Donnerstag, 24.07.2008

Felix Magath exklusiv

Europa schaut auf Wolfsburg

München - Als Spieler und als Trainer hat Felix Magath fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Beim VfL Wolfsburg hat er sich zum Ziel gesetzt, einen schlafenden Riesen zu wecken. Dafür arbeitet er als Trainer, Sportdirektor und Manager in Personalunion.

Magath, Wolfsburg
© Getty

Im Interview mit SPOX spricht der 54-Jährige über seine italienischen Neuzugänge, Wolfsburgs Position in Europa und den Gewinn der Meisterschaft.

SPOX: Als Trainer hatten Sie während der Sommerpause frei, dafür waren Sie als Sportdirektor mit der Zusammenstellung des Kaders beschäftigt. Ist der Trainer Magath mit der Transferpolitik des Sportdirektors Magath zufrieden?

Felix Magath: Der Trainer hat den Sportdirektor für seine Einkäufe ausdrücklich gelobt (lacht). Ich bin sehr zufrieden mit unseren Neuzugängen, alle Spieler haben bislang die Erwartungen erfüllt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Mannschaft mit den Neuverpflichtungen verbessert haben und deshalb eine gute Rolle in der neuen Saison spielen werden.

SPOX: Mit Andrea Barzagli und Cristian Zaccardo haben Sie im Sommer gleich zwei amtierende Weltmeister verpflichtet. Wie machen Sie internationalen Topleuten Wolfsburg schmackhaft?

Magath: Da spielen sicherlich mehrere Faktoren zusammen. Auf der einen Seite ist natürlich die wirtschaftliche Kraft von Volkswagen ein wichtiges Argument. Auf der anderen Seite tut sich in Wolfsburg auch was. Es ist international kein Geheimnis mehr, dass sich in Wolfsburg etwas verändert hat und dass eine Mannschaft aufgebaut wird, die auch europäischen Ansprüchen genügen soll. Ich bin überzeugt, dass das in Fußball-Europa erkannt worden ist.

Felix Magath im Schnelldurchlauf
Sein größter Triumph als Spieler: Magath schießt das goldene Tor gegen Juventus Turin und sichert dem HSV den Europapokal der Landesmeister 1983.
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Sein größter Triumph als Spieler: Magath schießt das goldene Tor gegen Juventus Turin und sichert dem HSV den Europapokal der Landesmeister 1983.
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August 1984: Familienvater Magath mit Frau Stefanie und den Töchtern Victoria und Janina
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August 1984: Familienvater Magath mit Frau Stefanie und den Töchtern Victoria und Janina
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Nach Karriereende wurde Magath HSV-Manager. Hier feiert er nach dem 3:1-Erfolg über die Stuttgarter Kickers den DFB-Pokalsieg im Juni 1987
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Nach Karriereende wurde Magath HSV-Manager. Hier feiert er nach dem 3:1-Erfolg über die Stuttgarter Kickers den DFB-Pokalsieg im Juni 1987
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Der gebürtige Aschaffenburger blieb dem HSV treu. Als Trainer begrüßt er hier zusammen mit Bernd Wehmeyer (li.) einen neuen Fan: Nick Bollettieri
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Der gebürtige Aschaffenburger blieb dem HSV treu. Als Trainer begrüßt er hier zusammen mit Bernd Wehmeyer (li.) einen neuen Fan: Nick Bollettieri
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Über Nürnberg, Bremen und Frankfurt landete er beim VfB Stuttgart. Kicker-Chefredakteur Holzschuh überreicht ihm 2003 den Titel "Trainer des Jahres"
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Über Nürnberg, Bremen und Frankfurt landete er beim VfB Stuttgart. Kicker-Chefredakteur Holzschuh überreicht ihm 2003 den Titel "Trainer des Jahres"
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Beim FC Bayern schrieb Magath Geschichte. Als erster Trainer überhaupt gewann er das Double-Double: Meisterschaft und Pokal, 2005 und 2006
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Beim FC Bayern schrieb Magath Geschichte. Als erster Trainer überhaupt gewann er das Double-Double: Meisterschaft und Pokal, 2005 und 2006
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SPOX: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Bundesliga?

Magath: Die Bundesliga ist eine wichtige Liga in Europa, auf die alle einen besonderen Blick werfen und wir haben uns durch unsere tolle letzte Rückrunde in den Fokus gespielt. Deshalb ist die Aufmerksamkeit gegenüber dem VfL viel größer geworden. Dass Spieler wie Andrea Barzagli zu uns stoßen zeigt ja, dass wir an Respekt und Achtung in Europa gewonnen haben. Jetzt liegt es an uns, daraus was zu machen.

SPOX: Haben Sie bei Cristian Zaccardo eine Reaktion nach Ihrer Kritik an seinem Fitnesszustand gesehen?

Magath: So wie es sich jetzt darstellt, war er von Beginn an durch die Verletzung an der Achillessehne und durch Blasen gehandicapt. Da er noch nicht deutsch spricht und ein zurückhaltender Typ ist, hatte er sich zu Beginn nicht klar geäußert. Mittlerweile scheint die Verletzung ausgeheilt. Alles in allem ist er in einem besseren Zustand, als ich es vor zehn Tagen angenommen hatte.

SPOX: Rechnen Sie mit ihm zum Bundesligastart?

Magath: Ja, ganz klar. Wenn seine Genesung so voranschreitet, gehe ich davon aus, dass er in drei Wochen einsatzbereit ist.

SPOX: Zaccardo hat bei Palermo sowohl als rechter Verteidiger als auch im Abwehrzentrum gespielt. Wo sehen Sie ihn?

Magath: Das ist momentan sehr schwierig zu sagen, da ich ihn bislang kaum im Einsatz gesehen habe. Ich muss ihn erst im Zusammenspiel mit den restlichen Spielern sehen. Für mich ist er ein variabler Spieler, der auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann. Aufgrund seiner Herkunft aus der Serie A ist er taktisch top ausgebildet.

SPOX: Sie haben Andrea Barzagli bereits kurz nach seiner Ankunft gelobt. Hat sich dieser positive Eindruck im Trainingslager bestätigt?

Magath: Der gute Eindruck hat sich noch verstärkt. Andrea ist ein Top-Profi und eine Persönlichkeit. Er bewegt sich auf dem Platz, als wäre er schon immer da gewesen. Man erkennt sofort seine hohe Qualität und ich bin mir sicher, dass er für uns eine wichtige Rolle spielen wird.

SPOX: Ist er der richtige Mann für die Rolle des Abwehrchefs?

Magath: Er verkörpert genau diese Rolle und hat sie ja bereits in Palermo ausgefüllt. Genau das soll er bei uns auch übernehmen.

SPOX: Sehen Sie noch Handlungsbedarf beim Kader?

Magath: Es geht noch darum, den Kader zu verkleinern, weil wir momentan zu viele Spieler haben.

SPOX: Was haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen?

Magath: Wir haben eine klare Zielsetzung. Wir wollen in der Bundesliga unter den ersten Sechs landen und wenn möglich, auch im UEFA-Cup den einen oder anderen Großen schlagen.

SPOX: Fühlen Sie sich nach der tollen vergangenen Saison und den spektakulären Neuverpflichtungen besonders unter Druck?

Magath: Nein, denn diese Situation ist ja das, was wir wollten. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht nach Wolfsburg gehe, um um Platz zehn zu spielen. Das ist nicht mein Ziel, insofern habe ich keinen Druck. Ich freue mich, dass eine solche Entwicklung eingesetzt hat und dass wir uns die Top Sechs als realistisches Ziel setzen können - vorausgesetzt, es passiert nicht zu viel Unvorhergesehenes. Ich freue mich, mit dieser Mannschaft oben anzugreifen.

SPOX: Sie haben vor kurzem von der Meisterschaft gesprochen. Wann werden Sie die angreifen?

Magath: So ein Unterfangen ist sehr schwer zu planen, da es im Laufe einer Saison immer Rückschläge gibt. Wir haben ja sehr perspektivisch eingekauft und haben ein sehr junges Team, in dem nur zwei Spieler über 30 sind. Die Meisterschaft wird wohl erst in zwei bis drei Jahren ein Ziel sein.

SPOX: Sie haben in den vergangenen Tagen das Wolfsburger Umfeld kritisiert. Es gab Streit mit Oberbürgermeister Rolf Schnellecke, weil die Zusammenarbeit mit der Stadt Wolfsburg nicht immer funktionierte...

Magath: Von Streit kann keine Rede sein und die Zusammenarbeit mit der Stadt ist im Großen und Ganzen gut. Es ist aber klar, dass Städte wie Stuttgart, Hamburg oder Gelsenkirchen ein ganz anderes Potenzial haben. Wenn man kleiner ist, muss man noch enger zusammenrücken. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass in Wolfsburg wirklich alle zusammenhalten müssen, wenn wir den VfL an der Spitze etablieren wollen. Bei uns muss alles stimmen, wenn wir ganz oben bleiben wollen. Da reichen 70 Prozent nicht aus. Es gab ein gutes Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Insgesamt bin ich mit der Entwicklung in Wolfsburg sehr zufrieden. Und sportlich ist die Mannschaft sogar weiter als ursprünglich gedacht.

SPOX: Doch auch mit den Fans waren Sie nicht immer zufrieden...

Magath: Ich werde oft als Kritiker der Fans hingestellt. Aber mir ging es nur darum, klarzumachen, dass das Team auf die Unterstützung der Fans angewiesen ist. Gegen Bochum etwa war unser Stadion nur halbvoll und damals ging es für uns auch schon um den UEFA-Cup. Gerade aber in den Spielen gegen die vermeintlich Kleinen braucht die Mannschaft das Publikum. Und wir haben insgesamt ja auch tolle Fans, die uns zum Beispiel beim letzten Spiel in Dortmund fantastisch unterstützt haben.

Für SPOX in Flachau: Christian Bernhard

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