Sonntag, 03.08.2008

Dieter Hecking exklusiv, Teil 2

"Willst du gelten, komme selten"

München - Im zweiten Teil des SPOX-Interviews verrät Dieter Hecking seine Einstellung gegenüber Kameras, seine Ansichten zum modernen Fußball und woran man die Stärke eines Trainers erkennt.

SPOX: Noch mal zum Stichwort graue Maus: Sie selbst sind auch nicht eben der Glamour-Boy der Trainergilde...

Hecking: Ich stehe auf dem Standpunkt: Willst du gelten, komme selten. Wenn jemand etwas von mir wissen will, gebe ich gerne Auskunft, aber ich halte nicht mein Gesicht in jede Kamera und fange an, über Fußball zu dozieren.

SPOX: Mit etwas mehr PR könnten Sie womöglich einen größeren Verein trainieren. Oder haben Sie gar nicht den Anspruch?

Hecking: Natürlich ist es mein Anspruch, irgendwann auch mal Titel zu holen. Aber ich bin ein junger Trainer. Vielleicht bin ich den schweren Weg gegangen, indem ich mich über die Regionalliga nach oben gearbeitet habe. Aber Gott sei Dank habe ich bisher immer die richtige Entscheidung getroffen. Und fürs Erste bin ich zufrieden, wenn die Leute meine Arbeit anerkennen.

SPOX: Was Sie bisher auch getan haben. Außer bei Verl sind Sie in Ihrer Laufbahn noch nie entlassen worden - und auch dort haben Sie Ihren Abschied vorher schon angekündigt. Was zeichnet Sie als Trainer aus?

Hecking: Es ist immer schwierig, über eigene Stärken zu philosophieren. Aber ich denke, ich lebe vor allem eins vor, und das ist Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Und die Stärke eines Trainers erkennt man immer daran, wenn die Mannschaft das umsetzt, was er sich vorstellt.

SPOX: Und was stellen Sie sich im Moment vor?

Hecking: Ich will offensiv spielen. Und ich will klare Aktionen, eine klare Linie im Spiel erkennen. Wichtig dafür sind Raumaufteilung, Ballbesitz und Ballkontrolle sowie ein gutes Kombinationsspiel. Ich will nicht, dass meine Spieler nur hinterherrennen und auf den Gegner reagieren. Die Vorgabe lautet, selbst zu agieren, egal, gegen wen es geht, um dann schnelle Pässe in die Spitze zu spielen.

SPOX: Viele Teams wollen schnell nach vorne spielen. Vertikales Spiel ist das Mode-Wort im deutschen Fußball...

"Ich halte nicht mein Gesicht in jede Kamera und fange an, über Fußball zu dozieren."

Hecking: Aber es geht nicht nur um das schnelle, vertikale Anspiel. Was mir wichtig ist, würde ich eher als Spielrhythmus bezeichnen. Es gibt Phasen, in denen man den Ball auch in den eigenen Reihen halten muss. Das war eine der Lehren der EM. Die stärksten Mannschaften waren die, die in den entscheidenden Phasen den Rhythmus wechseln konnten. Und die stärkste davon ist heute Europameister.

SPOX: Auch groß in Mode sind derzeit die neuen Trainingsmethoden, die Jürgen Klinsmann und Jogi Löw publik gemacht haben...

Hecking: Die ganze Liga profitiert im Moment sicher von diesem Klinsmann-Effekt der WM 2006. Davon haben auch wir einiges übernommen, natürlich aber auch eigene Ideen eingebracht. Das gilt allerdings auch für andere Vereine. Viele öffnen sich im Moment für Neues und hinterfragen überalterte Trainingsmethoden.

SPOX: Dass Fußballer jetzt mit Pulsuhren laufen, wird zum Beispiel als große Revolution gefeiert. Ich laufe seit einigen Jahren schon mit einer Pulsuhr durch den Park. Reicht das jetzt für ein Probetraining bei Ihnen?

"Wir laufen ja nicht nur mit Pulsuhren durch die Gegend." (Dieter Hecking)

Hecking: Sind Sie auch dynamisch? Und schnell?

SPOX: Überhaupt nicht. Uwe-Bein-Gedächtnis-Traber.

Hecking: Dann wird's für Sie wohl leider nicht mehr reichen. Aber im Ernst: Wir laufen ja nicht nur mit Pulsuhren durch die Gegend. Die Spieler tragen einen Brustgurt, und die Daten laufen direkt in einen Computer. Die können wir dann zusammen mit unserem neuen Leistungsdiagnostiker auswerten. Das erspart viel Zeit und bringt im Ausdauerbereich noch mal das eine oder andere Prozent mehr.

SPOX: Eine der strukturellen Veränderungen, die sie auf den Weg gebracht haben.

Hecking: Richtig, dafür steht uns mittlerweile glücklicherweise das Budget zur Verfügung. Zudem haben wir nachgerüstet mit einem eigenen Fahrradpark. Die Spieler nehmen das auch sehr gut an, fahren im Training Wettbewerbe gegeneinander. Dazu haben wir eine interne Spielbeobachtungsanalyse, lassen das also nicht von Außen aufbereiten und haben eine Scouting-Abteilung aufgebaut, die immer besser wird.

SPOX: Es bewegt sich was in Hannover...

Hecking: Absolut. Wir sind ein kleines, hungriges Team, das auch menschlich sehr gut passt. Und wir haben vieles angestoßen. Einiges muss aber sicher auch noch reifen.

Hier geht's zurück zum ersten Teil!

Interview: Stefan Moser

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