Sonntag, 14.09.2008

Bundesliga

Hoffenheim rüttelt am Stuttgarter Thron

Die Wachablösung im "Ländle" blieb aus, doch die Lücke zwischen dem Goliath VfB Stuttgart und dem kessen David 1899 Hoffenheim ist bereits im ersten gemeinsamen Erstligajahr verschwindend gering.

© Getty
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Zwar erfüllte das torlose erste baden-württembergische Derby nur phasenweise die hohen Erwartungen.

Die Erkenntnis, dass dem VfB mit dem durch die Millionen von Mäzen Dietmar Hopp in die Eliteklasse gehievten Dorfverein ein ernsthafter Konkurrent in der Region erwachsen ist, dürfte in den kommenden Jahren für viel Spannung im Südwesten der Republik sorgen.

VfB kommt mit blauem Auge davon

Die Stuttgarter waren deshalb hoch zufrieden, vor 26.300 Zuschauern im wieder ausverkauften Mannheimer Carl-Benz-Stadion mit einem blauen Auge und einem Zähler davon gekommen zu sein.

"Wir können mit dem Punkt gut leben", sagte VfB-Coach Armin Veh. Der Stuttgarter Trainer führte die vielen Verletzten und die durch die Abstellung von einem Dutzend Nationalspielern schlechte Vorbereitung als Grund für die schwache Vorstellung seines Teams an.

Vor allem im Spiel nach vorne, wo Nationalspieler Mario Gomez als einzige Spitze wirkungslos blieb, ließen die Schwaben viele Wünsche offen. "Wir haben zu schnell die Bälle verloren und zu wenig in unsere Konter investiert", kritisierte Kapitän Thomas Hitzlsperger.

Hoffenheim schwärmt aus

Der Nationalspieler hatte mit seinen Kollegen deshalb viel zu tun, um den Angriffswellen des Aufsteigers Herr zu werden.

Sobald der starke Brasilianer Luiz Gustavo im Mittelfeld wieder eine Offensivbemühung der Gäste abgefangen hatte, schwärmten die Hoffenheimer in hohem Tempo Richtung Stuttgarter Tor aus.

"Wir wollten aggressiver spielen als bei der Niederlage in Leverkusen. Das hat die Mannschaft mit bewundernswerter Laufleistung geschafft", sagte 1899-Coach Ralf Rangnick.

Zwei Punkte verloren

Doch den so ersehnten Dreier gegen seinen Ex-Klub konnten die Spieler ihrem Trainer nicht schenken. "Das ist schade. Das einzige, was gefehlt hat, waren die Tore", sagte Tobias Weis, einer von fünf Akteuren im Kader des Aufsteigers, die in der Jugendabteilung des Lokalrivalen ausgebildet wurden.

Der Mittelfeldspieler hatte zweimal die Möglichkeit, seine gute Leistung mit einem Treffer zu krönen, verpasste jedoch knapp. "Am Ende haben wir zwei Punkte verloren", meinte Rangnick etwas verärgert.

Die größte Gelegenheit zum Sieg vergab der eingewechselte Chinedu Obasi acht Minuten vor dem Ende, als er mit einem Kopfball am starken Jens Lehmann scheiterte.

Obasi zunächst nur Bank

Die Personalie des Nigerianers verdeutlichte, wie sehr Hoffenheim dem VfB bereits nahe gerückt ist.

So musste Rangnick vor der Partie lange überlegen, welchen Stürmer aus seinem starken Angriffs-Trio Obasi, Demba Ba und Vedad Ibisevic er zunächst auf der Bank lässt.

In der Hinterhand hat der Fußball-Lehrer mit Millionen-Einkauf Wellington noch eine weitere Spitze. Der VfB wechselte mangels einsatzbereiter Stürmer dagegen sogar sein System und konzentrierte sich voll auf die Sicherung eines Punktes.

In der Vergangenheit war ein Goliath beim vermeintlichen David auch schon mal mutiger aufgetreten.

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