Der designierte Bayern-Zugang Baumjohann im Porträt

Assauers belächelte Prophezeiung

Von Florian Bogner
Dienstag, 20.01.2009 | 17:08 Uhr
Mit einem Schlag wieder im Rampenlicht: Baumjohann erzielte gegen Bremen sein erstes Tor
© Imago
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Die offizielle Bestätigung steht noch aus, dennoch scheint klar: Der FC Bayern holt Gladbachs Perspektivspieler Alexander Baumjohann an die Isar. Der hat einen langen Weg vom Jahrhunderttalent zum Prügelknaben hinter sich, scheint jetzt aber gereift. SPOX befragte Ex-Coach Jos Luhukay nach dessen Zukunftsaussichten beim Rekordmeister und der traut ihm einiges zu.

Da saß Rudi Assauer also anno 2004 beim DSF-Doppelpass und hörte sich erstmal in aller Ruhe an, was von Lattek und Co. so über die blendenden Zukunftschancen von Jugendspieler X und Y parliert wurde.

Plötzlich lehnte er sich bedeutungsschwanger nach vorne und gab seine Sicht der Dinge preis. Alles Käse, meinte er in seiner prophetischen Art, wenn überhaupt, dann werde ein gewisser Alexander Baumjohann der nächste Ballack. Wenn er es nicht schaffe, dann keiner.

Doch ebenso schnell wie er aufgepoppt war, verschwand der Name Baumjohann damals wieder in der Versenkung. Nach drei enttäuschenden Jahren auf Schalke und einer einjährigen Durststrecke bei Borussia Mönchengladbach ist der fast 22-Jährige erst jetzt im Big Business Bundesliga angekommen - und nach nur 17 Einsätzen in der höchsten Spielklasse vom FC Bayern ablösefrei verpflichtet worden.

"Ich traue ihm den Sprung zu"

Für seinen Ex-Trainer Jos Luhukay ist das trotz allem keine große Überraschung. "Ich glaube nicht, dass es in Deutschland in dem Alter so viele Spieler von seiner Qualität gibt", sagt der Holländer im Gespräch mit SPOX. "Er hat die individuelle Qualität, vor allem im technischen Bereich. Da gibt es in dem Alter nicht so viele, die schon so weit sind. Ich traue ihm zu, dass er den Sprung schafft."

Dennoch raunt Fußball-Deutschland damals wie heute: Baum-wer? Nur der Zusammenhang ist ein anderer. 2004 war der von Assauer so schroff ins mediale Licht Geworfene zarte 16 und schon eilte ihm der Ruf voraus, ein Jahrhunderttalent zu sein.

Zwar zog Trainer Jupp Heynckes ("eines der größten Talente, die wir hier auf Schalke ausgebildet haben") den Minderjährigen Anfang 2004 aus der B-Jugend zu den Profis nach oben, doch anschließend stockte Baumjohanns Entwicklung gehörig.

Verletzungen und mangelnde Einstellung wurden ihm zum Verhängnis, Assauers Prophezeiung schien sich in immer wiederkehrenden Enttäuschungen im Nichts aufzulösen. Einmal, als Baumjohann in Hip-Hop-Outfit mit hängender Hose und schiefem Cap zum Training schlurfte, soll der Manager ihn ins Büro zitiert und ordentlich zur Minna gemacht haben, erzählt man auf Schalke heute.

Nur 28 Minuten Bundesliga

Der Durchbruch gelang ihm dennoch nicht. 28 Minuten Bundesliga brachte er in den folgenden zwei Spielzeiten auf Schalke zustande, im Januar 2007 folgte er seinem ehemaligen Mentor Heynckes nach Mönchengladbach. Die Konkurrenz bei Schalke sei eben zu groß gewesen, meinte Baumjohann damals.

Unter Heynckes erhoffte er sich endlich einen Schub. Dumm nur, dass sein Mentor nach wenigen Wochen schon wieder gefeuert war. Das Jahrhunderttalent brachte es in Gladbachs Zweitliga-Meistersaison 2007/2008 gerade mal auf einen Einsatz und war teilweise sogar nur Ersatzspieler der Reserve.

Gladbach-Coach Luhukay damals: "Allein ein guter Fußballer zu sein, reicht nicht. Dazu gehören auch Professionalität, Ernsthaftigkeit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen und im Mittelfeld gegen den Ball zu arbeiten." Vor Beginn der laufenden Saison sollte er weg, es fand sich bloß kein Abnehmer.

Menschlich und mental gereift

Und mit dem Rücken zur Wand gab Baumjohann endlich, endlich, endlich Gas. Eine Top-Vorbereitung und verbessertes Defensiv-Verhalten spülten ihm am dritten Spieltag in die Startelf. Baumjohann dankte es dem Trainer und krönte seine starke Leistung beim 3:2-Sieg über Bremen nach einem Solo über den halben Platz mit seinem ersten Bundesligator.

Nur ein Indiz dafür, warum Luhukay heute anders über den 21-Jährigen spricht. Glaubt man dem Holländer, ist aus Baumjohann im abgelaufenen Jahr ein neuer Mensch geworden. Ein Erwachsener. "Das letzte Jahr hat ihn menschlich und mental enorm stark gemacht, weil er zum ersten Mal in seiner jungen Karriere einen Rückschlag verkraften musste", sagt er.

"Er hat das 'Talent sein' endlich zur Seite gelegt. Er ist mental härter geworden, kann mit Rückschlägen besser umgehen", so Luhukay. Unter ihm und zuletzt Hans Meyer habe sich Baumjohann "kontinuierlich weiterentwickelt"- physisch und vor allem psychisch.

Kurzum: Er habe endlich das Bewusstsein dafür entwickelt, was es heißt, ein Profi zu sein. "Er hat begriffen, dass er immer das Maximale aus sich herausholen muss", sagt Luhukay. Baumjohann selbst sieht das ähnlich: "Mich kann nichts mehr schocken. Ich habe trotz meiner nur 21 Jahre bereits erlebt, wie schnell es im Fußball gehen kann."

Jansen: "Vielleicht passiert das Unerwartete"

Die Fähigkeiten, um sich mittelfristig beim FC Bayern durchzusetzen, bringt er allemal mit. "Er hat viel Potenzial, ist technisch überragend und mit einer super Spielübersicht ausgestattet", preist Luhukay die Vorzüge seines Ex-Zöglings an.

Allerdings müsse Baumjohann erstmal den ersten Schritt vor dem zweiten machen. Heißt: Stammplatz in Gladbach. Luhukay: "Wenn man zu Bayern geht, braucht man Erstliga-Erfahrung. Wichtig ist, dass er im nächsten halben Jahr jede Woche zum Einsatz kommt. Er braucht die Spiele, um sich noch weiterzuentwickeln."

Stellt sich nur noch die Frage, ob der FC Bayern Baumjohann überhaupt gebrauchen kann. Eine Position im zentralen, offensiven Mittelfeld gibt es im Klinsmann'schen System derzeit nicht, dazu gibt es ja auch noch einen gewissen Toni Kroos - ebenfalls ein Jahrhunderttalent - der Baumjohann das Leben schwer machen dürfte.

Ein Fehler also, nach München zu gehen? Marcell Jansen, der ebenfalls als Jungspund von Gladbach nach München ging, sieht das im "kicker" nicht so: "Wenn der Alex, der ein sehr guter Fußballer ist, dort viele Trainingseinheiten mitnehmen und sich über die zweite Mannschaft für Höheres empfehlen will, warum nicht? Vielleicht passiert das Unerwartete."

Wäre zumindest nicht das erste Mal in seiner Karriere. Dass sich Assauers prophetische Aussage irgendwann doch noch mal ansatzweise bewahrheiten würde, ahnte schließlich lange Zeit auch niemand. Er ist schließlich schon früher als Michael Ballack beim FC Bayern angekommen.

Alexander Baumjohann im Steckbrief

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