Freitag, 20.06.2008

Europa jagt Rakitic

Jungspund bleibt Schalker

Wien - Den Kindheitstraum hat er sich schon erfüllt, als er den großen Oliver Kahn ganz alt aussehen ließ und Schalke 04 den Bayern einen Punkt abknöpfte. Bei der EM greift Ivan Rakitic nach den Sternen.

Bundesliga, Fussball, Schalke, Rakitic
© Getty

"Mit 20 Europameister, das wäre supergeil", sagte der selbstbewusste EM-Debütant der kroatischen Nationalmannschaft vor dem Viertelfinale gegen die Türkei in Wien. Seitdem er in den Gruppenspielen gegen Deutschland und Polen seine spielerische Klasse aufblitzen ließ, ist halb Europa hinter ihm her.

Aus Italien haben Meister Inter Mailand und Juventus Turin angeklopft - Juve will angeblich zwölf Millionen Euro für Rakitic ausgeben. Aus England bekundete der Ballack-Klub FC Chelsea sein Interesse am Schalker.

Rakitic will Vertrag erfüllen

Der "Grünschnabel mit großer Zukunft", wie ihn der "Münchner Merkur" nach seinem spektakulären Fernschuss beim Bundesliga-Gipfel im September 2007 in München (1:1) betitelte, fühlt sich und seine Kroaten bereit für den EM-Titel.

Aber reif für einen einen Topklub in Italien oder in der englischen Premier League fühlt Rakitic sich noch nicht. "Ich habe in Schalke Vertrag bis 2011, den will ich erfüllen", betonte der selbstbewusste Jungspund.

Schalkes neuer Trainer Fred Rutten hat Blondschopf für die neue Saison fest eingeplant, bei den Kroaten ist er schon eine feste Größe. "Ivan ist ein brillantes Talent mit einer großen Zukunft", meinte Trainer Slaven Bilic.

Doppelte Staatsbürgerschaft

Der Dribbelkünstler mit der präzisen Schusstechnik, der die Schweizer und kroatische Staatsbürgerschaft besitzt, machte bereits als Jugendspieler in der Schweiz auf sich aufmerksam. Chelsea und Juventus machten dem Teenager lukrative Angebote, als er in der Schweizer U-17-Auswahl für Furore sorgte.

Rakitic entschied sich damals für einen Profivertrag beim FC Basel, der ihm angeblich 7.000 Franken im Monat einbrachte.

In der Saison 2006/07 schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft, die Journalisten wählten ihn zum besten Newcomer der Saison, und mit dem 1:0-Pokalsieg gegen den FC Luzern gewann er seinen ersten Titel.

Entschediung gegen die Schweiz

Im Sommer 2007 fühlte sich Rakitic dann reif fürs Ausland. Für eine Ablöse von drei Millionen Euro wechselte er nach Schalke. Gleichzeitig tat er kund, künftig für die kroatische Nationalmannschaft und nicht - wie bisher im Nachwuchsbereich - für die Eidgenossen zu spielen.

Eine Entscheidung, die ihm und seiner Familie sogar Morddrohungen einbrachte. Gelassener reagierte damals Nati-Coach Jakob "Köbi" Kuhn: "Wir haben intensiv um Rakitic bemüht, ich muss aber seinen Entschluss akzeptieren."

Ausbildung als Hochbauzeichner

Schon als kleiner Junge hatte Rakitic nur eines im Kopf: Er wollte Fußballprofi werden. Aber sein Vater, ein ehemaliger bosnischer Nationalspieler, wollte, dass sein Sohn einen anständigen Beruf erlernt.

Nach der Schule begann Ivan beim renommierten Architektur-Büro Herzog & De Meuron eine Ausbildung als Hochbauzeichner. Die Baseler zeichneten sowohl für die Münchner Allianz Arena als auch das Pekinger Olympiastadion verantwortlich.

Ob Rakitic an den Entwürfen der Star-Architekten Hand angelegt hat, ist nicht bekannt.

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