Münchner Kettenreaktion

Von Für SPOX an der Säbener Straße: Stefan Rommel
Donnerstag, 28.08.2008 | 16:21 Uhr
Oddo, Bayern
© Getty
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Nach dem Transfer von Marcell Jansen zum Hamburger SV präsentiert der FC Bayern München in Windeseile den Italiener Massimo Oddo vom AC Milan als Neuzugang.

Am Ende wurde es noch mal richtig hektisch. Uli Hoeneß trat von seinem Podium und war schnell umringt von Journalisten. Die Kameras wurden eilig in Stellung gebracht, Fragen bohrten - und Hoeneß wurde schwach.

"Wir leihen Massimo Oddo (zum Steckbrief) vom AC Mailand für ein Jahr aus", sagte der Bayern-Manager. "Für uns ist das kein Risiko und nach dem einen Jahr schauen wir dann weiter."

Offenbar hatte Hoeneß keine Lust mehr auf Versteckspielchen. Beim offiziellen Teil der Pressekonferenz, auf der eigentlich die weitere Zusammenarbeit mit einem Elektronikhersteller verkündet werden sollte, hatte er sich noch geziemt.

3,5 Millionen Euro Jahresgehalt

"Es kann sein, dass in den nächsten ein, zwei Tagen noch was passiert. Es ist ein Spieler im Anflug auf München", hatte er da noch etwas nebulös erzählt.

Ein paar Minuten später gab er dann seine zugeknöpfte Haltung auf und schaltete vom "Kann-sein-Modus" auf harte Fakten um. Massimo Oddo (im Bild links) kommt für ein Jahr auf Leihbasis an die Säbener Straße. Danach besteht eine Kaufoption seitens der Bayern.

"Ich freue mich unglaublich auf den FC Bayern München. Ich habe mit Luca Toni mehrmals über den FC Bayern gesprochen. Der Kontakt ist vor wenigen Tagen mit dem Verein zu Stande gekommen. Es war eine kurzfristige Aktion", sagte Oddo nach seiner Ankunft in München dem "DSF".

In italienischen Medien ist von 3,5 Millionen Euro Jahresgage die Rede, das wäre dann eine satte Million mehr, als der 32-Jährige bisher bei Milan kassiert hatte.

HSV-Angebot zu verlockend

Es ist das vorläufige Ende einer Kettenreaktion, die die Bayern selbst in Gang gebracht hatten. "Vor zwei, drei Tagen" habe Hoeneß einen Anruf von Hamburgs Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer erhalten.

"Er hat sich nach Marcell Jansen erkundigt und ob wir es uns vorstellen könnten, ihn abzugeben."

Die Antwort der Bayern war ein klares Nein. "Der HSV ist ein Verein, der billig einkaufen und teuer verkaufen will, deshalb konnte ich mir einen Wechsel nicht vorstellen."

Hoeneß nannte dennoch eine Summe, bei der die Bayern unter Umständen nachdenken würden. Als der HSV dann erste Zahlen auf den Tisch legte, begann es in Hoeneß zu rattern. Zusammen mit dem Vorstand und natürlich Trainer Jürgen Klinsmann ging er die Personalie Jansen durch.

Klínsmann riet Jansen zum Wechsel

Klinsmann suchte das Gespräch mit Jansen und erklärte dem 22-Jährigen die Situation. Hinter Philipp Lahm sei er auf seiner Position auf der linken Seite die klare Nummer zwei bei den Bayern.

"Wir haben dann abgewogen und ihn auch mit einem weinenden Auge ziehen lassen. Jürgen hat ihn letztlich dazu bewogen, das langfristige Angebot vom HSV anzunehmen", so Hoeneß. Jansen unterschrieb bei den Hamburger letztlich einen Vertrag bis ins Jahr 2013.

Altintop-Verletzung als Ausgangspunkt

In den letzten Wochen hatten die Bayern immer wieder betont, dass sich an der "Stärke des Kaders" nichts mehr ändern werde. Viele hatten das so interpretiert, dass von den Bayern keine Transferaktivitäten mehr zu erwarten seien.

Im Endeffekt hieß es nur: Wenn noch einer geht, muss auch einer kommen. Oder umgekehrt.

Offiziell folgt Oddo auf Jansen. Laut Hoeneß habe man den Italiener aber schon seit sechs Tagen im Auge gehabt. Die Beiersdorfer-Anfrage kam deutlich später.

"Die Verletzung von Hamit Altintop hat uns den Rest gegeben, weil Hamit zwei bis drei Monate ausfällt. Und Massimo Oddo kann auch im rechten Mittelfeld spielen", gestand Hoeneß.

Plötzlich ist Geld da

Die genaue Ablösesumme, die die Bayern für Jansen bekommen, wollte Hoeneß nicht preis geben. Nur soviel: "Wir haben damals nicht zehn Millionen an Gladbach bezahlt und jetzt kriegen wir auch nicht die kolportierten acht Millionen."

Dennoch ist auf einen Schlage wieder jede Menge Geld da. Durch den Jansen-Transfer und dadurch, dass sich Schalke nicht für die Champios League qualifiziert hatte und Bayern und Werder Bremen nun rund zwei Millionen abbekommen vom großen Kuchen.

"Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Der FC Bayern hat Geld generiert und kann jetzt wieder andere Felder bedienen."

Toulalan oder Tymoschuk

Ein Teil der Einnahmen versickert im Oddo-Deal. Mit dem üppigen Rest und ein paar Millionen obendrauf könnten die Bayern noch einmal richtig auf dem Transfermarkt zuschlagen - und einen "echten" Mittelfeldspieler holen.

Nach SPOX-Informationen gehört Lyons Jeremy Toulalan (zum Steckbrief) zum engeren Kandidatenkreis. Auch der Name Anatoly Tymoschuk ist bereits gefallen.

"Ob das jetzt unser letzter Transfer war? Mal schauen. Wer weiß, was passiert." Uli Hoeneß lächelte verschmitzt, als er sich wieder ins Dickicht der Spekulationen verabschiedete.

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