"Werde van der Vaart nicht wegloben"

Von Interview: Daniel Börlein
Donnerstag, 22.05.2008 | 09:15 Uhr
Bundesliga, Hamburg, Rost
© Getty
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München - Der HSV blickt auf eine Saison mit Höhen und Tiefen zurück: Ende März stand man noch auf Platz zwei. Dann der Absturz: Zwischenzeitlich drohte man sogar den Einzug ins internationale Geschäft zu verspielen.

Durch den Kantersieg gegen den KSC wurde es am Ende dann doch Platz vier.

Im Interview mit SPOX.com bilanziert HSV-Keeper Frank Rost die Saison, spricht über Huub Stevens, Martin Jol, Rafael van der Vaart und Rene Adler und verrät, warum er Olli Kahn vermissen wird.

SPOX: Mit dem Sieg gegen den KSC hat sich der HSV doch noch für den UEFA-Cup qualifiziert. War es im Endeffekt also eine gelungene Saison?

Frank Rost: Unterm Strich gesehen war alles drin. Am Ende haben wir den UEFA-Cup erreicht, da kann man sagen, es war in Ordnung. Allerdings bin ich vom Saisonverlauf auch nicht so übermäßig enttäuscht. Denn als ich im letzten Jahr hierher kam, war man kurzzeitig sogar Tabellenletzter, und dann haben wir innerhalb von kürzester Zeit eigentlich alles mitgenommen und uns noch fürs internationale Geschäft qualifiziert. Deshalb muss man das, bei allen Ehrgeiz und Erfolgsdenken, immer im Hinterkopf haben.

SPOX: Sie bewerten die Situation sehr nüchtern, realistisch. Und das, obwohl Sie als sehr ehrgeizig gelten.

Rost: Was heißt ehrgeizig. Ohne einen gewissen Ehrgeiz kommt man eben auch nicht soweit. Der gehört bei jedem dazu. Komisch, dass ich immer darauf reduziert werde.

SPOX: Dennoch: Sie waren zwischenzeitlich sogar Bayern-Jäger. Da ist man doch letztlich mit dem Saisonverlauf nicht zufrieden?

Rost: Ja, klar. Das macht schon Lust auf mehr. Und zwar nicht nur bei Spielern, sondern auch bei Fans und Verantwortlichen. Aber ich habe in den Jahren auch gelernt zu sehen, was im Verlauf der Saison passiert. Ich versuche, das Ganze ein bisschen objektiver zu betrachten. Wenn man die letzten anderthalb Jahre Revue passieren lässt, dann muss man auch nicht am Boden zerstört sein, wenn man jetzt Vierter ist.

SPOX: Haben Sie versucht, dem Absturz entgegenzuwirken?

Rost: Man versucht das natürlich immer. Letztendlich ist es aber immer ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Auf manche Dinge hat man eben keinen Einfluss. Da kann man machen, was man will. Das macht eben auch Erfahrung aus: dass man einschätzen kann, welche Dinge man ändern kann und welche nicht.

SPOX: Welche Dinge meinen Sie, die Sie nicht ändern können?

Rost: Automatismen, die sich einstellen, wenn man erfolgreich ist. Dann wird schnell über das ein oder andere hinweg gehört, Sachen verselbstständigen sich. Dagegen kann man nichts machen, und auch jeder Trainer hat es in solchen Situation schwer.

SPOX: Die lange Trainersuche konnten Sie auch nicht beeinflussen. Kritiker sagen, das habe die Mannschaft belastet. Ist da was dran?

Rost: Es wäre zu einfach, das zu behaupten. Ich denke, Huub Stevens hat rechtzeitig Stellung bezogen. Er hat auch danach Top-Arbeit abgeliefert. Natürlich wird man immer an Ergebnissen gemessen. Da diese in der letzten Zeit nicht entsprechend waren, muss man mit Kritik leben. Ich kann sagen: Er hat vom ersten bis zum letzten Tag alles für den Verein gemacht. Dass er jetzt geht ändert doch nichts an seiner professionellen Arbeit und seiner guten Art.

SPOX: Mit Martin Jol wurde Stevens' Nachfolger kürzlich präsentiert. Was wissen Sie von ihm? Haben Sie sich schon über ihn informiert?

Rost: Ich lege persönlich gar keinen Wert auf irgendwelche Dinge, die ich höre oder die mir zugetragen werden. Ich habe schon so viel gehört und eingetroffen ist dann doch meist das Gegenteil. Ich will mir mein eigenes Bild machen. Deshalb kann ich auch gar nichts dazu sagen. Ich kenne ihn nicht. Ich habe mich auch mit Tottenham, wo er vorher war, nicht beschäftigt.

SPOX: Mit Jol folgt nun ein weiterer Niederländer...

Rost: Moment! Der ist, glaube ich, Holländer. Huub Stevens ist, soweit ich weiß, Niederländer. Da legen die großen Wert drauf (lacht).

SPOX: Und Rafael van der Vaart ist dann?

Rost: Holländer!

SPOX: Okay, Holländer. Und in der Vergangenheit auch immer wieder für Schlagzeilen gut. Wäre dieses Mal eine frühzeitige Entscheidung seiner Zukunft besser für die Mannschaft damit endlich Ruhe herrscht?

Rost: Das ist nicht meine Aufgabe. Ich werde einen Teufel tun und Spieler wie Rafael, die solche Qualitäten besitzen, wegloben. Um Gottes Willen!

SPOX: Sie würden ihn also auch weiterhin gerne im HSV-Trikot sehen?

Rost: Es ist immer gut, wenn man gute Fußballer in seinen Reihen hat.

SPOX: Themenwechsel: Oliver Kahn hat am Wochenende seine Karriere beenden. Wird er Ihnen fehlen?

Rost: Natürlich. Es wird dann ja wohl keine Fortsetzung der Oliver-Pocher-Parodien geben (lacht). Nein, Spaß beiseite. Er wird auch mir fehlen, klar. Er ist ein Mann, der polarisiert. Und Olli hat unheimlich viel erreicht. Darauf kann er wirklich stolz sein.

SPOX: Wie war Ihr Kontakt? Er hat Sie ja häufiger gelobt, Sie auch immer wieder fürs Nationalteam empfohlen.

Rost: Ich komme mit solchen Typen sehr gut aus. Er ist ein sehr direkter Mensch, so wie ich ihn erlebt habe. Deshalb hatte ich nie Probleme oder Berührungsängste mit ihm. Ich schätze ihn auch als Torwart. Er ist ein großer Sportsmann, der eine Vorzeigekarriere hingelegt hat.

SPOX: Wie sieht Ihre persönliche Planung aus, Karriereende beim HSV?

Rost: Im Fußball ist es schwierig, zu planen. Natürlich fühle ich mich in Hamburg sehr wohl. Vielleicht ergibt es sich so, dass ich hier meine Karriere beenden kann. Aber man weiß nie, ob einen der Trainer nicht mag, oder sonst irgendetwas passiert. Deshalb kann man nicht langfristig planen.

SPOX: Einen Zeitpunkt für ein mögliches Karrierende gibt es demnach auch noch nicht?

Rost: So lange es meine Knochen noch mitmachen und die Stadien noch ausverkauft sind, ist der Ehrgeiz noch da.

SPOX: Ein Wort noch zu den jungen Torhütern wie Manuel Neuer und vor allem Rene Adler.

Rost: Es ist ja heutzutage generell so, dass du nicht mal mehr eine gute Saison spielen musst und dann bist du schon ein Weltstar. Aber ich staune schon, wie hervorragend ein Rene Adler das hinbekommt. Manuel Neuer hat sicherlich sein Lehrgeld zahlen müssen, was natürlich auch normal ist. Aber Adler hat eine sehr gute Saison gespielt, fast ohne Fehler.

SPOX: Ist er die kommende Nummer eins in Deutschland?

Rost: Das zu beurteilen ist nicht meine Aufgabe. Da gibt es bei uns genug schlaue Leute. Die brauchen meinen Ratschlag eh nicht.

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