Samstag, 19.07.2008

Jansen wehrt sich gegen EM-Kritik

Marcell wird flügge

München - "Ich bin immer noch der Marcell aus Gladbach", hat Marcell Jansen vor der EM in einem Interview gesagt. Nationalmannschaft, FC Bayern - offenbar alles kein Problem für die Psyche des jungen Rheinländers.

© Imago

Dabei ist mit 22 Jahren zum erweiterten Stammkader der DFB-Elf zu gehören, und nebenbei beim deutschen Rekordmeister zu kicken, nicht gerade ein Ausflug auf den Ponyhof. Der Druck ist groß, die Kritik manchmal überzogen - das bekam Jansen auch während der Europameisterschaft zu spüren.

Einem ordentlichen Auftritt gegen Polen folgte sein Fehler gegen Kroatien vor dem 0:1 (im Bild) - und die Ernennung zum Sündenbock. "Ich habe überlegt, ob ich mit dem Fußball aufhören soll", meint Jansen scherzhaft auf die Frage, wie er die Kritik aufgenommen habe.

"Klar war das ein Fehler, aber da habe ich auch noch ganz andere bei der EM gesehen. Es ist natürlich einfach, den jüngsten Spieler nach vorne zu stellen und zum Sündenbock zu machen. Da war ich schon ein bisschen traurig drüber", sagt der 22-Jährige im Gespräch mit SPOX.com.

"Die EM lief sehr positiv für mich"

Defensiv-Schwächen wurden ihm vorgeworfen, Deutschland sei mit ihm auf der linken Seite zu anfällig. "Wieso ich mich speziell defensiv verbessern soll, ist mir unbegreiflich", meint Jansen nun mit dem nötigen Abstand. "Ich habe in 27 Länderspielen nur ein Tor verschuldet. Klar muss ich noch Feinheiten verbessern, aber so extrem sehe ich das nicht."

Das Ende vom Lied: Wegen einer Schulterverletzung war er nach dem Kroatien-Spiel raus aus der Startelf und kam erst wieder in der zweiten Halbzeit des Endspiels gegen Spanien zum Einsatz - mit Erfolg. "Da habe ich gezeigt, was ich auf hohem Niveau abrufen kann, wenn alles passt", sagt er selbstbewusst.

Trotz der Ups und Downs während des Turniers geht Jansen auf jeden Fall gestärkt aus der EM hervor. "Für mich als jungen Spieler ist es wichtig, aus solchen Situationen zu lernen. Deswegen war die EM für mich sehr, sehr positiv", gibt er zu Protokoll.

Zweikampf mit Philipp Lahm

Zurück an der Säbener Straße steht für ihn sein zweites Jahr beim FC Bayern an. Da sich Jürgen Klinsmann wohl auf Willy Sagnol und Christian Lell auf der rechten Abwehrseite festgelegt hat, droht Jansen links ein Duell mit Philipp Lahm. "Hoffentlich mit gutem Ausgang für mich", sagt Jansen.

Solange Franck Ribery (Syndesmosebandriss) noch ausfällt, könnte sich Jansen aber auch das linke Mittelfeld vorstellen: "Ich mache alles. Meine Hauptposition ist natürlich links hinten, aber ich bin für alles offen, was auf der linken Seite ist."

Sein Hauptziel: Eine Saison ohne Verletzung. In den vergangenen beiden Jahren war er jeweils drei Monate weg vom Fenster, das soll diese Saison bitteschön nicht wieder vorkommen, auch wenn er es in der Vergangenheit trotz der Rückschläge immer wieder geschafft hat, heranzukommen.

Vorfreude auf Königsklasse und Gladbach

Mit Klinsmann hat Jansen nun einen Trainer, der auf ihn baut. Immerhin hatte der neue Bayern-Coach ihn anno 2005 erstmals in die Nationalmannschaft beordert.

"Das Angenehme an ihm ist, dass er auf der einen Seite sehr genau arbeiten lässt, auf der anderen Seite aber eine gewisse Lockerheit reinbringt. Das ist die perfekte Mischung."

Besonders freut sich Jansen auf die Champions League und natürlich auf die Duelle mit Aufsteiger Borussia Mönchengladbach. Dem Verein, bei dem er mit acht Jahren anfing und bis zur Profi-Elf alle Stationen durchlief. Geschenke wird es nicht geben, ansonsten ist Jansen gönnerhaft: "Außer gegen uns kann Gladbach ruhig immer gewinnen."

"Mein Platt ist besser als mein Hochdeutsch"

Vorher steht allerdings die Saisonvorbereitung im neuen Trainingszentrum des FC Bayern an. "Sehr anstrengend" wird es wohl. Dafür begrüßt Jansen den Schritt, das Trainingslager an der Säbener Straße auszutragen.

"Das ist super. Abends kann ich zu meiner Familie und meinen Hunden, ein bisschen abschalten. Und am nächsten Tag wird wieder richtig Gas gegeben", sagt er. Im neuen Sprachzentrum will er während des Acht-Stunden-Tags seine Spanisch-Kenntnisse verbessern.

"Deutsch und Englisch sind ganz okay", meint Jansen. "Und mein Gladbacher Platt ist noch besser als mein Hochdeutsch. Wenn ich jetzt noch Spanisch lerne, kann ich sagen, ich spreche vier Sprachen." Er ist eben immer noch der Marcell aus Gladbach.

Florian Bogner

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