Alternative Liste, Spieltag 1

Wer hat das i-Tüpfelchen geklaut?

Von Stefan Moser
Montag, 18.08.2008 | 17:22 Uhr
schweinsteiger, bundesliga, bayern müchen
© Imago
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München - Mann, war das ein Wochenende! Madonna wurde 50, Elvis hatte Todestag, die NASA entdeckte Wasser auf dem Mars, und Michael Phelps ist als erster Mensch schon drin geschwommen.

Und dann war auch noch Bundesliga-Start. Mit viel Tamtam ging's los: Die Roten Khmer gaben sich die Ehre, Madonnas Körperdouble war da, ein Brandstifter aus Rom und schließlich auch ein musenferner Grobian. Details? In der Alternativen Liste des ersten Spieltags!

1. Mit Pauken und Trompeten: Was war doch die Eröffnungsparty für ein Spaß! Glitzer, Glamour, Trallala, ole, ole, DFL, du bist so geil! Kein Laden der Welt kann sich so prima selber feiern, wie die Deutsche Fußball Liga, egal wie sehr er sich zuvor auch zum Gespött der Leute machte, durch windiges Geschäftsgebaren im Streit um die TV-Vermarktung beispielsweise. Alles schnurzegal! In China isst man ja auch Hunde, und dort sind immerhin Olympische Spiele...

2. Out of Space: Eines der letzten Rätsel der Menschheit lautet ja: Wie fühlt sich eigentlich ein Bundesligastart so an? Wissen Sie nicht? Aber Christoph Daum weiß es! "Ich will es einmal so ausdrücken", holte der Kölner Coach vor dem Auftakt gegen Wolfsburg kräftig Luft, ehe er die folgende verbale Bombe platzen ließ: "Das fühlt sich an wie bei der NASA, bei einem Space-Shuttle-Start." Hammerinfo, Genosse Daum! Aber wussten Sie auch dieses schon: Elvis lebt, Guy Ritchie bescheißt Madonna, und die Mondlandung der Amis war nur eine abgeschmackte Inszenierung der Hollywood-Studios, um die Sowjets zu demoralisieren. Wussten Sie nicht? Dann fragen Sie mal bei der NASA nach!

3. Madonnas Körperdouble: Tim Wiese stammt ursprünglich aus einer Zeit, als die Frisörin noch Friseuse hieß und auf Typen wie Tim Wiese stand: Die strammen Bäckchen knallorange getoastet, jede Menge Öl im Haar, und die barocke Silhouette mühsam ins Kostüm gepresst wie weiland Elvis Presley in den schweren Zeiten. Doch alles neu macht der August, und so war der gute Wiese zum Bremer Start in Bielefeld nicht wiederzuerkennen. Hohlwangig stand er da im Kasten, das Trikot hing an ihm herunter, schlaff wie Heesters Haut.

Acht Kilo hat der Mann im Sommer nämlich abgespeckt. Und was war sein Geheimnis? Ganz einfach: Viele tote Hühner essen und weniger ins Fitnessstudio - ein Rezept, nicht weniger als ein Debakel für Diät-Berater und ein Schlag ins Kontor für jede Jojo-Effekt geplagte Frisörin.

4. Ein ganz persönliches Waterloo: Der Herzog von Wellington kam einst zu einiger Berühmtheit, als er Napoleon bei Waterloo vernichtend schlug. Das weiß natürlich auch Ralf Rangnick, der Professor aus Hoffenheim, und holte sich ein 20-jähriges Talent aus Brasilien.

Kosten: viereinhalb Millionen. Name: genau, Wellington. Worin nun freilich im Detail das Talent des Angreifers besteht, konnte Wellington am ersten Spieltag nicht beweisen. Im Training brachte er sich nämlich schon um sein Debüt, indem er sich beim Schussversuch mit Rechts selbst derart auf die linke Wade schlug, dass er nun auf Krücken geht.

5. Apropos Brasilianer: Diese ollen Südamerikaner mit ihren noch olleren Namen! Die bringen Sportredakteure auf der ganzen Welt noch irgendwann um den Verstand. Der Herzog von Wellington! In kurzen Hosen! Und Kaka. Der spielt jetzt plötzlich in Berlin. Bei der Hertha! Genau wie dieser Cicero. Hat der nicht früher mal Rom angezündet? Und Madonna? Spielt doch auch irgendwo Fußball in Brasilien und kokst. Oder?

6. Und überhaupt! Apropos Hoffenheim: Aus der Regionalliga schnurstracks an die Tabellenspitze der Bundesliga. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Da hatte doch die NASA ihre Finger im Spiel! Eine plumpes Possenspiel, und Guy Ritchie führt bestimmt Regie.

7. No jokes with names: Wie taufte noch die "Bild" damals das junge Traumpaar Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger: Schweinolski? Oder Posteiger? Ist ja auch egal, jedenfalls war es zum Zungeschnalzen, was der neue FC Bayern in den ersten zwanzig Minuten gegen Hamburg da so präsentierte.

Eine Ode an die Freude, kinderfreundlich abgefasst im Diminutiv: Der Schweini traf, der Poldi auch, der Klinsi klatschte, selbst der Schiri half mit und der Jogi war ja auch da und halleluja das war alles supi.

Nur plötzlich kam das i-Tüpfelchen abhanden, denn am Ende stand's nur Unentschieden. Doch ohne i-Punkt ist das ganze i nichts wert, was Poldi und auch Klinsi noch ganz gut verkraften könnten - aber Schweini ohne i?

8. Paul Potts: Das klingt so ähnlich wie der "Bruder Nummer eins" der Roten Khmer, ist in Wahrheit aber völlig harmlos. Es ist nur dieser kleine dicke Waliser, der früher einmal Handys verkaufte, dann in England ein Talentcasting gewann, indem er Arien zum Besten gab, und damit über Nacht schwerreich und schwerberühmt wurde. Ironie des Schicksals: Heute verkauft er wieder Handys - inzwischen allerdings als Werbeikone eines Mobilfunk-Syndikats.

Wie dem auch sei. Um sich selbst zu feiern, schickte jedenfalls die geile DFL - wie's der Teufel will auch ein Geschäftspartner just jenes Mobilfunk-Syndikats - den armen Potts zur Saisoneröffnung nach München. "Nessun dorma" aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini sollte der Tenor dort singen, vor einem Stadion voll musenferner Fußballfans. Und was geschah? Der Schlussakkord war kaum verklungen, da erhob sich doch der Mob von seinen Plätzen und spendete gesitteten Applaus. Typisch Münchner Operettenpublikum!

9. Apropos musenfern: Welch ungeschlachter Grobian ist dagegen doch der Kölner Pierre Wome. Weil Fußball offensichtlich nicht sein Ding ist, versuchte er, dem Wolfsburger Ashkan Dejagah einfach kurzerhand den Schädel einzuschlagen. Der Schiedsrichter hat's nicht gesehen, wir aber schon. Und deshalb fordern wir: Sieben Stunden "Jailhouse Rock" für Pierre Wome, Straftraining mit Madonnas Yoga-Lehrer und ein Anti-Aggressions-Seminar mit der Frisörin von Tim Wiese!

10. Schlaflos in der Lausitz: Nachts um Eins klingelte ein fälschlich ausgelöster Feueralarm die Cottbuser Profis aus ihren Hotelbetten, woraufhin diese ihr Heimspiel gegen Hoffenheim auch glatt mit 0:3 verloren. Wer ein Faible hat für schlechte Wortspiele, kann sich deshalb gerne kurz an folgender sinnloser Sentenz berauschen: "Cottbus war wohl nicht recht ausgeschlafen, als Hoffenheim schon loslegte wie die Feuerwehr. Prompt brannte es auch lichterloh im Strafraum der Gastgeber, und folgerichtig klingelte es dreimal. Feuerwehrmann Prasnikar schlug hinterher Alarm: So wird's brenzlig mit dem Klassenerhalt!" Wer solchen Kauderwelsch abscheulich findet, kann nun aufatmen - wir werden es nie wieder tun.

11. Kloppo-Bashing: Dass Dortmund Jürgen Klopp zu Füßen liegt, ist nicht verwunderlich. Immerhin war der 3:2-Sieg gegen Leverkusen der erste Auswärtserfolg des BVB zum Bundesliga-Start seit 29 Jahren! Aber ist es nicht eigentlich ein wenig widerlich, dass irgendwie wohl wirklich jeder Kloppo gern hat?

Abgesehen von Uli Hoeneß natürlich, denn der hat niemanden gern. Doch sonst hat keiner etwas gegen den TV-Bundestrainer vorzubringen, wir übrigens auch nicht. Wer also doch etwas gegen Kloppo in der Hand hat, möge es doch bitte unten posten.

Der beste Beitrag wird mit einer chinesischen Raubkopie der "Greatest Hits" von Elvis Presley prämiert. Vom Wettbewerb ausgeschlossen sind nur Schalke-Fans und Uli Hoeneß. 

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