
Gladbach auf Trainersuche
"Nichts übers Knie brechen"
Borussia Mönchengladbach will sich bei der Trainersuche Zeit lassen. Fest steht nur, dass Christian Ziege lediglich als Interimscoach fungieren will und eine längerfristige Trainertätigkeit ausschließt. Doch wer soll die Borussia vor dem Abstieg retten?
Wer eine Antwort auf diese Frage gehofft hatte, wurde heute enttäuscht. Die Verantwortlichen erstickten jegliche Spekulation im Keim.
Großer Bahnhof heute im Borussia Park. Rund 60 Journalisten und sieben Kamerateams waren gekommen, als sich Präsident Rolf Königs und Sportdirektor Christian Ziege einen Tag nach dem Rauswurf von Trainer Jos Luhukay der Presse stellten.
Am Ende waren die Medienvertreter so schlau wir vorher, denn die in den Medien rumgeisternden Namen Slomka, Effenberg, Meyer, Matthäus, Doll und Co. blieben freilich größtenteils unkommentiert.
Großer Trainerverschleiß
"Wir sagen zu Namen überhaupt nichts. Bitte lassen Sie uns damit in Ruhe, damit wir den Trainer aussuchen können, der zu uns passt, um Erfolg zu haben", sagte Präsident Königs, der in seiner bislang vierjährigen Amtszeit bereits für die Entlassungen von Holger Fach, Dick Advocaat, Horst Köppel und Jupp Heynckes verantwortlich war.
Einem Engagement Steffan Effenbergs erteilte er eine klare Absage: "Effenberg ist bei uns immer ein gern gesehener Gast, doch wir haben seine Angebote in der Vergangenheit abgelehnt und werden das auch jetzt tun", sagte der Präsident, der gleichfalls dementierte, sich gestern mit Effenberg getroffen zu haben. "Das muss ein Doppelgänger von mir gewesen sein", so Königs.
"Noch keinen Wunschkandidaten"
Fest steht, Mönchengladbach braucht einen gestandenen Bundesligatrainer mit Erfahrung im Abstiegskampf. Bei der erst seit Sonntag laufenden Suche gibt es laut Königs "noch keinen Wunschkandidaten".
"Erst nach dem Köln-Spiel haben wir die Trainer-Suche gestartet, nachdem wir uns mit Jos Luhukay absolut einig waren, dass etwas passieren musste und wir uns in aller Freundschaft getrennt hatten."
Auch Gellhaus musste gehen
Am Ende ging also alles doch ganz schnell. Der Aufstiegstrainer, der die "Fohlen" in 56 Punktspielen als Chef betreute, war, so Königs, "in Liga zwei der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Die Ergebnisse in der ersten Liga reichten bislang leider nicht". Mit Luhukay musste auch Co-Trainer Markus Gellhaus seine Koffer packen.
Christian Ziege und Teammanager Steffen Korell hatten nach der Entscheidung alle Spieler angerufen und informiert. Aufgrund des trainingsfreien Sonntags konnte sich Luhukay noch nicht von den Spielern verabschieden.
Erste Entlassung für Ziege
"Schade, so hatten wir uns das auch nicht vorgestellt. Für mich war es ja auch die erste Trainerentlassung als Sportdirektor. Aber so sind leider die Gesetze im Fußball", kommentierte Ziege die schwierige Aufgabe, seinen ehemaligen Erfolgstrainer vor die Tür setzen zu müssen.
Nun ist es an ihm, die am Boden liegende Borussia wieder aufzurichten. Dabei ist er vor allem als Psychologe gefragt.
"Ich habe damit ja einige Erfahrung, denn ich geh mit meinen drei Kindern auch vernünftig um und versuche sie zu stärken und ihnen zu helfen. Mit den Spielern wird das ähnlich sein. Ich werde versuchen, ihnen neues Selbstbewusstsein zu geben. Das traue ich mit durchaus zu". Unterstützt wird er dabei von A-Jugend-Trainer Sven Demandt.
"Die Suche braucht seine Zeit"
Ziege stellte klar, dass er nicht als Dauerlösung in Frage komme. "Die Suche braucht seine Zeit. Wir werden jetzt nichts übers Knie brechen. Ich betreue die Mannschaft nur so lange, bis wir einen neuen Trainer haben."
"Mein Ziel ist es schon, irgendwann mal als Trainer zu arbeiten, aber ich mache das nicht, bevor ich keine Lizenz habe. Den Trainer-Lehrgang hat der 76-fache Nationalspieler noch nicht beendet.
Keine Angst vor Doppelbelastung
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Der kurzzeitigen Doppelbelastung als Coach und Sportdirektor in Personalunion sieht er gelassen entgegen. "Das wird zwar etwas stressig. Aber es wird schon gehen".
Wenn es nach Präsident Königs geht, soll Ziege keinesfalls seinen Posten als sportlicher Leiter verlieren. "Wir möchten, dass er seine erfolgreiche Arbeit kontinuierlich fortsetzt".
Glaube an die Qualität
Ziege ist weiterhin davon überzeugt, dass der Kader stark genug ist, um in der Bundesliga zu bestehen. "Ich zweifle nicht an der Qualität der Mannschaft. Ich bin davon überzeugt, dass wir das hinbekommen", so der Ex-Bayern-Star.
Darüber, wer es als Trainer letztlich hinbekommen, darf also weiter munter spekuliert werden. Denn Präsident Königs stellte klar: "Wir werden erst wieder etwas über die Trainersuche sagen, wenn sie erfolgreich war."
Nur er und Ziege entscheiden, wie lange es dauert, bis zum nächsten großen Bahnhof im Borussia Park.
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