FC Bayern: Klinsmann will Donovan

Klinsmann will Donovan eine Chance geben

Von Florian Bogner / Thomas Gaber
Donnerstag, 13.11.2008 | 11:46 Uhr
Landon Donovan (rechts) spielte bereits für Bayer Leverkusen in der Bundesliga
© Getty
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Der FC Bayern macht sich offenbar ernste Gedanken, US-Stürmer Landon Donovan zu verpflichten. Ansonsten ist im Bayern-Sturm alles im Lot - wäre da nicht die leidige Diskussion um Lukas Podolski.

 

Das Vormittagstraining des FC Bayern hatte am Mittwoch zwei Kiebitze mehr: Uli Hoeneß und Paul Breitner. Bei Schmuddelwetter hatten es sich die beiden Bayern-Größen auf einem Balkon des neuen Vereinsgebäudes an der Säbener Straße mit um die Beine geschlungenen Decken kuschelig gemacht und beobachteten das Treiben auf dem Platz.

Die zweite Mannschaft des FC Bayern hatte die Ersatzspieler und Rekonvaleszenten der ersten Mannschaft zu einem ernsthaften 11-gegen-11 herausgefordert.

Der Grund für die prominente Stippvisite war Landon Donovan. Der frischgebackene US-Fußballer des Jahres von Los Angeles Galaxy trainiert seit Dienstag an der Säbener Straße, um sich fit zu halten - und vielleicht auch für mehr.

Hoeneß bei Donovan zurückhaltend

"Es ist kein Geheimnis, dass ich nun irgendwo in Europa spielen möchte. Das ist mein langfristiger Plan, egal was passiert", ließ der 26-Jährige über "Goal.com" verlauten. Und angeblich reifen beim FC Bayern die Überlegungen, den 102-fachen Nationalspieler für die spielfreie Zeit in den USA Anfang des kommenden Jahres auszuleihen - ähnlich wie das der AC Mailand mit David Beckham tut.

Hoeneß und Breitner beobachteten also ganz genau, was der US-Boy an diesem regnerischen Nachmittag im Trainingsspiel auf den Rasen zauberte, um sich ein Bild von ihm zu machen. "Was wir von ihm gesehen haben, war okay", meinte der Manager anschließend. "Kicken kann er, er muss sich aber erstmal eingewöhnen. Er ist jetzt zehn Tage hier, dann sehen wir weiter."

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Jürgen Klinsmann scheint jedenfalls von Donovans Qualitäten überzeugt. Nach "kicker"-Informationen wollte der neue Bayern-Trainer den Amerikaner schon vor der Saison verpflichten, scheiterte aber am Veto der Bosse. "Er ist ein feiner Kerl, ein sehr guter Fußballer und eine große Persönlichkeit im US-Fußball", sagte Klinsmann am Dienstag.

Laut Donovan ging der Kontakt auch von Klinsmann aus, der "angerufen und gefragt hat, ob ich kommen und für einige Zeit mittrainieren möchte. Ich habe nur kurz darüber nachgedacht und ja gesagt."

Donovan: "Bin bereit für die Bundesliga"

Der Amerikaner ist in Deutschland kein Unbekannter. Von 1999 bis 2001 kickte er für die Amateure von Bayer Leverkusen, schaffte dann aber nicht den Sprung in die Bundesliga-Mannschaft und wurde bis 2005 immer wieder in die USA ausgeliehen. Vor drei Jahren kehrte er zu Bayer zurück, brachte es aber nur auf neun Einsätze in Bundesliga und Champions League - zweite Chance vertan.

Die dritte will er jetzt nutzen. "Ich bin jetzt ein anderer Spieler. Damals schien alles gegen mich zu laufen, aber der eigentliche Grund war, dass ich einfach noch nicht bereit für die Bundesliga war. Jetzt hingegen bin ich bereit und will es vor allem mir selbst beweisen", so Donovan.

Nach zehn Tagen Schnupper-Training soll nun geklärt werden, ob er bleiben darf. "Wenn Interesse besteht, wäre ich begeistert", schrieb Donovan auf seiner Homepage.

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Toni von Torflaute genervt

Ebenfalls gut sehen derzeit wieder die Bewegungen von Luca Toni aus, der seine Rippenprellung vollends überstanden hat und am vergangenen Wochenende gegen Schalke erstmals seit dem vierten Spieltag wieder netzte.

Dass sein Torekonto in der Bundesliga erst bei - für seine Verhältnisse - mageren vier Treffern steht, wurmt den Italiener sehr. "Es nervt mich, dass ich so weit weg von den besten Torjägern bin. Letzte Saison hatte ich immer das Glück, verfolgt zu werden. Ich hoffe, dass ich den Rückstand bis zur Winterpause etwas aufholen kann", sagt er.

Nicht nur deswegen strotzt der 31-Jährige vor Tatendrang: "Ich hatte wenig Urlaub nach der Europameisterschaft und fühle mich jetzt topfit. Ich muss sagen, dass mir die Pause gut getan hat."

"Mach Kopfball, Luca"

Tonis Rückkehr in die Startelf hat allerdings einen schalen Beigeschmack. Miroslav Klose wirkte auf Schalke lange nicht so selbstbewusst wie in den Spielen ohne Toni an seiner Seite. Klose spielte extrem unauffällig, die Körpersprache tat ihr übriges.  

Von Verständigungs- oder gar zwischenmenschlichen Problemen wollte Toni aber nichts wissen. "Wir verstehen uns sehr gut auf dem Platz. Er ist ein sehr guter Stürmer und zuletzt wieder in Fahrt gekommen", sagte der Italiener.

Am Mittwoch flachsten beide gemeinsam bei der Eröffnung der Arztpraxis des neuen Bayern-Docs Dr. med. Rüdiger Degwert wie Schulbuben. Zuerst meinte Toni zu einem neben ihm stehenden Skelett: "Komm Miro, wir gehen", dann meinte Klose mit Blick auf einen dekorativen Kaktus: "Mach Kopfball, Luca."

Hoeneß: Kein Drama um Podolski

Friede, Freude, Eierkuchen also im Bayern-Sturm - wenn da nicht die Endlosschleife um und über Lukas Podolski wäre.

Die Gerüchteküche brodelt und berichtet von permanenten Anrufen des Ex-Kölners bei seinem Ex-Klub, dazu machte die "Sport-Bild" in seiner Mittwochsausgabe mit dem Titel "Drama um Podolski" auf.

Darauf angesprochen ging Hoeneß, von seinem Balkon herab gestiegen, der Hut hoch. "Drama? Dramen spielen sich ganz woanders ab, vielleicht in Afghanistan oder im Irak. Aber bestimmt nicht um Lukas Podolski."

Schweini macht Poldi Mut

Während Klose und Toni bei Dr. Degwert flachsten, war Podolski einmal mehr bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in Behandlung. Seine Rückenprobleme lassen einen Einsatz gegen Gladbach (Sa., 15.15 Uhr im SPOX-TICKER und bei Premiere) weiter offen.

Balsam für die Seele des Nationalstürmers gab es von Kumpel Bastian Schweinsteiger, der Poldi in der "Bild" Mut zusprach. "Lukas kann die gleiche Entwicklung nehmen wie ich, sich auch bei Bayern durchsetzen", sagte Schweini.

"Für mich ist er von der Qualität her der vielleicht beste deutsche Stürmer. Von seinen Anlagen her sogar noch ein Stückchen stärker als Miro Klose und Mario Gomez." Jetzt muss Uli Hoeneß das nur auch so sehen.

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