Wer erschoss Kuranyis Frisör?

Von Stefan Moser
Montag, 01.09.2008 | 13:32 Uhr
© Getty
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Kein Sex, nur Crime. So ist sie halt, die Bundesliga. Und so war sie auch am dritten Spieltag. Immerhin gab's stolze 33 Tore. Das eine oder andere war sogar recht hübsch.

Doch abgesehen davon - fast nur Kapitalverbrechen: Neues aus dem Hirn von Basler, eine Katze in der Waschmaschine und die größte Lüge aus der Männerwelt. Ein Auszug aus dem Strafregister, wie immer montags in der Alternativen Liste.

1. Nightmare on Alm Street: Als Deutschlands ärgster Gegenspieler gilt der Bielefelder Rübe Kauf: Immer am Mann, immer am Stochern, und immer an der Grenze des Erlaubten. Und angeblich macht er dabei ein Geräusch, wie man es sonst nur in Piemont beim Trüffelsuchen hört. Kurzum: Er ist der personifizierte Albtraum in den Nächten eines jeden Bundesliga-Stürmers. Und ausgerechnet Paolo Guerrero, das halbe Hemd aus Hamburg, nahm es mit ihm auf. Und wie! Mit angelegtem Arm rempelte er Kauf durch den Arminen-Strafraum, bis der sich hilflos auf den Hosenboden setzte. Dann ballerte Guerrero scharf zur Mitte, traf Ivica Olic - und von dort ins Tor. 3:2 für den HSV!

2. Im Ton vergriffen: Im Einkaufsparadies zu Wolfsburg herrscht babylonisches Gemurmel. Das Problem: Keiner weiß die Namen all der Neuen richtig auszusprechen, und so nennt jeder einfach jeden gerade so, wie es ihm passt. Unwürdig für einen Titelaspiranten! Fand Felix Magath jedenfalls und gab ein Merkpapier in Druck, auf dem nun Schwarz auf Weiß zu lesen steht: Grafite wird "Grafitsch" gesprochen, Josue ist "Tschosue", und Zwetschge heißt in Wahrheit "Tswiesdan Misimowitsch". Und überhaupt: Wolfsburg wird mitnichten "Golfsburg" ausgesprochen, und auch das ordinäre "Radkappenhausen" ist falsch - es heißt schlicht und einfach: "Deutscher Meister!"

3. Nutzloses über Katzen: Über Buddhas kann keiner mehr lachen, Luca Tonis merkwürdige Motorik zieht sich selbst durch den Kakao und die Hertha ist langweilig. Darum haben wir uns dazu entschlossen, auf theoretische Ergüsse zum 4:1-Sieg der Bayern einfach zu verzichten und stattdessen ein eher praxisnahes Experiment zu zitieren (immerhin kommen Tiere darin vor). Es ist nämlich so: Regenwürmern wird vom Schleudergang in einer Waschmaschine überhaupt nicht schwindelig. Katzen dagegen schon. Und wenn einer Katze erstmal schwindelig ist, dann erbricht sie ungefähr das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts. Erstaunlich, oder?

4. Apropos Erbrechen: War das eine miese Woche für Königsblau! Von Altetico mit 0:4 vertrimmt, die Steuerfahndung im Haus, das Schweißdrüsenproblem von Trainer Fred Rutten und obendrauf noch dieses unsägliche Jubiläum: Der FC Schalke begrüßte das fünfundsiebzigtausendste Vereinsmitglied. Eine Frau - aus Dortmund. Der 1:0-Sieg gegen Bochum und die Tabellenführung spendeten immerhin ein wenig Trost.

5. Und apropos trösten: Um ihre eigene Larmoyanz als Heldentum zu klittern, erfanden ein paar wehleidige Typen in den 70ern die folgende Legende: Weil Frauen Kinder kriegen - und das in aller Regel nicht vom Storch - empfinden sie im Alltag nur den Bruchteil jener körperlichen Schmerzen, die ein Mann bei etwaigen Verletzungen ertragen muss.

Natürlich war das Unfug, die Wahrheit nämlich lautet: Ob Mann, ob Frau, ob schwarz, ob weiß - die Schmerzen sind für alle gleich, mit einer Ausnahme: der Fußballer. Wie anders wäre es auch zu erklären, dass der Bielfelder Daniel Halfar wie vom Blitz gefällt zu Boden sank und sich die Hände vors Gesicht schlug, nachdem Hamburgs David Jarolim ihm zärtlich an die Schulter tippte? Wie man es dreht und wendet: In Sachen Schmerzen sind doch Fußballer die ärmsten Schweine, die meisten möchte man sich lieber nicht beim Zahnarzt vorstellen.

6. Regelkunde für Fortgeschrittene: Da staunte der Grafite nicht schlecht! Wolfsburgs Stürmer wollte sich im Spiel gegen Frankfurt gerade den Ball zum Strafstoß auf den Punkt legen, da kam Ashkan Dejagah mit dem "Grundkurs Fußballphrasen" unterm Arm daher und sagte: "Hey, Grafitsch, der Gefaulte schießt nicht selba! Das geht immer schief, lass mich das lieber machen." Doch daraufhin der Brasilianer: "Mach disch locker Aschkan. Ich bin ja gar nicht gefault worden. War 'ne astreine Schwalbe von mir." Und der Beweis: Grafite verwandelte sicher zum 2:1.

7. Prioritäten setzen: 15.26 Uhr - Kevin Kuranyi betritt den Rasen der Veltins-Arena. Die Menge tobt, die Sonne scheint. Ein paar geübte Griffe an den eigenen Schädel: Die Frisur hält! 15.43 Uhr - das Spiel läuft. Wie heißt noch der Gegner? Die Frisur hält! 15.57 Uhr - Kuranyi flaniert lässig durch den Mittelkreis, die Kollegen schwitzen schon. Kurze Kontrolle: Die Frisur hält! 16.06 Uhr - Westermann trifft zum 1:0. Sieht echt scheiße aus der Typ. Totale Witzfrisur! 17.11 Uhr - Kuranyi stolpert einen Ball aus anderthalb Metern irgendwie noch an den Pfosten. Die Menge pfeift, starker Gegenwind. Doch die Frisur hält! 17.29 Uhr - Kuranyi lispelt Phrasen in ein Mikrophon. Die Frisur? Sieht klasse aus! 18.25 Uhr - Jogi Löw ruft an: Starke Haare, Kev! Ich nehm' dich mit nach Liechtenstein. To be continued...

8. Apropos Frisur: Wer erschoss John F. Kennedy, wer hat an der Uhr gedreht, und wer zum Teufel hat Schiri Michael Kempter bloß die Haare geschnitten? Angesichts der Ungeheuerlichkeit dieser Verbrechen besteht der dingende Verdacht: Alle drei Gräueltaten gehen auf ein und dasselbe Konto! Sachdienliche Hinweise bitte an SPOX.com. Oder an die Warren-Kommission...

9. Typfrage: Wer in der Schule keine Freunde hat, als junger Mann schon auf die Arbeitslosen schimpft und selbst in Zeiten von Guantanamo noch denkt, Amerika bedeute nichts als Freiheit, der hat's im Leben oft nicht leicht. Doch zum Glück gibt es die Bundesliga. Denn: Wer halbwegs kicken kann und hie und da den Gegenspieler aus den Stiefeln tritt, wenn's bei der eigenen Mannschaft nicht so läuft, dazu noch einem Nebenbuhler in der Disko auf die Fresse haut und weiterhin recht misanthropen Quatsch gemischt mit provinzieller Arroganz zum Besten gibt - den nennt man hierzulande: "einen echten Typen".

Der tut dann der Liga gut, denn der sagt laut, was andere vielleicht leise denken, und deshalb darf er später seine Gratismeinungen auch an die "Bild" verkaufen. Weil er dabei ausgiebig und oft über die Berliner herzieht, bekam er nun am Sonntag einen Rüffel von Hertha-Manager Dieter Hoeneß: "Wenn Mario Baslers Hirn so gut entwickelt wäre wie sein rechter Fuß, dann wäre das großartig."

10. Alarm: Am 1. Spieltag gaben wir das feierliche Versprechen: Keine bescheuerten Wortspiele mehr mit "brandgefährlichen" Stürmern oder "lichterloh brennenden" Strafräumen. Und nun so was: Die Frankfurter Wohngemeinschaft mit Martin Fenin und Markus Steinhöfer wollte auf dem Balkon grillen und fackelte dabei fast die eigene Bude ab. Glücklicherweise entstand nur Sachschaden. Und glücklicherweise halten wir unser Versprechen.

11. Und das Beste zum Schluss: Kölns Kapitän Ümit Özat wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Wir wünschen weiter gute Besserung!

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