Thon: "Können Ribery aus dem Spiel nehmen"

Von Interview: Daniel Paczulla
Samstag, 08.11.2008 | 11:22 Uhr
Olaf Thon spielte 13 Jahre für Schalke 04 und 6 Jahre für den FC Bayern München Profifußball
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Am Sonntag erwartet der FC Schalke 04 im Top-Duell des 12. Spieltags den FC Bayern München (ab 16.45 Uhr im SPOX-Ticker, ab 16.25 Uhr bei Premiere). Die Münchner müssen dabei auf Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski verzichten, können aber wiesder auf Luca Toni im Angriff bauen. Doch dieses Mal soll es für die Königsblauen anders enden als das 0:1 Anfang des Jahres. 

Im SPOX-Interview erklärt Olaf Thon, welche Früchte die Zusammenarbeit mit Fred Rutten bisher trägt und mit welcher Geheimwaffe sie Ribery und Co. ausschalten wollen.

SPOX: Ein Drittel der Saison ist absolviert. Wie fällt ihr Zwischenfazit unter dem neuen Trainer Fred Rutten aus?

Olaf Thon: Man kann noch kein Resümee ziehen. In der Politik macht man es zwar nach 100 Tagen, aber einem Trainer muss man mehr Zeit geben. Erst nach einer Saison kann man eine Handschrift erkennen und sagen, ob er die Spieler weitergebracht hat.

SPOX: Aber Sie können sagen, ob schon eine Philosophie von Rutten zu erkennen ist.

Thon: Natürlich. Er hat ein klares System mit drei Spitzen. Er agiert offensiv und tritt die Flucht nach vorne an. Dazu haben wir mit acht Gegentoren die beste Abwehr der Liga.

SPOX: Allerdings schlägt sich Ruttens Marschroute nicht auf dem Torekonto nieder. Da stehen genau wie in der letzten Saison nach elf Spielen 17 Treffer zu Buche.

Thon: Das ist richtig. Aber auch wenn wir nicht viel mehr Tore geschossen haben, spielen wir sehr offensiv und arbeiten uns viele Chancen heraus. Ich hoffe, dass die Chancenauswertung jetzt noch besser wird.

SPOX: Einer, der helfen könnte, wäre Lukas Podolski. Vor einem Jahr haben Sie im SPOX-Interview gesagt, dass es ein Traum von Ihnen wäre, wenn Podolski auf Schalke spielen würde. Poldi ist immer noch unzufrieden in München. Wäre er einer für den Winter?

Thon: Das war mal vor eineinhalb Jahren ein Thema. Aber im Moment machen wir uns bei Schalke keine Gedanken um ihn. Zumal der FC Bayern auch ganz klar gesagt hat, dass er ihn nicht abgibt.

SPOX: Mit Rutten keimte neue Hoffnung auf, dass die Mannschaft besseren Fußball spielt. Bis zum UEFA-Cup-Spiel gegen Paris St. Germain war das aber nicht der Fall. Warum?

Thon: Wir hatten natürlich einige Probleme und es lief nicht rund. Wir haben uns zwar punktuell verstärkt, aber sowohl Jefferson Farfan als auch Orlando Engelaar haben sich verletzt und sind fast sechs Wochen ausgefallen. Deswegen ist es auch noch zu früh, um jetzt schon eine Handschrift zu erkennen, bei der man sagt: "Das ist es!" Da muss man Rutten Zeit geben. Was man aber jetzt schon sieht: Wir haben mit den beiden Neuen deutlich mehr Möglichkeiten und sind viel variabler.

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SPOX: Seit der Partie gegen Paris lässt Rutten ein neues System spielen. Von drei defensiven Mittelfeldspielern auf zwei, plus einen Offensiven. Dadurch spielt Ivan Rakitic nicht mehr auf dem ungeliebten linken Flügel, sondern im zentralen Mittelfeld. Hat der Trainer umgestellt, weil es keinen Fortschritt gab?

Thon: Rutten hat es damit begründet, dass er immer spielbezogen aufstellen will und nach der Form der Spieler geht. Das hat er getan. Und er hat auch immer gesagt, dass Rakitic im offensiven Mittelfeld eine große Zukunft hat. Aber Ivan braucht noch Zeit. Er ist erst 20 Jahre alt. 

SPOX: Laut "Sport-Bild" sollen sich angeblich Kevin Kuranyi und Heiko Westermann den Systemwechsel gewünscht haben und Rutten dazu überredet haben.

Thon: Ich habe das weder gehört noch gelesen. Da lässt sich Rutten aber nicht reinreden. Er hat eine Philosophie und stellt alleine die Mannschaft auf.

SPOX: In einem Interview beklagte Jermaine Jones das Fehlen eines Spielmachers wie Lincoln. Fehlt es Schalke im Mittelfeld an Kreativität?

Thon: Nein! Wir haben viele kreative Spieler. Und wir haben einen Rakitic, da brauchen wir nicht an Lincoln denken.

SPOX: Mit der Systemumstellung lief es direkt besser. Allerdings sagte Rutten nach den Auswärtssiegen in Karlsruhe und Cottbus, dass es keine Teams mit großer Qualität waren. Folgen jetzt erst die Gradmesser?

Thon: Ja. Die Begegnungen gegen Bayern und dann in Leverkusen werden richtungsweisend sein. Aber bei Energie und beim KSC einen Dreier einzufahren, ist oft schwerer als gegen Bayern oder Leverkusen. Und die beiden Siege waren sehr, sehr wichtig und geben viel Selbstvertrauen.

SPOX: Wie wichtig ist das Bayern-Spiel für Schalke?

Thon: Sehr wichtig. Nur wer das Duell gewinnt, hat auch eine Chance, im Kampf um die Herbstmeisterschaft gegen Hoffenheim und Leverkusen zu bestehen.

SPOX: Wie kann man den Rekordmeister schlagen?

Thon: Man muss mutig nach vorne spielen und sie über den Kampf niederringen.

SPOX: Die Bayern sind seit vier Bundesliga-Spielen ungeschlagen. Greift jetzt schon das System Klinsmann?

Thon: In der Bundesliga auf jeden Fall. In der Champions League haben sie in Florenz nicht so gut gespielt und ein glückliches 1:1 eingefahren. Allerdings ist bei den Bayern eine deutliche Aufwärtstendenz zu erkennen.

SPOX: Warum läuft es beim FCB auf einmal?

Thon: Zum einen ist Mark van Bommel wieder in der Mannschaft. Und ein Kapitän ist nur ein Kapitän, wenn er spielt. Zudem ist Franck Ribery nach seiner Verletzung in der Offensive ein Garant für Tore. Er alleine kann eine ganze Abwehr verladen.

SPOX: Wie kann man die Münchner stoppen?

Thon: Wir müssen nach den beiden Auswärtssiegen mit breiter Brust ins Spiel gehen. Außerdem müssen wir Ribery ausschalten. Aber ich denke, da haben wir gute Leute, die das sehr gut machen können. Wir sind in der Lage, ihn aus dem Spiel zu nehmen.

SPOX: Sie zählen Hoffenheim zu den Kandidaten, die Herbstmeister werden können. Was macht den Aufsteiger so stark?

Thon: Ich habe Hoffenheim in Bochum gesehen und bin begeistert von ihrer Raumaufteilung. Zudem sind sie ganz stark im Sturm. Vor allem Demba Ba, der außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Er hat eine extrem starke Sprungkraft und ein sehr gutes Kopfballspiel. Dazu kommt Vedad Ibisevic, der eine tolle Ergänzung ist.

SPOX: Ist Hoffenheim für Schalke ein möglicher Gegner im Titelkampf?

Thon: Im Moment läuft bei denen alles. Aber ich glaube nicht, dass sie Meister werden. Jedoch sollte Platz drei durchaus machbar sein. Auf jeden Fall werden sie oben mitspielen und sind eine Bereicherung für die Liga.

Schalke gegen Bayern: die Bilanz

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