Donnerstag, 31.07.2008

Urawa - FC Bayern 2:4

Die Stürmer-Hierarchie wackelt

Tokio - Mit einem Mal hat Jürgen Klinsmann ein Problem.

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© Getty

Lukas Podolski trumpfte beim 4:2-Sieg des FC Bayern München in Tokio gegen die Urawa Red Diamonds groß auf, schoss drei Tore und brachte sich dadurch in eine gute Verhandlungsposition im Kampf um einen Platz im Sturm.  

Das Japan-Tagebuch von SPOX-Redakteur Thomas Gaber

"Man freut sich mit, wenn ein Stürmer trifft und dadurch noch mehr Selbstvertrauen bekommt", kommentierte Klinsmann die Leistung des 23-Jährigen.

Die scheinbar klare Hierarchie im Angriff der Münchner, Toni 1 - Klose 2 - Podolski 3,  wackelt.

F�r SPOX in Tokio - Thomas Gaber berichtet vom FC Bayern M�nchen

"Wir wollen mit zwei Stürmern spielen und deswegen muss ich einen auf die Bank setzen. Wir haben drei Ausnahmestürmer, die sich einem harten Kampf stellen müssen. Und zwar über das gesamte Jahr hinweg. Lukas hat diesen Kampf heute erfolgreich angenommen", so der Bayern-Coach.

Podolski, der den Scheck über 3000 Euro als Prämie für den "Man of the match" spenden will, verzichtete wie gewohnt auf verbales Remmidemmi.

"Natürlich freut es einen, wenn man drei Tore schießt", sagte er. Dass sei aber nichts besonderes, "schließlich habe ich die Dinger auch bei der EM reingemacht".

Die Poldi- und Bayern-Show in der SPOX-Analyse:    

Der SPOX-Spielfilm

© Getty

16.: TOOOR für den FC Bayern! 1:0 durch Klose! Ze Roberto spielt aus dem rechten Halbfeld einen Pass in die Spitze auf Klose. Sein Gegenspieler schläft und Klose braucht aus kurzer Distanz nur noch einzuschieben.

20.: TOOOR für die Bayern! 2:0 durch Podolski! Schweini lupft die Kugel aus der MItte auf den gestarteten Podolski. Tsuzuki kommt aus dem Kasten, Poldi will an das Leder, trifft es minimal und so rollt der Ball langsam ins Tor.

42.: TOOOR für die Bayern! 3:0 durch Podolski! Klose läuft mit dem Ball am Fuß auf die japanische Abwehr zu, Poldi läuft sich hervorragend frei. Klose passt im richtigen Moment und der Ex-Kölner knallt den Ball unter die Latte ins Tor.

Hier geht's zum kompletten SPOX-Spielfilm!

57.: TOOOR für Urawa! Nur noch 1:3, Torschütze Umesaki. Soma bekommt auf links den Ball und zieht nach innen. Lucio will die Kugel weghauen, schießt aber Soma an. Von dort landet der Ball bei Umesaki, der nur noch einschieben muss.

63.: TOOOR für die Bayern! 4:1, Poldis dritter Treffer! Ze Roberto wurschelt sich am Sechzehner durch und lupft den Ball aus kurzer Distanz über einen Abwehrspieler zu Podolski. Der knallt die Kugel mit links rechts unten in die Maschen. Traumtor!

81.: TOOOR für Urawa! Abe verkürzt auf 2:4! Flanke von der rechten Seite, Lucio verliert das Kopfballduell und so kommt Abe am Fünfmeterraum an die Kugel. Der steigt in die Luft und netzt per sehenswertem Fallrückzieher ein. Klasse Ding!

So lief das Spiel: Bayern war vor 27.292 Zuschauern im Saitama-Stadium vom Anpfiff weg omnipräsent und hatte nach 60 Sekunden die erste Großchance durch Ze Roberto.

Das engagierte Angriffsspiel wurde nach 16 Minuten durch Kloses Führungstreffer belohnt. Im Mittelfeld wurde gut verschoben, Ze Roberto auf links und Schweinsteiger auf der Zehner-Position setzten die Stürmer Klose und Ze Roberto glänzend in Szene.

Urawa nahm erst nach knapp 25 Minuten am Spiel teil und prüfte Bayern-Keeper Michael Rensing mit zwei Weitschüssen.

Der FC Bayern in Japan
Der FC Bayern auf Japan-Reise: Die Ankunft des FC Bayern am Narita International Airport in Tokio
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Geburtstagskind Jürgen Klinsmann schreibt fleißig Autogramme. Lucio ist sichtlich gutgelaunt
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Der blonde Schwabe ist bei den Fans in Asien begehrt
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Mit etwas Abstand begegnen die Japaner dem Hühnen Daniel van Buyten
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Bastian Schweinsteiger wird enger "gedeckt". Hier allerdings schon auf dem Trainingsgelände
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Die weiblichen Fans sind sichtlich angetan
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Nicht alle Fans kommen den Bayern-Spielern so nahe
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Heckt Lukas Podolski wieder einen Scherz aus? Jemand muss ja Franck Ribery würdig vertreten
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"Von den Temperaturen her hätte ich keine Schüsse gebraucht, um warmzuwerden. Es war relaxed da hinten, unser Spiel war vor allem in der ersten Halbzeit schön anzusehen. Wir waren kompakt und aggressiv", sagte Rensing im Gespräch mit SPOX.

In der zweiten Halbzeit konnten die Japaner die Partie offener gestalten. Bayerns Spielfluss litt unter den vielen Auswechslungen. "Außerdem waren wir am Ende müde. Der Jetlag macht sich doch irgendwann bemerkbar", so Rensing.

Der Spieler des Spiels: Lukas Podolski. In Abwesenheit des verletzten Luca Toni drehte er einen klasse Werbespot in eigener Sache. Podolski war an fast jedem gefährlichen Angriff beteiligt.

Er zeigte enorme Spielfreude, forderte oft den Ball, schoss drei Tore und war sich nicht zu schade, weite Wege zu gehen und in der Defensive auszuhelfen. Zudem harmonierte er prächtig mit Sturmpartner Miroslav Klose. In dieser Form aus der Stammelf nicht wegzudenken.

Gurke des Spiels: Urawa Red Diamonds. Der asiatische Champions-League-Sieger von 2007 wollte der Welt zeigen, wie stark der japanische Fußball ist. Diese Mission ging trotz der Steigerung nach dem Wechsel daneben.

Die Lehren des Spiels: Prinzipiell geben Erkenntnisse aus Testspielen kaum Aufschluss über das tatsächliche Leistungsvermögen einer Mannschaft. Doch im Gegensatz zu den dürftigen Auftritten gegen Borussia Dortmund (1:2) und den 1. FC Köln (0:0) boten die Bayern über weite Strecken exzellenten Offensivfußball.

Klinsmanns taktische Variante mit der Raute im Mittelfeld ging voll auf. Ze Roberto überzeugte auf seiner ungeliebten linken Seite. Mark van Bommel war Chef im defensiven Mittelfeld, scheinbar fühlt sich der Niederländer ohne Nebenmann auf der Sechser-Position wohler.

Die Rollenbesetzung des Spielmachers hinter den Spitzen war an diesem Tag maßgeschneidert für Bastian Schweinsteiger. Überragend seine Vorarbeit zum 2:0. Und der Sturm Podolski/Klose harmonierte wie zu besten WM-Zeiten.

Podolski hat den Rückstand auf Klose und Toni, wenn es ihn denn überhaupt gab, wettgemacht. Wie Klinsmann bereits bestätigte, liegen alle drei Stürmer im Rennen um die zwei freien Plätze gleichauf.   

In der Defensive offenbarten die Bayern allerdings Schwächen. Daniel van Buyten wurde häufig überlaufen, Lucio ließ seine Gegenspieler ab und an aus den Augen. Martin Demichelis muss sich um seinen Stammplatz in der Innenverteidigung keine Sorgen machen.

"Ich spreche viel mit meinen Vorderleuten, aber wir müssen die Kommunikation noch intensivieren. Dann gibt's auch keine zwei Gegentore mehr", sagte Rensing zu SPOX.


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