Muslimische Fußballprofis und das Fasten

SID
Freitag, 12.09.2008 | 10:20 Uhr
serdar tasci, dfb-team, nationalmannschaft
© Getty
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Für muslimische Fußballer ist der Ramadan eine lange Zeit des Zwiespalts. Seit Beginn der Fastenzeit am 1. September müssen sie sich zwischen Glauben und Gesundheit entscheiden ­ und dabei einen persönlichen Kompromiss finden.

"Damit für mich keine Gefahr entsteht, stimme ich die Fastenzeit mit meinem Training ab", sagt Sedar Tasci, der aktuell einzige muslimische Spieler im DFB-Kader.

Aus medizinischer Sicht ist vor allem der Verzicht auf Flüssigkeitsaufnahme vor und nach dem Spiel nicht ratsam. Wilfried Kindermann, langjähriger medizinischer Betreuer des DFB, räumt zwar ein, dass die Auswirkungen unterschiedlich sein können.

Tasci und Altintop umgehen Regeln

"Trotzdem machen mögliche Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsschwächen und Muskelverletzungen den Ramadan für Fußballer zum Problem."

Insgesamt zehn Erstligaspieler nehmen sich den medizinischen Rat zu Herzen und umgehen die strenge Regel. "Beginnt und beendet das Fasten, wenn ihr die Mondsichel seht", heißt es im Koran.

Nicht nur Tasci, der 21-Jährige Verteidiger vom VfB Stuttgart, sieht sich aufgrund der hohen körperlichen Belastung nicht in der Lage, zu fasten. Auch der Schalker Halil Altintop sagt: "Bei den vielen englischen Wochen im Herbst würde mir sonst die Puste ausgehen."

Ähnlich sehen es auch Franck Ribery (FC Bayern) oder Boubacar Sanogo (Werder Bremen), die in den 29 Tagen der Fastenzeit das Gebot des Korans in ihrem Sinn lockern.

Ahanfouf kennt keine Gnade

Eine Ausnahme im deutschen Profifußball bildet Abdelaziz Ahanfouf vom Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden. "Der Ramadan ist für meinen Glauben sehr wichtig", sagt Ahanfouf. "Da kann ich nicht auf andere schauen."

Der Marokkaner mit deutschem Pass hat sich von keinem Trainer das Fasten verbieten lassen.­ Ahanfouf spielte bei acht deutschen Vereinen, von Unterhachingen bis Rostock ­ konnte ihm kein Trainer einen Leistungsabfall während der Fastenzeit attestieren.

Ganz im Gegenteil: In seiner erfolgreichsten Spielzeit 2004/2005 in der 2. Liga beim MSV Duisburg gelang Ahanfouf der bislang einzige Hattrick seiner Karriere: im Fastenmonat.

"Ich erinnere mich an Bemerkungen von Fußballtrainern, die bei muslimischen Fußballspielern eine Beeinträchtigung der sportlichen Leistungsfähigkeit während des Ramadan beklagten", widerspricht Kindermann.

Nur der Glaube zählt

Seit Januar spielt Ahanfouf beim Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden. Drei Spiele noch wird er in der Fastenzeit bestreiten. "Die ersten Tage sind hart, manchmal zwickt es dann mal hier oder es tut da weh", sagt der 30-Jährige. "Aber wenn man einen Rhythmus gefunden hat, geht es."

Außerdem sei der medizinische Aspekt in diesen 29 Tagen nur eine Nebensache. "Da zählt nur der Glaube und das Gebot, das Fasten durchzuziehen."

Tasci, Ribery und Co. interpretieren ihren Glauben anders und berufen sich auf die Sonderfälle im Koran. Reisenden, kranken Menschen, schwangeren Frauen, kleinen Kindern und körperlich schwer arbeitenden Menschen erlaubt die heilige Schrift des Islam die Fastenzeit auszusetzen und später nachzuholen.

Für viele muslimische Fußballer gilt daher: Harte Arbeit ist der beste Ausweg aus dem Zwiespalt.

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