Keine halben Sachen

SID
Mittwoch, 30.07.2008 | 20:47 Uhr
klinsmann, training, japan, bayern, münchen
© Getty
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Tokio - Nichts hasst Jürgen Klinsmann mehr als Semi-Professionalität. Der Trainer des FC Bayern München ist Perfektionist durch und durch, nicht erst seit seinem Dienstantritt an der Säbener Straße am 30. Juni.

Und deshalb wird auch der 74-Stunden-Trip nach Japan, der wahlweise als lästige Pflicht, überflüssige Jetlag-Quälerei oder sinnlose Zeitverschwendung gebrandmarkt wurde, bierernst genommen.

"Wenn der FC Bayern eine Partnerschaft eingeht, dann machen wir sie richtig. Das liegt vielleicht daran, dass wir Deutschen keine halben Sachen machen", sagte Klinsmann am Mittwoch nach der Trainingseinheit im Saitama Stadium von Tokio, wo der FC Bayern am Donnerstag (12.30 Uhr im SPOX-TICKER) gegen seinen asiatischen Kooperationspartner Urawa Red Diamonds zum Freundschaftskick antritt.

Ackern bei schwülen 30 Grad

Klinsmann weiß, wie er sich und seinen Arbeitgeber zu verkaufen hat. Der Gentleman beantwortet geduldig alle Fragen der japanischen Journalisten und wird nicht müde zu betonen, dass es eine große Ehre sei, gegen Urawa zum 100-jährigen Jubiläum von Saitama spielen zu dürfen, und dass man überaus dankbar für die Einladung sei. Vor dem Abflug in München hatte sich das alles noch ganz anders angehört.

Doch Klinsmann, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch seinen 44. Geburtstag feierte, arrangiert sich mit den Gegebenheiten, seine Spieler müssen auch nach einem 12-Stunden-Flug bei schwülen 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ackern.

Bayern läuft die Zeit davon

Allmählich läuft den Münchnern die Zeit davon, zum Bundesligastart gegen den Hamburger SV am 15. August eine einigermaßen homogene Truppe anzubieten.

In den Testspielen gegen Borussia Dortmund (1:2) und den 1. FC Köln (0:0) lag noch vieles im Argen. Außer Torhüter Michael Rensing, den Verteidigern Lucio, Philipp Lahm und Mittelfeldspieler Mark van Bommel hat kein Spieler seinen Platz in der ersten Elf sicher.

Poldi hängt sich im Training rein

Lukas Podolski versucht in Tokio in Abwesenheit des angeschlagenen Luca Toni Werbung in eigener Sache zu machen, im Trainingsspielchen glänzte er mit zwei Toren, säbelte aber auch die eine oder andere Flanke ins Nirwana.

Ze Roberto versucht mit Einsatz und Eleganz, seinen Platz neben van Bommel im Mittelfeld zu ergattern. Bastian Schweinsteiger will sich für die Zehner-Position empfehlen, sollte sich Klinsmann für die Raute im Mittelfeld entscheiden. "Ich habe schon ein Gerüst im Kopf, aber viele Positionen sind noch offen. Jede Position ist doppelt besetzt, es geht richtig zur Sache", sagt Klinsmann.

Es gebe in Zukunft einen permanenten Wettkampf, versicherte der Coach. "Die Spieler werden sich ständig neu definieren, ständig neu hinterfragen müssen. Der Fußball lebt im Ist-Zustand. Man schaut nur auf das, was morgen, nächste Woche oder nächsten Monat kommt. Was hinter uns liegt, hat überhaupt keine Bedeutung mehr", sagte Klinsmann bei "FCB.de".

Hehre Ziele bleiben bestehen

Der Blick geht nach vorne, die Ziele werden dabei partout nicht aus den Augen verloren. Klinsmann will den totalen Erfolg, am besten gleich im ersten Jahr.

"Die Ziele beim FC Bayern sind von selbst definiert. Meisterschaft, DFB-Pokal-Sieg und in der Champions League so weit wie möglich kommen. Vor allem in der Königsklasse wollen wir bis zum Schluss dabei sein."

Und wer international auf Dauer mithalten will, muss eben auch Reisen wie diese auf sich nehmen.

Rummenigge hat gut reden

"Wir haben großen Nachholbedarf bei der Auslandsvermarktung im Vergleich zu anderen europäischen Ligen wie der Premier League. Wir tun durch unseren Tokio-Aufenthalt nicht nur uns, sondern auch der Bundesliga etwas Gutes", sagte Karl-Heinz Rummenigge.

Bayerns Vorstandsboss hat gut reden, ist er doch gar nicht erst mitgeflogen.

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