Fromlowitz: "Ich halte auch die Unhaltbaren"

Von Interview: Viktoria Noll
Freitag, 07.11.2008 | 13:02 Uhr
Florian Fromlowitz (M.) vereitelt spektakulär eine Großchance von Bremens Rosenberg (l.)
© Imago
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Lange war Florian Fromlowitz vom Verletzungspech geplagt, jetzt profitiert er selbst vom Pech eines anderen. Seit dem Ausfall von Robert Enke steht der 22-Jährige im Tor von Hannover 96.

Im SPOX-Interview spricht Florian Fromlowitz über den Konkurrenzkampf mit Robert Enke, seine persönliche Schlüsselszene, den Selbstfindungsprozess von Hannover 96 und die Qualen des Torwarttrainings mit Gerry Ehrmann.

SPOX: Herr Fromlowitz, Sie sind von der Ersatzbank zum Stammtorhüter aufgestiegen. Ganz ehrlich: Wie groß war die Freude, als Sie von Robert Enkes Verletzung gehört haben?

Florian Fromlowitz: Natürlich hatte und habe ich Mitgefühl mit Robert, da ich letztes Jahr durch einen Kreuzbandriss auch sehr lange außer Gefecht gesetzt war, auf der anderen Seite habe ich mich natürlich sehr gefreut. Ich habe Robert sofort angerufen und alles Gute gewünscht. Aber so ist es im Fußballgeschäft, der eine ist verletzt und der andere bekommt dadurch seine Chance. Jetzt versuche ich, Robert so gut wie möglich zu vertreten.

SPOX: Ihr Liga-Debüt bestritten Sie gegen offensiv sehr starke Hoffenheimer, an die Sie ohnehin keine guten Erinnerungen haben. Bei der letzten Begegnung zogen Sie sich einen Kreuzbandriss zu, jetzt mussten Sie fünf Gegentore einfangen.

Fromlowitz: Vor der Partie waren alle Augen auf mich gerichtet, da jeder meine Vorgeschichte mit Hoffenheim kennt. Das Debüt ist natürlich nicht nach meinen Vorstellungen gelaufen. Ich habe bei einigen Szenen auch nicht gut ausgesehen. Gleich am Anfang fünf Tore zu kassieren, ist nicht gerade einfach. Danach habe ich sofort versucht, mich nur auf mich selbst zu konzentrieren und mich auf meine alten Stärken zu verlassen. Das Spiel gegen Bremen war genau die richtige Antwort. Ich habe wieder die Sicherheit zu sagen, dass ich auch die unhaltbaren Bälle halten und damit der Mannschaft helfen kann. Außerdem macht es mir momentan richtig viel Spaß.

SPOX: Wie waren die Reaktionen der Mannschaft und des Trainers nach dem missglückten Debüt?

Fromlowitz: Ich habe nach dem Spiel gar nicht richtig mitbekommen, wer alles zu mir gekommen ist. Es waren auf jeden Fall sehr viele. Der Trainer und der Torwarttrainer haben in der Woche mit mir gesprochen und mich wieder aufgebaut. Im Endeffekt liegt es aber an mir, denn auf dem Platz kann mir sowieso niemand helfen. Deswegen war ich auch sehr enttäuscht von mir, weil ich genau weiß, was ich kann. Ich wollte direkt am Anfang einen guten Eindruck hinterlassen, dass es dann so gekommen ist, war sehr unglücklich.

SPOX: Nach dem Spiel haben Sie gesagt, Sie werden gestärkt aus der Situation hervorgehen. Das ist Ihnen eindrucksvoll gelungen. Wie haben Sie das geschafft?

Fromlowitz: Der Druck war natürlich sehr groß. Ich bin auch nur ein Mensch, an dem so etwas nicht spurlos vorbeigeht. Es ist auch einiges auf mich eingeprasselt, aber ich habe mich mit den Medien nach dem Spiel gar nicht beschäftigt, sondern nur versucht, mit mir wieder ins Reine zu kommen. Jetzt bin ich in der Bundesliga angekommen, auch wenn sicherlich wieder Spiele kommen werden, die nicht optimal verlaufen. Jeder große Torhüter hat eine schwierige Zeit überstehen müssen, das war jetzt meine. Ich war am Boden und bin wieder aufgestanden.

SPOX: Gab es dabei ein Schlüsselerlebnis?

Fromlowitz: Die Parade beim Schuss von Rosenberg, die uns letztlich den Punkt gegen Bremen gerettet hat, hat mir den nötigen Ruck gegeben, wieder zu mir selbst zu finden. Die folgenden Spiele sind auch gut gelaufen, vor allem der Sieg gegen Hamburg, bei dem wir zu Null gespielt haben. So kann es weitergehen.

SPOX: Hannover ist bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In der Vorsaison standen Sie zur gleichen Zeit schon auf Rang sechs. Warum läuft es nicht besser?

Fromlowitz: Wir haben uns schon mehr vorgestellt. Dass wir im Moment viele Verletzte haben, darf letztlich keine Ausrede sein. Damit muss jede Mannschaft umgehen können. Wir müssen unsere Ziele jetzt neu definieren und abwarten, was wir bis zur Winterpause noch erreichen.

SPOX: Was fehlt der Mannschaft, damit sie um die internationalen Ränge mitspielen kann?

Fromlowitz: Wir haben uns durch die Zugänge vor der Saison sehr verstärkt. Wir müssen uns nur noch finden. Bisher haben wir unser Potenzial noch nicht abrufen können, vor allem auswärts müssen wir uns stabilisieren. Das bedeutet sicherlich einen kleinen Neuanfang.

SPOX: Robert Enke ist die unumstrittene Nummer eins im Verein. Warum haben Sie sich für Hannover entschieden, obwohl kein Stammplatz in Sicht war?

Fromlowitz: Ausschlaggebend war die gute Arbeit des Managements und des Trainers. Sie haben großes Interesse an mir als Sportler, aber auch an mir als Person gezeigt. Das hat mich sehr beeindruckt. Schon das erste Treffen in der AWD-Arena ist positiv verlaufen und ich habe sofort gespürt, dass mich der Verein wirklich haben und mit mir etwas aufbauen will. Vor der Saison gab es hie und da ja auch noch leichte Zweifel, ob Robert in Hannover bleibt. Daher habe ich mir ein bisschen Hoffnung gemacht, aber ich wusste auch, dass ich mich zunächst hinten anstellen muss. Nach der Verletzung habe ich vielleicht auch noch ein bisschen Zeit gebraucht. Und wie schnell es im Fußball gehen kann, habe ich gerade wieder mal gemerkt.

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SPOX: Dann sehen Sie Robert Enke eher als Konkurrenten.

Fromlowitz: Robert ist für mich einer der besten Torhüter Deutschlands, der seine Leistung in den letzten Jahren immer konstant abgerufen hat. Daher ist die Aufgabe für mich im Tor eine große Herausforderung. Ich versuche, ihn gut zu vertreten. Ein erstes Ausrufezeichen habe ich bereits gesetzt und muss mich jetzt bis zum Winter gut präsentieren. Ich verlasse mich aber nicht darauf, dass es genauso gut weitergeht. Robert und ich reden normal miteinander, sind aber letztendlich Konkurrenten. Und wenn ich auf dem Platz stehe, kann er mir auch nicht helfen.

SPOX: Das Motto Ihres ehemaligen Torwarttrainers in Kaiserslautern, Gerry Ehrmann, lautet: "Mit Spaß quälen". War es wirklich so?

Fromlowitz: Am Anfang war es sehr, sehr schwer. Ich bin in der B-Jugend zu ihm gekommen und da war es schon eine harte Zeit. Wenn man als neuer Torwart nach Kaiserslautern kommt, muss man erst einmal mit dem Typ und den harten Trainingseinheiten zurechtkommen. Ich musste mich auch erst daran gewöhnen. Vor allem hinsichtlich der Ausdauer ist das Training sehr anspruchsvoll. Aber es hat sich gelohnt. Er hat in all den Jahren sehr gute Torhüter ausgebildet. Ich bin dankbar dafür und wir telefonieren auch heute noch oft.

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