Freitag, 09.05.2008

Auf den Spuren des Titans?

Werder verdrängt Wieses Kung-Fu-Tritt

Bremen - Die Diskussion um den Kung-Fu-Tritt von Tim Wiese passt Werder Bremen überhaupt nicht. Während die brutale Attacke des Torwarts im Nordderby gegen den Hamburger SV öffentlich weiter in aller Munde ist, versucht der Tabellenzweite, das Thema schnell zu verdrängen.

Wiese, Bremen, Bundesliga
© DPA

Nachträglich gesperrt werden kann Keeper Wiese ohnehin nicht mehr. "Es handelt sich um eine unumstößliche Tatsachenentscheidung. Das können wir nicht ändern", sagte Manfred Amerell, Mitglied des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, der "dpa".

Es war wirklich keine Absicht

Schiedsrichter Lutz Wagner hatte das Foul gegen HSV-Profi Ivica Olic nur mit einer Gelben Karte geahndet.

Dass er damit falsch lag, musste auch Amerell bestätigen. "In diesem Fall war seine Wahrnehmung falsch. Das haben die TV-Bilder bewiesen. Wagner hatte aus seiner totalen Position nicht die richtige Sicht", erklärte Amerell.

Möglicherweise hätte ein Rücksprache mit dem Schiedsrichter-Assistenten eine andere Entscheidung herbeigeführt.

Wiese selbst konnte sich offenbar nur zu einer halbherzigen Entschuldigung durchringen. "Es tut mir leid. Es war wirklich keine Absicht", wurde er von der "Bild"-Zeitung zitiert. "Es war keine Absicht. Das ist ganz, ganz wichtig dabei", meinte Manager Klaus Allofs.

Auf den Spuren von Oli Kahn 

Schiedsrichter Wagner habe seinen seinen Fehler in einem Gespräch mit dem Ausschuss-Vorsitzenden Volker Roth eingeräumt, erklärte Amerell.

Sanktionen habe der Unparteiische aus Hofheim nicht zu befürchten. Amerell, selbst früher Bundesliga-Schiedsrichter, verglich die vieldiskutierte Szene im Nordderby mit ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit.

"Nach Harald Schumacher und Oliver Kahn ist Wiese Torhüter Nummer drei, der Glück gehabt hat", sagte Amerell. Ex-Nationaltorwart Schumacher hatte bei seinem Zusammenprall 1982 im WM-Halbfinalspiel gegen Frankreich den Franzosen Patrick Battiston schwer verletzt. Bayern-Keeper Kahn sorgte mit einer Kung- Fu-Einlage im April 1999 gegen den Dortmunder Stürmer Stephan Chapuisat für Schlagzeilen.

Beide Torhüter kamen damals ebenfalls ohne Strafe davon. So wie nun auch Wiese, der mit dabei sein darf, wenn Werder gegen Hannover 96 antritt. Im nächsten Nord-Duell geht es um die direkte Champions-League-Qualifikation.

Baumann fehlt gegen Hannover 

Ersetzen muss Trainer Thomas Schaaf die gesperrten Jurica Vranjes und Frank Baumann. Dafür hat Nationalspieler Torsten Frings seine Sperre abgesessen und kann Kapitän Baumann auf der Sechser-Position im defensiven Mittelfeld ersetzen.

"Das ist Job-Sharing", kommentierte Baumann seinen ersten Bundesliga-Platzverweis im Werder-Trikot. Im Fernduell mit Schalke 04 um Platz zwei sind die Hanseaten gewarnt. Das Hinspiel in Hannover verloren sie nach 90 höchst unterhaltsamen Minuten mit 3:4.

"Das war ein Saison-Höhepunkt", sagte 96-Trainer Dieter Hecking. Sein Team hat sich durch zuletzt konstant gute Leistungen auf Platz acht vorgearbeitet und spekuliert auf einen UI-Cup-Platz.

"Ich freue mich über diese Perspektive", erklärte Hecking. Seine Profis sind heiß darauf, nach dem 1:1 bei Schalke 04 dem nächsten Champions League-Anwärter ein Bein zu stellen. "Wir wollen in Bremen auftreten wie auf Schalke", kündigte der Coach an.


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