Alles unter Kontrolle

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 02.07.2008 | 19:42 Uhr
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 München - Die erste Pressekonferenz von Jürgen Klinsmann als neuem Trainer des FC Bayern München begann mit einem kleinen Eklat.

Weil Mediendirektor Markus Hörwick die ca. 15 Fotografen im Pressebereich der Münchner Allianz Arena gebeten hatte, während der Veranstaltung Blitzlichtgewitter zu unterlassen, packten sie ihre Objekte zusammen und verließen geschlossen den Saal.

Kaum in Amt und Würden gewann Klinsmann somit gleich sein erstes Duell. Hörwick hatte die Fotografen nämlich darauf hingewiesen, dass der neue Trainer weder mit der Lightshow noch mit den dazugehörigen Geräuschen etwas anfangen könne, sondern eher allergisch darauf reagiere.

Klinsmann beobachtete die Boykottbewegung mit einem Lächeln und ließ sich seine gute Laune in den darauf folgenden knapp 45 Minuten auch nicht mehr nehmen.

Weltklub FC Bayern

Unheimlich stolz sei er, beim "Weltklub FC Bayern arbeiten zu dürfen", versicherte der 43-Jährige. Die ersten Trainingstage hätten ihm und dem gesamten Team "viel Freude" bereitet, der Enthusiasmus sei ungebrochen.

Im Dezember 2007 war dem ehemalige Bundestrainer von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge der Trainerjob beim FC Bayern angeboten worden, die Zusage folgte prompt.

"Meine Planung ging sofort los. Ich bin enorm ehrgeizig, das war ich schon als Spieler, manchmal vielleicht zu ehrgeizig. Aber ich möchte etwas bewegen", sagte Klinsmann.

Zufälle dürfen keine Rolle spielen

Der Coach stellt an sich die höchsten Ansprüche und verlangt dies auch von seinem unmittelbaren Umfeld beim FC Bayern. "Jeder muss sich der Erwartungshaltung bewusst sein und die ist beim FC Bayern traditionell sehr hoch. Wir wollen unserem Maßstab aber gerecht werden und haben uns die höchsten Ziele gesetzt. Wir wollen in allen Wettbewerben bis zum Ende eine wichtige Rolle spielen", so Klinsi.

In den folgenden Wochen will Klinsmann mit seiner Mannschaft eine "Spielweise aufbauen, die agierend ist und irgendwann dominierend sein soll. Der Gegner sollen sich nach uns richten."

Klinsmann will bedingungslosen Erfolg planbar machen, Eventualitäten oder sogar Zufälle dürfen dabei keine Rolle spielen. "Ob man ein WM-Halbfinale gegen Italien gewinnt oder verliert, hängt an Kleinigkeiten. Diese Kleinigkeiten sollen in Zukunft für uns positiv entscheidend sein", fordert Klinsmann.

Perfekte Oase

Die optimalen Voraussetzungen hat der FC Bayern durch den Umbau des Trainingsgeländes jedenfalls geschaffen. Klinsmann, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß schwärmten unisono vom neuen Leistungszentrum an der Säbener Straße.

Rummenigge hält die Einrichtung für die "perfekte Oase, damit sich die Spieler zu 100 Prozent auf den Fußball konzentrieren können." Hoeneß sieht "perfekte Möglichkeiten, um konzentriert zu arbeiten, Schwächen jedes einzelnen analysieren und diese ausmerzen zu können."

Gleichzeitig lobte Hoeneß Klinsmann als "spiritus rector" des neuen FC Bayern. Da das alles aber noch lange keine Tore schieße, appellierte Hoeneß an die Mannschaft, die Erwartungen in ähnlicher Weise zu übertreffen.

Damit dies gelingt, hat Klinsmann bis zum Saisonstart am 15. August (Heimspiel gegen den Hamburger SV) den Acht-Stunden-Tag eingeführt. Vor jeder Trainingseinheit sollen sich die Spieler im Kraftraum vorbereiten. Eine "Cooldown"-Phase gehört ebenso zum Tagesgeschäft wie gemeinsame Mahlzeiten, Deutschunterricht, Pressegespräche und Therapieprogramme.

Psychologe Klinsmann

"Wir wollen jeden Spieler individuell verbessern - in allen Bereichen. Im Fußball entscheidet oft der Kopf. Dafür muss der Kopf aber auch trainiert werden", sagt Klinsmann. Mentales Training spielt daher eine große Rolle, Klinsmann weiß, dass er "enorm viel im kommunikativen Bereich" arbeiten muss.

Der Psychologe Klinsmann wird spätestens am 17. Juli gefragt sein. Dann nehmen die deutschen EM-Teilnehmer ihre Arbeit beim FC Bayern wieder auf. Auch Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, die laut Rummenigge nicht verkauft werden sollen.

"Gerade diese beiden Spieler haben für ihr Alter schon viele Extreme erfahren. Sie haben schon fast 50 Länderspiele auf dem Buckel. Wir müssen ihnen helfen, mit diesen Ups and Downs besser umzugehen", sagt Klinsmann, der seinen WM-Schützlingen bereits vor der EM 2008 klar gemacht hatte, "dass es für sie beim FC Bayern keine Einsatzgarantie geben wird."

Klinsmann nimmt alles selbst in die Hand, auch die Wahl des Kapitäns liegt in seiner Obhut: "Ich lasse mir Zeit und beobachte genau, wer diese enorm wichtige Rolle übernehmen kann. Ich werde den Kapitän selbst bestimmen."

Ein weiteres Indiz dafür, dass Klinsmann Erfolg planbar machen will.

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