Donnerstag, 14.08.2008

Stühlerücken in der Bundesliga

Klinsmann ist der Top-Star der neuen Saison

Hamburg - Der Top-Star der neuen Bundesliga-Saison sitzt auf der Bank. Anders als im Vorjahr, als der italienische Weltmeister Luca Toni und der französische Ballvirtuose Franck Ribery der Liga ihre Aufwartung machten, ist nun ein Fußball-Lehrer die schillerndste Figur der Liga.

Bundesliga, Fussball, Bayern, Klinsmann
© DPA

Reformator, Motivator, Buddha-Fan - alle Augen richten sich auf "Jürgen Klinsmann Superstar" und gen München.

"Er ist eine absolute Bereicherung für den deutschen Fußball", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach Klinsis Verpflichtung. Selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) freute sich mit: "Es ist gut, Klinsmann wieder in Deutschland zu haben."

Enthaltsame Bayern

Sieht man vom 44 Jahre alten Ex-Bundestrainer Klinsmann ab, dann schillert es weniger unter den Liga-Neuzugängen. Der von Schalke 04 verpflichtete Peruaner Jefferson Farfan sowie die Weltmeister Andrea Barzagli und Cristian Zaccardo, die es aus Italien zum VfL Wolfsburg zog, sind noch die prominentesten Neuen.

Namhafte Liga-Rückkehrer sind die Neu-Stuttgarter Jens Lehmann und Khalid Boulahrouz.

Ein Grund, dass mehr Sternchen denn Stars geholt wurden, ist die Enthaltsamkeit der Bayern auf dem Transfermarkt. Hatte Manager Uli Hoeneß 2007 satte 72,2 Millionen Euro (allein 36 Mio. kosteten Toni und Ribery) locker gemacht, so gab er nun keinen Cent aus.

Der Bremer Tim Borowski und Hans Jörg Butt (Benfica Lissabon) kamen ablösefrei. Schalke und Wolfsburg leisteten sich dagegen die teuersten Neuzugänge der Klubgeschichte.

Die zehn Millionen für Nationalstürmer Farfan aus Peru nannte Schalke-Manager Andreas Müller "eine neue Dimension, doch ich denke, dass sich jeder Cent bezahlt machen wird".

"Ich will mit Schalke Titel holen"

Farfan, der in Eindhoven in 118 Partien 57 Tore schoss und viermal in Serie niederländischer Meister wurde, hat viel vor: "Ich will mit Schalke Titel holen. Dafür bin ich gekommen." Aber: Nach der schweren Schulterblessur in der Champions-League-Qualifikation gegen Atletico Madrid fällt er vorerst aus.

Der 23-Jährige, den sie in seiner Heimat Foquita (Seehündchen) nennen, gilt als technisch brillant und torgefährlich, aber auch als schwer zu führen. Im Auswahl-Team war er zeitweise suspendiert, nachdem er vor einem WM- Ausscheidungsspiel mit Kollegen eine feucht-fröhliche Whirlpool-Party gefeiert haben soll.

Schlagzeilen gab es auch, da Farfans Bodyguards während der Taufe seines Sohnes in Lima ein Kamerateam verprügelten.

Kanibale für den VfB

Umstritten ist auch Stuttgarts Boulahrouz. Vor einem Champions-League-Qualifikationsspiel des HSV, für den er bis 2006 die Schuhe schnürte, täuschte er eine Verletzung vor, um in der gleichen Saison international noch für den FC Chelsea spielen zu dürfen.

Nach London wechselte er kurze Zeit später. Durchsetzten konnte er sich aber weder dort noch beim FC Sevilla, wohin er zuletzt ausgeliehen war. Bei der EM zählte der niederländische Internationale aber zum Stamm im Oranje-Team.

"Er ist ein Spieler, der eine Mannschaft führen kann", glaubt VfB-Manager Horst Heldt an den Fünf-Millionen-Zugang. In Boulahrouz' Landsmann Orlando Engelaar setzt man auf Schalke große Hoffnungen.

Der Mittelfeldmann, der von Twente Enschede kam, "besitzt viel Ruhe, Übersicht, Ballsicherheit und Spielintelligenz und kann so ein wichtiger Leistungsträger bei uns werden", sagt Müller über den 28-Jährigen, den Trainer Fred Rutten aus der gemeinsamen Zeit in Enschede schätzt.

Zwei Weltmeister für die Wölfe

Mit Ausnahme Farfans oder Leverkusens Brasilianer Renato Augusto sind die prominenten Neuzugänge alle Defensiv-Akteure. Dazu zählen Portugals EM-Star Petit (nun 1. FC Köln) oder Barzagli und Zaccardo, die die ambitionierten Wolfsburger für zusammen 21 Millionen Euro vom US Palermo holten.

Über 14-Millionen-Mann Barzagli sagt Trainer Felix Magath: "Er bringt die Qualität mit, die wir im Kader brauchen, auch im Hinblick auf die UEFA-Cup-Teilnahme." Der 27-Jährige selbst hat sich mit seinem neuen Club die Champions-League-Qualifikation zum Ziel gesteckt.

Vor allem die 6000 italienischen Mitarbeiter im Werk des Hauptsponsors VW dürften sich auf das Weltmeister-Duo freuen.


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