Ralf Rangnick im Interview

"Wir sind die Exoten"

Von Interview: Haruka Gruber
Mittwoch, 30.07.2008 | 13:44 Uhr
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München - Nach dem zweiten Aufstieg in zwei Jahren steht 1899 Hoffenheim vor der ersten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte.

Im SPOX-Interview spricht Trainer Ralf Rangnick (50) über Champions-League-Prämien, einen faulen Brasilianer und den Grund, warum Hoffenheim kein Interesse an Lukas Podolski hat.

SPOX: Ist es üblich, als Aufsteiger mit dem Hauptsponsor eine Champions-League-Prämie zu vereinbaren?

Rangnick: Dafür bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Da müssten Sie bei unserer Marketingabteilung nachfragen. Aber wenn ich dafür verantwortlich wäre, hätte ich auch eine solche Prämie ausgehandelt (lacht).

SPOX: Ihre Laune könnte derzeit nicht viel besser sein, oder?

Rangnick: Es ist herrlich, wenn man bereits in der Vorbereitung sieht, wie neugierig und hungrig die Spieler sind. Andere Vereine nehmen Testspiele als notwendiges, mühsames Übel in Kauf. Bei uns findet es aber jeder geil, in der Vorbereitung zum Beispiel gegen Blackburn mit Roque Santa Cruz anzutreten - und zu merken, dass es keinem Gegner Spaß macht, gegen uns zu spielen. Wir werden nächste Saison die mit Abstand jüngste Mannschaft der Liga stellen. Wir wollen bewusst anders sein. Wir sind die Exoten. Und daher wird es auch für mich ein Highlight. Das ist wie ein neues Leben.

SPOX: Keine Befürchtungen, direkt im ersten Jahr unten reinzurutschen?

Ralf Rangnick: Ich mache mir, was den Abstiegskampf anbelangt, keine Sorgen - solange wir zwei Voraussetzungen erfüllen.

SPOX: Und die lauten?

Rangnick: Wir müssen es schaffen, konstant von Samstag zu Samstag am aktuellen Leistungslimit zu spielen und gleichzeitig darauf achten, dieses Limit Stück für Stück nach oben zu verschieben, um noch schneller, noch besser, noch effektiver aufzutreten. Nach dem zu urteilen, was ich in der Vorbereitung gesehen habe, bin ich zuversichtlich, dass wir das schaffen.

SPOX: Sie meinen vor allem das 3:1 gegen Blackburn?

Rangnick: Wir hängen die Partie nicht zu hoch, es war ja nur ein Test. Aber man hat gesehen, dass die Mechanismen auf dem Platz ineinander greifen. Am meisten hat mich eine Szene beeindruckt, die ich im Profifußball lange nicht mehr gesehen habe. Blackburns Andre Ooijer, immerhin aktueller Nationalspieler der Niederlande, hat am eigenen Fünfer den Ball, wird von drei meiner Jungs angegriffen - und befreit sich mit einem weiten Ball ins Seitenaus.

SPOX: Was ist daran so beeindruckend?

Rangnick: Er hätte den Ball einfach nach vorne schlagen oder zum Torwart zurückspielen können, aber weil wir so einen Druck aufgebaut haben, hat er sich dazu entschlossen, den Ball absichtlich ins Aus zu schießen. Solche Momente bestätigen einen manchmal mehr als ein selbst erzieltes Tor. Wenn wir derart gut gegen den Ball spielen, wird es für kein Bundesliga-Team angenehm, gegen uns zu spielen.

SPOX: Ihre Vorfreude in Ehren, aber in der Vorbereitung lief nicht alles reibungslos. Carlos Eduardo und Demba Ba etwa haben im Urlaub nicht ihre Trainingspläne eingehalten.

Rangnick: Die zwei haben ihren Rückstand über Sondereinheiten wieder aufgeholt, das ist das eine. Das andere: Man muss zwischen den beiden Fällen differenzieren. Demba hat die ersten drei Urlaubswochen im Senegal nicht viel gemacht, weil es dort 45 Grad warm war. Später hat er in Paris extra einen Platz gemietet und zwei, drei Wochen vor Saisonstart bereits angefangen zu trainieren.

SPOX: Und Eduardo?

Rangnick: Er hat zuhause in Brasilien sechs Wochen nichts gemacht. Er zog aber die Lehren daraus. Nächste Saison kommt es nicht mehr vor.

SPOX:  Sind die Irritationen wegen Chinedu Obasis Olympiateilnahme aus dem Weg geräumt?

Rangnick: Ja. Er fuhr vergangenen Sonntag zum nigerianischen Team und kommt drei Wochen später zu uns zurück. Das ist eine überschaubare Zeit. Es ist die mittel- und langfristig beste Lösung für uns alle. Hätten wir ihm verboten, nach Peking zu fahren, wäre zuviel zwischen beiden Parteien kaputtgegangen.

SPOX: Sie sprechen die mittel- und langfristigen Perspektiven an. Wie weit wird Hoffenheim in zwei, drei Jahren sein?

Rangnick: Theoretisch ist vieles denkbar. Es hängt einzig und allein von Dietmar Hopps Überlegungen ab. Er ist derjenige, der mit seinen finanziellen Aufwendungen alles möglich macht. Dementsprechend kann auch nur er die Frage beantworten: Wohin und wie schnell soll sich der Verein in den nächsten Jahren entwickeln? Die sportliche Führung kann nur versuchen, seine Vorstellungen umzusetzen.

SPOX: Offensichtlich mit Erfolg. Hopp hat Ihnen schon vor Saisonstart eine Jobgarantie ausgestellt, selbst wenn 1899 absteigen sollte.

Rangnick: Das war nett gemeint. Aber schlussendlich muss ich das Gefühl haben, dass wir uns als Verein in die richtige Richtung bewegen.

SPOX: Indem Sie zum Beispiel sehen, dass bereits über 13.000 Dauerkarten verkauft wurden?

Rangnick: Uns wird häufig vorgeworfen, dass wir keine Fan-Basis hätten, aber dann frage ich mich, wie es sein kann, dass wir in der letzten Saison bei Pokal-Auswärtsspielen zum Teil mehr Fans dabei hatten als mancher Bundesligist. Oder dass nach dem Aufstieg in Sinsheim 3000 Leute bei strömendem Regen auf der Straße standen und uns zugejubelt haben. Man darf nicht vergessen, dass wir noch in der Regionalliga vielleicht vor 1500 Zuschauern gespielt haben.

SPOX: Dann ist es nicht übertrieben, wenn die "Welt" titelt: "Rangnick trimmt einen Dorfverein auf Weltniveau"?

Rangnick: Als ich 2006 in die Regionalliga ging, haben einige den Kopf geschüttelt. Ich hätte auch ein paar Wochen darauf warten können, dass bei einem guten Bundesligisten eine Stelle frei wird. Aber ich habe mir überlegt, was nach Schalke und Stuttgart noch kommen könnte. Und da gibt es nicht viel. Es haben einfach gravierende objektive Gründe dafür gesprochen, nach Hoffenheim zu gehen. Denn was die Rahmenbedingungen anbelangt, müssen wir uns hinter keinem Verein verstecken.

SPOX: Bei den Transfers hält sich Hoffenheim aber zurück. Bisher steht nur Stuttgarts Andreas Beck als einziger Neuzugang fest.

Rangnick: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns bei den Bundesliga-Etats im unteren Drittel bewegen. Das ist der Punkt. Die Öffentlichkeit denkt ja häufig "Die Hoffenheimer haben es ja", aber so gehen wir nicht vor. Wir waren beispielsweise als erstes an Sebastian Prödl dran, aber als Bremen mit auf den Zug aufsprang, entschied er sich dann doch für Werder.

SPOX: Aktuell suchen Sie einen weiteren Stürmer. Zuletzt soll 1899 7,5 Millionen Euro für Betis Sevillas Rafael Sobis geboten haben. Was ist mit ihm, Eren Derdiyok oder Robert Vittek?

Rangnick: Solange wir keinen geholt haben, ist jeder ein Thema. Wir schauen uns gleichzeitig aber weiter um und wägen ab, ob es sich lohnt, für einen neuen Kandidaten ganz von vorne anzufangen. Derzeit gehen massig Faxe von Spielerberatern bei uns ein, die in der Regel aber direkt in den Mülleimer wandern.

SPOX: Warum kommt Bayerns Lukas Podolski nicht in Frage?

Rangnick: Wir suchen Spieler, die von einer niedrigeren oder gleichen Entwicklungsstufe zu uns kommen. So wie Beck, der zwar über Champions-League- und Bundesliga-Erfahrung verfügt, aber dennoch gemerkt hat, dass er in Stuttgart auf der Kippe gestanden hätte. Bei uns kann er zwei Schritte nach vorne machen - und das simultan mit der Entwicklung des Vereins. Das ist ideal. Lukas hingegen ist ein super Fußballer, aber er würde uns von oben entgegenkommen. Das entspricht nicht unserer Philosophie.

SPOX: Andersherum interpretiert: Sollte 1899 stagnieren, droht der Weggang von aufstrebenden Talenten wie Carlos Eduardo.

Rangnick: Das stimmt. Sollte sich ein Spieler schneller entwickeln als der Verein, gibt es ein Problem. Dann kann es sein, dass wir jemanden verlieren. Sollte dieser Fall eintreffen, müssen wir dementsprechend Ersatz parat haben und gewappnet sein für den Tag X.

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