Bundesliga - 12. Spieltag

Bremer Nerven liegen blank

SID
Samstag, 08.11.2008 | 20:45 Uhr
Die Bremer Torsten Frings (l.), Naldo und Diego (r.) sind ratlos
© Getty
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Nach dem 0:0 beim VfL Bochum leigen bei Werder Bremen die Nerven blank. Von einer realistischen Einschätzung der Lage waren Torsten Frings, Diego und Co. meilenweit entfernt.

Wieder kein Sieg, eine unnötige Rote Karte und überzogene Kritik am Schiedsrichter: Auf der Suche nach einem Weg aus der Krise liegen bei den Spielern von Werder Bremen offenbar die Nerven blank.

Torsten Frings, Diego und Co. waren nach dem 0:0 beim VfL Bochum nicht nur einmal mehr von ihrer Bestform, sondern auch von einer realistischen Einschätzung der Lage meilenweit entfernt.

So blieben die Werder-Anhänger mit einer beherzten Aktion gegen eine Nazi-Gruppierung in ihrem Fan-Block kurz nach Spielende die einzigen Gewinner des Tages.

Pizarro: "Schiedsrichter war eine Katastrophe"

"Der Schiedsrichter war eine Katastrophe. So etwas habe ich noch nie erlebt", meinte Stürmer Claudio Pizarro und giftete gegen Referee Deniz Aytekin, und Frings fügte mit Blick auf den Betriebswirt aus Oberasbach hinzu: "Das war eine absolute Alibivorstellung."

Tatsächlich pfiff der 30-Jährige in seinem dritten Bundesliga-Spiel alles andere als glücklich, aber keineswegs so schlecht wie von den Bremern beschrieben.

Aytekin verweigerte beiden Teams wohl zu Unrecht einen Strafstoß, allerdings beklagten sich nur die Gäste über die sie betreffende Aktion des Bochumers Christian Fuchs gegen Pizarro im Strafraum (7.).

Özil sieht Rot

"Das war ein 1000-prozentiger Elfmeter", meinte Frings. Pizarro dichtete Aytekin zusätzlich "unfassbar viele Fehler" an. Völlig richtig lag der Schiedsrichter bei der Roten Karte gegen Mesut Özil (84.), der sich von Thomas Zdebel provozieren ließ und nachtrat.

Der VfL-Kapitän bezeichnete die Schiri-Schelte später als "schwachsinnig". Die Bremer hätten lediglich Schwierigkeiten gehabt, "gegen uns anzukämpfen", so Zdebel: "Sie sollten lieber die Fehler bei sich suchen."

Trainer Thomas Schaaf ("Jeder hat das mit eigenen Augen gesehen") und Manager Klaus Allofs wollten zur Schiedsrichter-Leistung keinen konkreten Kommentar abgeben, machten aber ansonsten fundiertere Aussagen als ihre Spieler.

"Wir haben uns besser präsentiert als gegen Athen, aber wir sind noch ein gutes Stück weg von alter Form. Das war ein Anfang - es muss noch mehr kommen´, meinte Allofs.

Wiese rettet das Unentschieden

Schaaf haderte lediglich mit der schwachen Chancenverwertung: "Bis zum Strafraum sah das gut aus, wir waren aber im Abschluss nicht entschlossen genug." In der Tat wäre ein Bremer Sieg wegen eines Übergewichts in der ersten 70 Minuten nicht unverdient gewesen.

Um ein Haar wäre Werder aber noch als Verlierer vom Platz gegangen. Doch Torwart Tim Wiese rettete mit einer Glanzparade nach einem Schuss von Christoph Dabrowski (76.) das Remis.

Danach war es Spielmacher Diego, der mit Blick auf den derzeitigen Stand der Mannschaft jeglichen Realitätssinn vermissen ließ. "Ich werde nächstes Jahr mit Werder in der Champions League spielen", erklärte der Brasilianer.

Allofs: "Es gibt kein Interesse von Juve"

Sein Bekenntnis zu den Grün-Weißen schien in dem Satz der Bestandteil, der noch am ehesten zutreffen könnte. Auch in diesem Punkt gab sich Allofs zurückhaltender, nachdem unter Woche Meldungen über ein angebliches Angebot von Juventus Turin die Runde gemacht hatte.

"Es gibt kein Interesse von Juve", meinte Allofs: "Diego steht bei uns bis 2011 unter Vertrag. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass er auch bis 2011 bleibt. Wir haben allerdings keinerlei Pläne, ihn abzugeben."

Allofs stolz auf Werder-Fans

Die Werder-Fans gingen derweil direkt nach Spielende im Block gegen eine rechte Gruppierung auf die Barrikaden. Dabei handelte es sich nach Polizeiangaben um sechs Personen der Gruppe "Nordsturm Hansestadt Bremen", die mehrfach während des Spiels ein Plakat mit ihrem Schriftzug ("NSHB") und einem stilisierten Totenschädel ausgerollt hatten.

Die Bremer Fans gingen die Gruppe mit "Nazis-raus"-Sprechchören, allerdings auch handgreiflich an. Die Polizei nahm die sechs Personen zu ihrer eigenen Sicherheit in Gewahrsam.

Weil kein Straftatbestand vorlag, wurde die Gruppe nach Bremen zurückgeschickt. "Bei uns haben sich Fans als Nazis geoutet. Die sind sofort von anderen Fans gepackt worden. Eine gute Aktion unserer Fans", sagte Allofs, "das ist nicht das Gedankengut von Werder Bremen". 

Bochum - Bremen: Alle Daten und Fakten zum Spiel

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