bayern am Dienstag wie kleine Orkane über die Mercedes-Benz-Arena zu Stuttgart hinwegfegten und elf kleine Schwaben wie Schulbuben mit runtergelassener Hose zurück ließen. Sie können sich Gelassenheit leisten.

Die Bayern scheinen sich in der Winterpause noch mehr Selbstvertrauen geholt zu haben, als sie ohnehin schon in ihrer Vereinsphilosophie mitbringen. Während in der Vorrunde noch das "System Hitzfeld" die Erfolge sicherte, haben die Münchner in Stuttgart erstmals ihren neuen Stil gezeigt: aggressives Pressing gepaart mit spielerischer Leichtigkeit.

"Wir haben den Spielern gezeigt, was es bringt, wenn wir uns nicht weit fallen lassen, sondern vorne pressen", erklärte Klinsmann.

"Eine heiße Kiste"

Und wer zweifelt daran, dass sich die Bayern auch in Hamburg aufführen werden wie virtuose aber gleichzeitig effiziente Maschinen? Der Meister selbst jedenfalls nicht.

"Man braucht nur auf die Tabelle zu schauen. Wir sind höchstmotiviert. Wir wissen um unsere Stärke", meint Klinsmann. "Wir haben die nächsten vier, fünf Monate viel vor und denken trotzdem von Spiel zu Spiel." Denn der Coach weiß, dass das Spiel "eine heiße Kiste wird".

Die erste Elf ist zementiert

Deshalb schickt er auch seine Stammelf aufs Feld. Die hat er nach nur einem Spiel bereits gefunden. Auf der von Franz Beckenbauer als ausbaufähig bezeichneten rechten Seite wirbelte in Stuttgart Bastian Schweinsteiger und zeigte ungeahnte Reife. Selbst der oft gescholtene Christian Lell darf sich angesichts der Rotsperre von Massimo Oddo an ungeahntem Vertrauen erfreuen.

"Christian hat seine Sache in Stuttgart sehr gut gemacht", sagt Klinsmann. "Er weiß, dass er jetzt mit guten Leistungen seine Position festigen kann."

Die erste Elf ist zementiert und auch die ersten beiden Einwechselplätze an Neuzugang Landon Donovan und So-gut-wie-Neuzugang Hamit Altintop vergeben. Selbst der in der Vorrunde so torgefährliche Tim Borowski kann da keine Ansprüche anmelden.

Ribery lässt nicht locker

Und was macht der Rest? Der sieht eben erstmal zu und hat angesichts der starken Leistungen der Stammelf auch kaum Recht auf Unmutsäußerungen. Auch der Harmonie wegen.

Das bedingte Recht auf Visionen hat höchstens der Ausnahmespieler des Teams, Franck Ribery. Der bekundete in der "L'Equipe", er verspüre durchaus Lust auf Verstärkungen zur kommenden Saison - ein deutliche und wiederholte Geste gegen die Mal-schauen-wie-gut-wir-wirklich-sind-Taktik der Vorstandsriege.

Lizarazu: Bayern sollte Riberys Wunsch erfüllen

Geht es nach Ex-Bayern-Star Bixente Lizarazu, sollten sich Hoeneß, Rummenigge und Co. die Warnungen des Franzosen durchaus zu Herzen nehmen.

"Wenn Franck sieht, dass er in München seine Ziele nicht erreichen kann, wird er es bei einem anderen, noch größeren Verein versuchen. Dann ist er spätestens am Ende seines Vertrags 2011 weg", so Lizarazu am Freitag in der "tz".

Das Ziel ist der Gewinn der Champions League. Und dafür brauchen die Bayern Ribery. Der bleibt aber nur, wenn der Kader sukzessive verstärkt wird. "Wenn Bayern drei, vier Topspieler holt, wird Franck bleiben. Wenn nicht, wird es schwer", meint Lizarazu.

Doch selbst in diesem Fall ist Klinsmann gleichermaßen Deeskalationsguru wie Motivator: "Wir sind ja an anderen Spielern dran", meint er fast beschwichtigend, "aber das kommunizieren wir erst, wenn alles unter Dach und Fach ist." Der Harmonie wegen.

Hamburg - Bayern: die voraussichtlichen Aufstellungen

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