Harte Schule auf dem Bolzplatz

Von Interview: Stefan Moser
jan schlaudraff, hannover 96
© Imago

Erst verletzt ausgewechselt, dann noch Medienschelte vom Kapitän oben drauf. Es lief alles andere als rund für Hannovers Neuzugang Jan Schlaudraff am vergangenen Freitag in Leverkusen. Befürchtet wurde eine Meniskusverletzung, eine lange Pause schien unumgänglich. Inzwischen gab es Entwarnung und der 25-Jährige schürt Hoffnungen, dass er am Samstag gegen seinen Ex-Klub doch dabei sein könnte.

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Im ersten Teil des SPOX-Interviews spricht Jan Schlaudraff unter anderem über seinen Gesundheitszustand, sein Verhältnis zum FC Bayern, Klinsmanns Buddhas und sein eigenes Verhältnis zur Religion.

SPOX: Erste Frage vorweg: Wie geht es Ihrem Knie?

Jan Schlaudraff: Besser als zunächst befürchtet. Die Kernspintomographie hat ergeben, dass es wohl nur eine Stauchung ist. Eine schmerzhafte Angelegenheit zwar, aber immerhin sind die Bänder nicht in Mitleidenschaft gezogen.

SPOX: Werden Sie gegen die Bayern spielen können?

Schlaudraff: Das wird sich erst kurzfristig entscheiden, aber wenn der Heilungsprozess weiter so voranschreitet, bin ich guter Dinge, dass ich am Samstag dabei bin.

SPOX: Es wäre Ihnen zu wünschen, schließlich geht es gegen Ihre ehemaligen Kollegen...

Schlaudraff: Das wäre natürlich eine schöne Sache, immerhin kenne ich in München noch fast alle Leute, mit dem einen oder anderen Spieler habe ich immer noch telefonischen Kontakt.

SPOX: Und denen wollen Sie auch etwas beweisen...

Schlaudraff: Nein, das spielt für mich keine Rolle. Ich habe mit niemandem in München ein Problem. Alles in allem war es eine schöne Zeit, ich habe tolle Menschen kennengelernt und jede Menge wichtige Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt in Hannover einbringen kann.

SPOX: Zum Beispiel?

Schlaudraff: Die Qualität der Einzelnen ist einfach riesengroß, und durch die Klasse der anderen konnte ich auch meine Stärken ausbauen. Eine der bleibenden Erinnerungen ist für mich aber das unglaubliche Spiel in Getafe, das wir nur aufgrund der individuellen Klasse am Ende noch drehen konnten.

SPOX: Aber es gibt sicher nicht nur positive Erinnerungen, man hatte den Eindruck, Sie wären eigentlich nie wirklich in München angekommen.

Schlaudraff: Für die Stadt München ist das sicher richtig. Wie auch? Ich war sieben Monate lang an der Bandscheibe verletzt und war ja fast nur zuhause.

SPOX: Sicher keine einfache Zeit. Wie sind Sie damit zu Recht gekommen? Die Familie soll Ihnen sehr wichtig sein...

Schlaudraff: Tatsächlich sind für mich Familie und Freunde sehr wichtig, ich bin auch jetzt in jeder freien Minute in meiner Heimat in Bingen. Ich glaube, es sollte für jeden Fußballer wichtig sein, weil man so einfach am besten abschalten kann und etwas zur Ruhe kommt.

SPOX: Spielt auch Religion eine Rolle? Ihr Vater ist Pfarrer...

Schlaudraff (lacht): Ja, mein Vater ist Pfarrer, aber der hält mir auch keine Predigten, wenn ich ein Spiel verliere. Insgesamt spielt Religion für mich zwar eine Rolle, aber nicht unmittelbar auf den Fußball bezogen.

SPOX: Ihr Vater ist Pfarrer, das heißt, sie sind evangelisch?

Schlaudraff: Richtig.

SPOX: Dann hätten Sie mit Klinsmanns Buddhas ja ohnehin nicht viel anfangen können...

Schlaudraff (lacht): Gute Frage, ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau, was ich mit den Buddhas so angefangen hätte. Aber im Ernst: Ich habe schon das Gefühl, dass Klinsmann da in München richtig was aufbaut - und das wird sich im Lauf der Saison auch immer mehr auszahlen.

SPOX: Und trotzdem war es die richtige Entscheidung zu gehen?

Schlaudraff: Für mich was das sportlich gesehen die absolut beste Entscheidung. In Gesprächen mit dem Manager konnte ich klar heraus hören, dass die Chancen auf regelmäßige Einsätze sehr, sehr gering waren. Luca Toni war da, Miro Klose war da und Poldi dahinter.

SPOX: Es gibt die Anekdote, Sie seien Profi geworden, weil Sie von Ihrem älteren Bruder Nils immer als letzter in seine Hobby-Mannschaft gewählt wurden. Da habe Sie der Ehrgeiz gepackt...

Schlaudraff: Die Geschichte stimmt so nicht ganz. Aber ich habe früher schon immer mit Jungs gespielt, die teilweise drei Jahre älter waren. Und da hat mich dann der Ehrgeiz gepackt, weil ich einfach keine Lust hatte, zuhause auf den Bolzplatz zu kommen und immer als letzter gewählt zu werden.

SPOX: Klingt eher nach einer Kämpfernatur. In München standen Sie auch hinter "älteren", etablierten Spielern. Hat Sie da nicht auch der Ehrgeiz gepackt?

Schlaudraff: Doch, natürlich. Aber man muss die Situation auch realistisch sehen: Luca hat 39 Tore gemacht, Miro an die 15. Und Klinsmann hat deutlich gesagt, dass er Poldi pushen will. Für mich wären 18-20 Einsätze einfach unrealistisch gewesen.

SPOX: Und dann kam Dieter Hecking...

Hier gehts zum zweiten Teil des Interviews: Dort spricht Jan Schlaudraff unter anderem über seine besondere Beziehung zu Trainer Dieter Hecking und nimmt Stellung zur Kritik von Robert Enke.