Keine Abstellungspflicht für Olympia

SID
Sonntag, 20.07.2008 | 17:17 Uhr
Olympia, Peking, Fußball, Bundesliga, IOC, Jacques Rogge, DFL, Diego, Werder Bremen, Klaus Allofs, Holger Hieronymus, DFB, Andreas Müller, Rafinha, Schalke 04
© Getty
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Bremen - Trotz der deutlichen Worte des IOC-Präsidenten Jacques Rogge spitzt sich der Streit um die Teilnahme von Bundesliga-Profis am olympischen Fußball-Turnier in Peking immer mehr zu.

Werder Bremens Mittelfeldstar Diego, der ebenso wie der Schalker Rafinha am 22. Juli mit Brasiliens Olympia-Team nach Singapur fliegen möchte, wurde von seinem Klub zurückgepfiffen. Die Bremer halten an ihrem Reise-Verbot fest, weil laut Geschäftsführer Klaus Allofs keine Abstellungspflicht besteht.

Diese Auffassung bekräftigte die Deutsche Fußball Liga (DFL). Sie prüft sogar, ob Spieler, die ohne Zustimmung der Klubs nach Peking reisen, für das olympische Turnier gesperrt werden können.

Das Turnier der Männer sei im internationalen Rahmenterminkalender nicht hinterlegt, deshalb gibt es keine Abstellungspflicht, erklärte Holger Hieronymus, der stellvertretende Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung.

Auch Müller gegen Abstellung

"Wir haben leider auf unsere diversen Anfragen bei der FIFA seit Mai keine brauchbaren Antworten erhalten", fügte er hinzu. Der DFB teile die Auffassung der Liga und unterstütze das Anliegen im direkten Kontakt mit dem Fußball-Weltverband (FIFA).

Die Profis erhielten ihrerseits neue Unterstützung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Vizepräsident Thomas Bach sagte am Sonntag: "Ich finde es sehr schade, dass die Vereine ihren jungen Spielern den Olympia-Traum verbauen. Da würde ich mir mehr Verständnis wünschen."

Auch Schalke 04, der Hamburger SV und Hertha BSC wollen im Streit mit dem IOC und der FIFA nicht klein beigeben. Für Schalke-Manager Andreas Müller gibt es keine Handhabe, den Brasilianer Rafinha nach China reisen zu lassen.

Rafinha rechnet fest mit Olympia

Die Vereinsvertreter lehnen die Zuständigkeit von Rogge ab, der den Fußballklubs mit Konsequenzen gedroht hatte, wenn sie Spieler bis 23 Jahren nicht freistellen. Laut dem IOC- Präsidenten werden dann die Profis für die Dauer des Olympia-Turniers gesperrt.

Rafinha kündigte in der "Bild am Sonntag" bereits an: "Ich glaube nicht, dass ich Montag mit Schalke ins Trainingslager fliege, sondern Dienstag mit Brasilien zu Olympia." Er erwarte auch Diego am Treffpunkt in Paris. Von dort aus geht es zunächst nach Singapur.

Allofs sieht keine Abstellungspflicht

"Fakt ist: Diego weiß von Klaus Allofs, dass Werder trotz gegenteiliger Behauptungen der FIFA und des IOC davon ausgeht, dass keine Abstellungspflicht besteht", erklärte der Bremer Mediendirektor Tino Polster am Sonntag.

Für Allofs hat ein Schreiben der FIFA an den DFB zu der Freigabe-Problematik keine rechtsverbindliche Wirkung. In dem Fax verweist der Weltverband darauf, dass die Abstellung von Spielern unter 23 Jahren schon immer obligatorisch gewesen sei und deshalb auch für Peking gelten müsse.

"Wir bleiben bei unserem Nein, auch wenn die FIFA um eine Abstellung bittet", sagte Allofs in der "Bild am Sonntag".

Treffen zwischen Diego und Werder

Das letzte Wort in der verworrenen Angelegenheit ist damit aber noch nicht gesprochen. Diego hat auf seiner Homepage ein erneutes Gespräch mit der Werder-Führung für diesen Montag angekündigt.

An dem Treffen soll auch der Vater des Profis teilnehmen, der sich vehement für die Olympia-Teilnahme seines Sohnes einsetzt.

Hertha BSC hatte den 21-jährigen Serben Gojko Kacar zu einem Verzicht bewegt und will auch Torjäger Marko Pantelic nicht nach Peking lassen. Pantelic ist aber schon 29 Jahre alt, daher hat der Verein das letzte Wort. Der 22-jährige Vincent Kompany vom Hamburger SV soll indes für Belgien spielen, was der HSV ablehnt.

Obasi erhält Freigabe

1899 Hoffenheim gab seinem nigerianischen Stürmer Chinedu Obasi am Sonntag nach langem Tauziehen dagegen die Reiseerlaubnis, wenn auch erst nach dem laufenden Trainingslager.

"Der Druck auf den Spieler und seine Familie in Nigeria hat in den letzten Tagen ein Ausmaß angenommen, das wir bei verantwortungsbewusstem Umgang mit diesem Thema nicht ignorieren können", sagte Manager Jan Schindelmeiser. Auch Hertha-Profi Solomon Okoronkwo darf für Nigeria auflaufen.

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