"Lederhosen stehen mir"

Von Für SPOX.com an der Säbener Straße: Florian Bogner
Donnerstag, 17.07.2008 | 17:15 Uhr
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München - Kaum da, schon großer Rummel. Tim Borowskis erster Arbeitstag beim FC Bayern München beginnt gleich aufregend: Foto-Shooting im neuen Trikot mit der alten Nummer 24, anschließend eine hübsche kleine Pressekonferenz mit rund 30 Medienvertretern.

Borowski wirkt innerlich aufgeräumt, äußerlich zappelt er auf dem Stuhl hinter dem Pressepodium unablässig mit den Beinen. Die Anspannung. Schließlich ist das jetzt der große FC Ruhmreich, das Nonplusultra in Deutschland, seine große Herausforderung.

"Ich habe mich entschieden zum FC Bayern zu gehen, um wieder Erfolge zu feiern", sagt er auf Nachfrage von SPOX.com. "Ich habe mich gefragt: Willst du eine neue Herausforderung? Das war der Fall. Deswegen gab es auch keine großartigen Überlegungen, das Angebot auszuschlagen."

Borowski fühlt sich topfit

Zwölf erfolgreiche Jahre Bremen liegen hinter dem gebürtigen Neubrandenburger. Wehmut kommt im Hause Borowski nicht auf, die Vorfreude überwiegt. "Es gehört nun mal zum Profidasein dazu, dass man mit schönen Dingen abschließt und sich neuen Herausforderungen stellt", meint der 28-Jährige.

Keine Frage, er ist im richtigen Fußballeralter, um den nächsten Schritt zu vollziehen. Zwei durchwachsene Jahre mit vielen kleinen Verletzungen hat er abgehakt. "Ich habe zu alter Stärke zurückgefunden, und fühle mich richtig gut, topfit", gibt er auf der Pressekonferenz zu Protokoll.

Die Unterschiede zwischen dem SV Werder und dem FC Bayern liegen für Borowski auf der Hand: "Das sieht jeder auf den ersten Blick." Einen Raum voller Pressevertreter aller großen deutschen Zeitungen, Magazine und Online-Portale gab es in Bremen nur alle Jubeljahre.

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Auch das neue Trainingszentrum hat es ihm gleich angetan. "Es ist alles viel, viel moderner. Die Voraussetzungen hier sind einmalig was den Fußballsport anbetrifft. Nebenbei haben wir aber auch genügend Chilloutzonen, um mal runterzufahren", meint er.

Phlegma war gestern

In Bremen hat man ihm hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen, zu phlegmatisch zu sein, nicht ans Limit gehen zu wollen. Borowski weiß, dass er das nun ablegen muss - auch wenn er über seine persönlichen Erwartungen nicht so detailliert spricht wie über die Vorzüge des Trainingszentrums.

Seinen Platz im klinsmann'schen Konzept muss er erst finden. Das fünfte Rad im Mittelfeld will er nicht sein, er will einen Stammplatz. Wo, ist ihm egal.

"Es ist sicher von Vorteil, dass ich flexibel einsetzbar bin. Ich denke, dass ich eine zentrale Position spielen kann, habe aber mit guten Partien auch schon bewiesen, dass ich auf den Außenpositionen spielen kann. Ich bin ein Bestandteil des Teams und hoffentlich ein großer Bestandteil", so Borowski.

Bayern-Gen schon eingeimpft

Das vielzitierte "Bayern-Gen" hat man ihm offenbar schon eingeimpft. "Das spürt man von der ersten Minute an. Der Erfolg steht immer an erster Stelle, das sollte jedem bewusst sein", sagt er.

Klar ist allerdings auch, dass er sich gleich gegen ein halbes Dutzend anderer Nationalspieler beweisen muss. Im Zentrum haben Mark van Bommel, Ze Roberto und Andreas Ottl ihren Platz gefunden, links wirbeln Franck Ribery und Bastian Schweinsteiger (kann auch rechts) um die Wette, auf rechts sind Hamit Altintop (auch Mitte) und Jose Ernesto Sosa die angestammten Kräfte. Dahinter scharrt Toni Kroos schon mit den Hufen.

Damit, dass er und Hans-Jörg Butt in der Öffentlichkeit nicht als die großen Verstärkungen angesehen werden, hat er kein Problem. Geht es nach ihm, kann es auch beim derzeitigen Kader bleiben. Stark genug für die Champions League sei man in jedem Fall.

"Wir haben in allen Mannschaftsteilen sehr gute Leute. Wovor sollen wir Angst haben?", fragt er provokativ. "Es ist ja nicht nur, dass wir eine gute Mannschaft haben. Es wurden zudem sehr gute Voraussetzungen geschaffen, um erfolgreich zu sein."

Ein Nordlicht in Lederhosen

Zusammen mit seiner Frau Lena und dem einjährigen Töchterchen Emilia hat sich Borowski "im schönen Südwesten von München" niedergelassen und nach eigener Aussage auch schon recht gut eingelebt.

Ein Bremer wird in Bayern prinzipiell erstmals skeptisch beäugt, Borowski berichtet allerdings nur von positiven Erfahrungen. "Ich bin überall auf sympathische Leute gestoßen, auch hier im Verein."

Und selbst das letzte Mirakel bayrischer Absonderlichkeit ist dem 28-Jährigen schon nicht mehr fremd: "Ich denke, die Lederhose wird mir stehen."

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