
SPOX-Zapping, Spieltag 7
Der ganz normale Wahnsinn
30 Treffer fielen an diesem 7. Spieltag der Bundesliga. Weil nur 29 davon auch vom Schiedsrichter gegeben wurden, regte sich ganz Dortmund auf - und der BVB spielte nur unentschieden.
Doch diese Fehlentscheidung war bei weitem nicht das einzige Spektakel dieses Wochenendes: Es gab atemberaubende Debütanten, weltklasse Rückkehrer, eine deftige Blamage, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit - und leider auch die erste Trainerentlassung der Saison. Ein kurzer Streifzug durch die Liga - im SPOX-Zapping.
Borussia Dortmund - Hannover 96 1:1: Es war die Szene des Spiels: Ecke für Dortmund, Tamas Hajnal bringt den Ball zur Mitte, Robert Kovac köpft wuchtig aus fünf Metern, 96-Torhüter Robert Enke liegt wie ein Käfer auf dem Rücken und fummelt den Ball irgendwie aus dem Tor. Die BVB-Spieler reißen die Arme hoch, denn: Der Ball war deutlich hinter der Linie!
67.000 Zuschauer in Stadion waren sich einig - nur das Unparteiischen-Gespann war anderer Meinung: Schiri Wolfgang Stark ließ weiterlaufen, kein Tor. Der Dortmunder Ärger war noch nicht verflogen, da erzielte Mikael Forssell den Ausgleich für Hannover - gleichzeitig der Endstand. "Der Bewegungsablauf, wo der Torwart lag: All das sprach für Tor", ärgerte sich Jürgen Klopp hinterher und resümierte trocken: "Hätte einer der drei Unparteiischen früher mal gekickt, dann hätten wir heute 2:1 gewonnen."
Schalke 04 - VfL Wolfsburg 2:2: Was für eine Rückkehr! Manuel Neuer stand nach Mittelfußbruch wieder in der Schalker Elf, parierte kurz vor Schluss weltklasse gegen Edin Dzeko, stürmte in der Nachspielzeit mit in den gegnerischen Strafraum - und bereitete prompt den Ausgleich durch Kevin Kuranyi vor.
Einen ganz besonderen Abend erlebte aber auch der Wolfsburger Caiuby. Der Brasilianer feierte sein Bundesliga-Debüt - und was für eins. In der 65. Minute wechselte ihn Felix Magath ein, in der 67. machte er mit seinem ersten Balkontakt das 2:1 für Wolfsburg, fünf Minuten später wechselte ihn der Trainer wieder aus. Warum? Abwehrspieler Ricardo Costa hatte Rot gesehen, ein Offensiver musste gehen. "Außerdem", so Magath, "sollte Caiuby seinen ersten Treffer in aller Ruhe genießen können." Zur SPOX-Analayse.
Energie Cottbus - Hamburger SV 1:2: Was hat der HSV unter Martin Jol, was er unter Huub Stevens nicht hatte? Im Moment lautet die Antwort schlicht: Mladen Petric. Denn in Cottbus war der Kroate der einzige Neuzugang in der Hamburger Startformation. Der Rest der Mannschaft - Relikte aus der Stevens Zeit.
Und auch die Spielweise erinnerte ein wenig an die letzte Saison: Hinten ohne Mühe, vorne ohne Esprit. Und so schien es, als könnten die Hanseaten auch am Sonntag ihren Cottbus-Fluch nicht überwinden: Noch nie hatte der HSV im Stadion der Freundschaft gewonnen. Auch im insgesamt sechsten Versuch stand es bis zur 90. Minute unentschieden - ehe Petric den Siegtreffer markierte. Damit erzielte der 27-Jährige sechs der letzten sieben Hamburger Tore. Ihm ist es also zu verdanken, dass der HSV die Tabellenführung inne hat - was er unter Stevens nie hatte. Zur SPOX-Analyse
Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln 1:2: Dritter Saisonsieg für den FC, und Christoph Daum fasste wie folgt zusammen, was derzeit am Geißbockheim so vor sich geht: "Wenn du einmal gewinnst, kann es Zufall sein. Wenn du zweimal gewinnst, kann es Glück sein. Wenn du dreimal gewinnst, dann steckt knallharte Arbeit dahinter. Und wir arbeiten hart."
In Mönchengladbach wurde bestimmt auch sehr hart gearbeitet, aber Glück und Zufall waren nicht auf Seite der Fohlen - vor allem aber fehlte der Erfolg. Die sechste Niederlage im siebten Spiel bedeutete für Trainer Jos Luhukay und dessen Dauerrotation das Aus. Am Sonntag gab der Verein die Trennung bekannt. Bis auf weiteres leitete Sportdirektor Christian Ziege nun das Training der Borussia. Alles zur Entlassung von Jos Luhukay
1899 Hoffenheim - Eintracht Frankfurt 2:1: Überragend war Hoffenheims Auftritt dieses Mal sicher nicht. Nicht also, wie bei der Gala gegen Dortmund oder zuletzt, zumindest offensiv, beim Spiel in Bremen. Das wusste auch Ralf Rangnick: "Wir haben schon bessere Spiele gemacht und mussten in der einen oder anderen Situation das Glück strapazieren."
Am Ende stand allerdings dennoch ein Sieg - der vierte in dieser Saison - und die Erkenntnis, dass die Rangnick-Elf mittlerweile schon Eigenschaften eines Spitzenteams annimmt. Heißt: Man tut nur so viel wie nötig und gibt immer dann Gas, wenn's eng wird. Gegen die Eintracht reichte ein Tor unmittelbar nach der Halbzeit und ein kurzer Zwischenspurt nach dem Ausgleich.
Bayer Leverkusen - Hertha BSC Berlin 0:1: Bayer wie eigentlich immer: schnell, spielfreudig, extrem offensiv - zum ersten Mal in dieser Saison allerdings ohne eigenen Treffer. Und das trotz 27 Torschüssen.
Die Hertha dagegen schoss lediglich sechsmal auf die Kiste. Gefährlich wurde es nur zweimal. Und einmal war die Kugel drin. Torschütze Andrej Voronin. Der Ukrainer traf zum ersten Mal nach seiner Rückkehr, noch dazu richtig hübsch. Voronins letztes Bundesliga-Tor liegt knapp eineinhalb Jahre zurück, damals noch im Trikot von Bayer Leverkusen. Der Gegner: Hertha BSC Berlin.
FC Bayern München - VfL Bochum 3:3: Es gab Zeiten, da reisten die Mannschaften nach München, standen brav 90 Minuten Spalier für den FC Bayern und fuhren hinterher wieder nach Hause - ohne Punkte, versteht sich. Und da unter Klinsi fast alles neu ist, hat sich auch das geändert.
Erst einen Sieg hat der FCB in vier Heimspielen eingefahren und dabei bereits elf Gegentore kassiert. Und auch gegen Bochum hatte man nicht den Eindruck, dass die Gäste mit vollen Hosen nach München gekommen waren.
Der VfL spielte durchaus mutig nach vorne, gab beachtliche elf Torschüsse ab und war hinterher mit dem 3:3 fast ein wenig unzufrieden. "Am Ende haben wir uns wieder gut geschlagen. Aber wir sollten auch mal anfangen zu gewinnen und nicht immer warten, bis wir mit zwei Toren zurückliegen", sagte Torschütze Dennis Grote. Zur SPOX-Analyse
VfB Stuttgart - Werder Bremen 4:1: Spiele von Werder haben derzeit eine Spektakel-Garantie. 29 Tore fielen in den letzten sechs Partien der Bremer, 16 davon für die Norddeutschen, aber immerhin auch 13 für Werders Gegner.
Gegen den VfB gab's dieses Mal vier an der Zahl - womit die Schaaf-Elf allerdings noch gut bedient war. In Bremen hat man sich daran aber offensichtlich schon längst gewöhnt. "Wir haben das Spiel nicht angenommen, wie man das machen muss. Das ist das alte Lied", so Sportdirektor Klaus Allofs.
Arminia Bielefeld - Karlsruher SC 1:2: Einen Leckerbissen hatte man nun wahrlich nicht erwartet, vielmehr einen echten Fight mit Haken und Ösen. Allein die Arminia wollte da nicht mitspielen und präsentierte sich erstaunlich emotionslos und ohne Biss.
Der KSC hingegen bewies, dass die Badener keineswegs der klare Abstiegskandidat sind, als der sie zuletzt gehandelt wurden. Zudem belegten die Herren da Silva und Sebastian, dass die vermeintlich nicht zu kompensierenden Abgänge von Hajnal und Eggimann sehr wohl ohne Qualitätsverlust wettzumachen sind.
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