Der untypische Brasilianer

Von Andreas Lehner
Donnerstag, 27.11.2008 | 16:03 Uhr
Kölns Pedro Geromel (M.) stand bisher bei allen 14 Spielen 90 Minuten auf dem Platz
© Getty
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Zweimal stieg der 1. FC Köln nach einem Aufstieg potwendend wieder ab. Diesmal scheinen die Kölner die richtigen Lehren gezogen zu haben. Mit einer veränderten Transferpolitik haben sie Qualität geholt und sich in der Liga etabliert. Ein Spieler macht besonders auf sich aufmerksam: Pedro Geromel. Er steht für eine Entwicklung beim FC und dient als Prototyp des modernen Verteidigers.

Die Welle der Euphorie hat nun auch Stefan Raab erwischt. Seit einigen Tagen ist der TV-Moderator Mitglied beim 1. FC Köln - das 44.444ste, wie der Verein stolz auf seiner Homepage vermeldete. Und die Zahl steige seither täglich immens an.

Es herrscht wieder Aufbruchsstimmung am Rhein. Doch diesmal nicht verfrüht und unbegründet. Denn der Aufsteiger hat sich in der Liga etabliert, nicht so welterschütternd wie 1899 Hoffenheim, aber doch besser als Borussia Mönchengladbach - was in der Domstadt äußerst wichtig ist - und besser als es viele vor der Saison erwartet hatten.

Investitionen in Qualität

Grund für das gute Abschneiden ist die stabile Defensive, Köln hat die fünftbeste Abwehr der Liga (erst 20 Gegentore), die sich zu einem Großteil aus Neuzugängen zusammensetzt.

Im Vergleich zu den anderen Aufstiegsjahren investierte der FC vermehrt in defensiv denkende Akteure mit hoher Qualität. Allen voran der portugiesische Internationale Petit - und Pedro Geromel.

Geholt wurde der 23-Jährige, der auf Anhieb Kapitän Kevin McKenna in der Innenverteidigung verdrängte, für 2,5 Millionen Euro von Vitoria Guimaraes. Ein stolzer Preis, aber mittlerweile darf der Deal als echtes Schnäppchen gelten.

Bereits nach dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am 7. Spieltag machte sich Christoph Daum Sorgen, wie man Geromel eigentlich halten solle, da es für diesen Mann nur ein Prädikat gebe: "weltklasse".

Prototyp des modernen Innenverteidigers

Geholt wurde der Innenverteidiger aufgrund seiner ungemein hohen Spielintelligenz, wie Boris Notzon, Leiter des Kölner Sportslabs, SPOX erklärt: "Seine herausragende Stärke ist seine Antizipationsfähigkeit. Er ist ein Spieler, der trotz seines jungen Alters ein Spiel unheimlich gut lesen kann. Er erkennt Situationen und Passwege schon bevor sie entstehen und hat dadurch oft eine bessere Position gegenüber dem Stürmer."

Diese leidvolle Erfahrung mussten schon viele Angreifer in der Liga machen. Durch sein taktisches Geschick und sein starkes Stellungsspiel verliert er nur selten Zweikämpfe. Geromel ist ein Prototyp des modernen Innenverteidigers wie ihn Joachim Löw immer wieder propagiert. Viel vorhersehen, ablaufen, wenig grätschen.

Neben seinem starken Auge kommt ihm auch zugute, dass "er eine sehr gute Spieleröffnung hat, da er technisch sehr stark ist", wie Notzon sagt. Und seine Verbissenheit. Seit Wochen spielt er trotz eines schmerzenden Meniskuseinriss im Knie und wird nebenbei konservativ behandelt. Die fällige Operation hat er in die Winterpause verlegt.

"Pedro hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Das kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen", lobte ihn Trainer Daum.

Köln auf den Spuren Leverkusens

Den Kölnern ist mit Geromels Verpflichtung etwas gelungen, was eigentlich eine Domäne des Rheinrivalen Bayer Leverkusen ist - junge Brasilianer entdecken und sie zu internationalen Spitzenspielern formen.

Bayers großes Plus gegenüber anderen deutschen Vereinen war immer die vorbildliche Betreuung der Südamerikaner, die für gewöhnlich schnell an Heimweh leiden.

Auch Geromel wird vom FC fürsorglich umsorgt, aber Anpassungsprobleme gab es für den 23-Jährigen ohnehin nicht, da er bereits mit 17 Jahren nach Europa wechselte und über die zweite portugiesische Liga den Einstieg in den Profifußball schaffte.

Jung, weltoffen, aufgeschlossen

Ohnehin hat Geromel einen für einen brasilianischen Fußballer ungewöhnlichen familiären Hintergrund. Er lernte das Spiel nicht wie so viele in den Favelas, sondern wuchs ähnlich wie Milans Kaka in behüteten, mittelständischen Verhältnissen auf.

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"Er ist ein aufgeschlossener, weltoffener, junger Kerl ohne Starallüren, der sich hier schnell und gut eingefügt hat", beschreibt Notzon.

Bester Verteidiger Portugals

So gut, dass er auch schnell wieder weg sein könnte. Noch bevor er zum FC wechselte, wurde er in Portugal zum besten Verteidiger der Saison gewählt. Gut für den FC, dass die Verhandlungen damals schon weit vorangeschritten waren.

Durch ihr Scoutingsystem samt Sportslab war Köln in der besten Position und erhielten am Ende den Zuschlag.

Spätestens nach der Saison dürften zahllose Angebote ins Haus flattern. Michael Meier verweist auf einen bis 2012 datierten Vertrag ohne Ausstiegsklausel, der auch für die 2. Liga Gültigkeit besitzt. Doch über Zweitligafußball müssen sie sich in Köln im Moment keine Gedanken machen.

Kader, Ergebnisse, Presseschau: Alle Infos zum 1. FC Köln

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