Sonntag, 03.08.2008

Dieter Hecking exklusiv, Teil 1

"Bei mir zählt nicht der Name"

München - Hannovers Trainer Dieter Hecking ist kein Mann für den Boulevard. Zu ruhig und zu sachlich kommentiert er das Tagesgeschehen an der Leine.

Dabei sorgt Hannover auch vor der kommenden Saison durchaus für Schlagzeilen. Die Verpflichtungen von Jan Schlaudraff und Mikael Forssell gehören zu den spektakulärsten Transfers dieses Sommers - und sie gehen nicht zuletzt auch auf das Konto von Dieter Hecking.

SPOX traf den 43-Jährigen und sprach mit ihm über die Neuzugänge, über graue Mäuse, seine Einstellung gegenüber Kameras und woran man die Stärke eines Trainers erkennt.

Hecking, Co-Trainer Bremser und die Neuen: Eggimann, Forssell (hinten), Balogun, Fromlowitz, Schlaudraff
Hecking, Co-Trainer Bremser und die Neuen: Eggimann, Forssell (hinten), Balogun, Fromlowitz, Schlaudraff
© Imago

SPOX: Herr Hecking, viel ist derzeit die Rede von Konzepten und Visionen. Zusammen mit Martin Kind und Christian Hochstätter haben Sie in Hannover eine echte Projekt-Atmosphäre geschaffen. Wie würden Sie Ihr Projekt beschreiben?

Dieter Hecking: Was uns drei auszeichnet, sind kurze Dienstwege, Hunger auf Erfolg, Glaube an unsere Möglichkeiten und ein klares Konzept. Und das versuchen wir der Mannschaft auch vorzuleben.

SPOX: Im Detail - wie sieht dieses klare Konzept aus?

Hecking: Wir verfolgen einen ganzheitlichen Anspruch. Neben den sportlichen Zielsetzungen wollen wir den Verein auch strukturell nach vorne bringen. Dazu noch unsere Philosophie von Fußball umsetzen und schließlich auch endlich das Image der grauen Maus loswerden, das uns schon seit Jahren begleitet.

SPOX: Was sicher eine der größten Herausforderungen ist...

"Nur mit wirtschaftlichen Argumenten hätten wir keine Chance gehabt." (Dieter Hecking)

Hecking: Ich glaube, ein Fehler, der in Hannover in der Vergangenheit gemacht worden ist, war, dass bei Neuverpflichtungen zu sehr auf Mittelmaß aus dem Ausland gesetzt wurde. Wir sind aber der Meinung, dass Hannover ein neues Gesicht braucht. Deshalb haben wir eine andere Transferpolitik eingeschlagen. Wir versuchen, Typen zu holen, und zwar möglichst deutschsprachige, um die Identifikation zu stärken. Das ist uns im letzten Jahr mit Christian Schulz und Mike Hanke gelungen und nun mit Jan Schlaudraff.

SPOX: Dazu noch Valerien Ismael und Mikael Forssell. Spieler, die bis vor kurzem wohl noch nicht nach Hannover gekommen wären. Wie haben Sie die überzeugt? Der Verein schwimmt nicht eben im Geld.

Hecking: Mit wirtschaftlichen Argumenten alleine hätten wir in der Tat wohl keine Chance gehabt. Wir haben uns in vielen Gesprächen um die Spieler bemüht, gezeigt, dass wir Vertrauen haben. Wir haben Ismael zum Beispiel nach seiner Verletzung gesagt, dass er bei uns alle Zeit der Welt hat und dass wir an ihn glauben.

SPOX: Mike Hanke, Christian Schulz, Mikael Forssell und Jan Schlaudraff kamen nicht nach Verletzungen.

Hecking: Das sind Spieler, die nicht - oder noch nicht - die Qualität haben, bei den absoluten Top-Klubs Stammspieler zu werden. Trotzdem haben sie bei Schalke, Bremen, Bayern oder auch international viel gelernt. Wir konnten sie überzeugen, dass wir sie brauchen, um genau diese Qualität in den Kader rein zu bekommen. Das haben sie angenommen, weil sie gespürt haben, dass sie hier wichtig sind. Bei ihren alten Vereinen waren sie nicht mehr wichtig. Aber durch sie machen auch unsere anderen Spieler wieder Schritte nach vorne. Und so tobt auf allen Positionen der Konkurrenzkampf.

SPOX: Und spüren Sie diesen Konkurrenzkampf auch?

Hecking: Oh ja! In jeder Trainingseinheit.

SPOX: Aber sportlich wird es Härtefälle geben. Kein Spieler setzt sich freiwillig auf die Bank.

Hecking: Sicher wird es mehr Unzufriedene geben. Im letzten Jahr hatten wir vielleicht 14 oder 15 Profis, die für die erste Elf in Frage kamen. In diesem Jahr haben wir mindestens 22 Spieler, die gleichwertig ersetzbar sind. Dazu noch ein paar Junge hinten dran.

SPOX: Hanke und Schlaudraff wollen beide zur WM 2010, und auch Forssell wird schwer zu vermitteln sein, wenn er auf die Bank müsste.

Hecking: Ich brauche auch nichts zu vermitteln. Wenn ich der Meinung bin, dass die Leistung nicht für die erste Elf reicht, dann reicht sie nicht. Bei mir zählt nicht der Name oder das Gesicht, es zählt die Leistung - und die will ich auch im Training sehen.

Im zweiten Teil des Interviews verrät Dieter Hecking seine Einstellung gegenüber Kameras, seine Ansichten zum modernen Fußball und woran man die Stärke eines Trainers erkennt.

Interview: Stefan Moser

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