Sascha Rösler exklusiv

"Wir müssen Marin unterstützen"

Von Interview: Markus Hoffmann
Samstag, 13.09.2008 | 13:50 Uhr
Bundesliga, Borussia Mönchengladbach, Sascha Rösler, marin
© Imago
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Drei Spiele, drei Punkte und Platz elf. So lautet die durchwachsene Bilanz von Borussia Mönchengladbach nach der Rückkehr in die Bundesliga. Beim 3:2-Sieg gegen Werder Bremen musste Sascha Rösler überraschend auf der Bank Platz nehmen. Dennoch gibt sich der Vize-Kapitän kämpferisch und drängt zurück ins Team.

Im SPOX-Interview spricht der 30-Jährige über steigendes Selbstvertrauen, das Gefühl, auf der Bank zu sitzen und warum er bei Luca Toni nicht Nein sagen würde.

SPOX: Herr Rösler, auf den Fehlstart folgte der tolle Heimspiel-Sieg gegen Werder Bremen. War das jetzt die Wende für Borussia? 

Sascha Rösler: Ja, jetzt ist die Stimmung wieder oben. Alles hat sich gedreht. Mit den ersten Punkten, gerade gegen eine Top-Mannschaft wie Bremen, steigt auch gleich das Selbstvertrauen.

SPOX: Sie selbst haben die Partie nur von der Bank aus miterlebt. Ausgerechnet der für Sie ins Team gerückte Alexander Baumjohann hat ein klasse Spiel und ein Traumtor gemacht. Kamen bei Ihnen da eher gemischte Gefühle auf?

Rösler: Klar sitzt man nicht gerne das ganze Spiel auf der Bank. Aber das wichtigste ist, dass wir, das ganze Team, gewonnen haben. Ich freu mich natürlich trotzdem.

SPOX: Sie sind immerhin Vize-Kapitän. Gab es Anzeichen dafür, dass Sie nicht spielen würden?

Rösler: Über die Medien habe ich verfolgt, dass der Trainer wohl ein paar Änderungen planen würde. Ich hatte zwar schon gehofft, dass ich im Team bleibe, aber der Trainer hat sich letztlich anders entschieden.

SPOX: Trainer Jos Luhukay hat nach den ersten beiden Partien betont, Spieler nach einer schwächeren Leistung nicht gleich raus zu nehmen. Hat er bei Ihnen seine Meinung geändert?

Rösler: Das möchte ich nicht dramatisieren. Manchmal läuft es eben so. Der Trainer hat die Verantwortung und muss Entscheidungen treffen.

SPOX: Mit US-Nationalspieler Michael Bradley hat der Verein einen weiteren offensiven Mittelfeldspieler geholt. Wie schätzen Sie die neue Konkurrenzsituation auf Ihrer Position ein?

Rösler: Schwer zu sagen. Er hat wegen seiner Länderspielreise noch gar nicht mit uns trainiert. Bestimmt kann er uns verstärken. Ich habe aber genügend Selbstvertrauen und die Qualität, um mir meinen Platz im Team zu erkämpfen. Ich werde im Training weiter hart arbeiten, um wieder zu meiner Top-Form zu finden. 

SPOX: Lediglich Bradley wurde noch kurz vor Transferschluss verpflichtet. Ist der Kader damit ausreichend verstärkt?

Rösler: Es ist doch immer die Frage, welche Spieler realistisch sind. Wenn wir Lucio oder Luca Toni bekommen könnten, ist doch klar, dass wir die super gebrauchen könnten. Ich glaube, dass die Mannschaft, so wie sie jetzt ist, stark genug ist, die Klasse zu halten oder sogar im Mittelfeld zu landen.

SPOX: Wie geht die Mannschaft mit dem Druck und der Erwartungshaltung in Mönchengladbach um?

Rösler: Das ist nicht immer so einfach. Vor allem den Saisonstart haben wir uns schon anders vorgestellt. Wir wollten direkt gegen Stuttgart punkten und zeigen, dass wir in der ersten Liga angekommen sind. Nach den beiden Niederlagen war der Druck schon spürbar, zumal wir auch nicht über die allergrößte Erstliga-Erfahrung verfügen.

SPOX: Wurde das Umfeld da schon unruhig?

Rösler: Ein wenig. Die Erwartungshaltung der Fans ist nach der Euphorie des Aufstiegs logischerweise sehr hoch. Aber wir haben genügend erfahrene Leute um das Team herum, wie Christian Ziege, wie Steffen Korell, die das einschätzen können und die Ruhe bewahren, weil sie von der Qualität der Mannschaft überzeugt sind. 


SPOX: Trainer Luhukay hat seine Stammformation noch nicht gefunden. Verunsichert das nicht?

Rösler: Natürlich wünscht man sich eine Stammformation. Aber zu Beginn der Saison ist es normal, dass noch einige Dinge ausprobiert werden. Wer letztlich spielt, hängt auch stark von der Form ab. Auch verletzungsbedingte Änderungen können dazu kommen. Personelle Änderungen gibt es immer und dürfen keine Ausrede für Verunsicherung sein. In den ersten beiden Partien waren einige Spieler noch nicht in Topform, ich auch nicht. Deshalb zählt nur eins: weiter hart arbeiten.

SPOX: Vor allem die Abwehr stand zu Beginn stark in der Kritik. Zu Recht?

Rösler: Ich denke, dass wir eine sehr gute Abwehr haben. Leider haben in den ersten beiden Spielen individuelle Fehler zu Gegentoren und letztlich zu Niederlagen geführt. Da heißt es immer schnell: "Die Abwehr wackelt". Grundsätzlich fängt die Abwehrarbeit schon vorne an. Die Mischung ist noch ausbaufähig. Wir müssen noch kompakter werden und hinten auch mal die Null behalten.

SPOX: Nach zwei Pleiten in zwei Spielen kam bei den Fans direkt wieder Abstiegsangst auf. Können Sie die Anhänger nun beruhigen? 

Rösler: Fußball ist Tagesgeschäft. Viele hatten letzte Saison nach dem schwachen Zweitligastart schon Angst, dass wir in die 3. Liga durchgereicht werden. Da war hier auch ein Riesentheater. In Gladbach geht die Stimmung halt immer steil nach oben oder nach unten. Ich kann den Fans nur sagen, dass wir einen guten Charakter in der Mannschaft haben und dass wir uns zerreißen werden. Wir haben genügend Potenzial im Team, um auch Gegner zu schlagen, die uns keiner zutraut. Wie gegen Bremen gesehen.

SPOX: Wie bewerten Sie eigentlich den Hype um Marko Marin?

Rösler: Für ihn ist es sicher keine leichte Situation. Als umjubelter Nationalspieler ist es nicht so einfach, in den Bundesliga-Alltag zurückzukommen. Gerade für einen 19-Jährigen. Marko ist aber ein intelligenter Typ, der damit umgehen kann, der immer dazu lernen will, zuhört und das Herz am richtigen Fleck hat. Wir als Mannschaft sind dabei auch gefordert, ihn zu unterstützen. Wir wollen nicht, dass bei ihm der Eindruck aufkommt, er müsse alles alleine machen und Spiele alleine entscheiden. 

SPOX: Wie wirkt Trainer Jos Luhukay auf ihn ein?

Rösler: Der Trainer passt schon auf, dass er auf dem Boden bleibt und geht völlig normal mit ihm um. Dazu gehört auch, dass er seine Leistungen ganz offen und sachlich, wie nach dem Hoffenheim-Spiel, kritisiert. Das wird in der Presse natürlich oft übertrieben dargestellt, weil Marko in ganz Deutschland im Fokus steht. Der Trainer versucht auch möglichst viel Druck von Marko zu nehmen und ihn weiter behutsam aufzubauen.

SPOX: Ist Luhukay eigentlich immer so cool wie er rüber kommt, oder rastet der auch mal aus?

Rösler: Die nötige Ruhe auszustrahlen ist eine seiner großen Stärken. Er verliert nie die Nerven, ist sehr sachlich und behandelt alle korrekt. Klar kann er auch mal lauter werden und disziplinarisch durchgreifen.

SPOX: Gibt es denn auch den Spaßvogel Luhukay?

Rösler: Als Trainer ist er schon eher ein ernsterer Vertreter. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass er privat lustig sein kann. Aber dafür kenne ich ihn zu wenig.

Hier geht's zum gesamten Spielplan der Bundesliga

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