Sonntag, 04.05.2008

SPOX-Analyse des Tabellenkellers

Vorentscheidung im Abstiegskampf

München - 70 Minuten lang sah es so aus, als würde auch am 31. Spieltag keine Vorentscheidung im Abstiegskampf fallen. Dann kam Andre Mijatovic.

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© Getty

Der Bielefelder Stürmer legte mit seinem Treffer zum 1:0 den Grundstein für den 2:0-Erfolg gegen den VfL Bochum und nährte damit die Hoffnung der Arminen auf den Klassenverbleib.

Doch viel entscheidender: Durch den Sieg der Bielefelder klafft erstmals eine beachtliche Lücke zwischen den Abstiegsrängen und dem rettenden Ufer. Vier Punkte Vorsprung hat der Tabellen-15. nun auf den 16. Nürnberg - größer war der Abstand bislang noch nie. Stehen die Absteiger praktisch schon fest?

Derzeit haben der 1. FC Nürnberg, Hansa Rostock und der MSV Duisburg den schwarzen Peter. Doch auch Bielefeld und Cottbus können sich noch nicht entspannt zurücklehnen. SPOX.com blickt auf den heißen Saisonendspurt und wagt eine Prognose.

Energie Cottbus (32 Punkte)

Form: So lala. Beim 0:2 in Bremen waren die Cottbuser an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Die Prasnikar-Elf beschränkte sich hauptsächlich auf die Defensivarbeit und hatte es nur Werders schlechten Chancenverwertung zu verdanken, dass die Niederlage nicht höher ausfiel. Allerdings wird sich Energie durch die Niederlage nicht demoralisieren lassen. Selbst nach dem 0:5 auf Schalke meldete sich Cottbus mit einem 2:1-Erfolg gegen Rostock zurück.

Stimmung: Hoffnungsvoll. Von allen Abstiegskandidaten hat Cottbus die günstigste Ausgangsposition. Selbst nach der Niederlage gegen Werder hält der Optimismus an. "Wir können damit auf alle Fälle leben. Wir haben es selber in der Hand, haben noch drei Spiele. Wir brauchen Minimum noch zwei, drei Punkte und die müssen wir holen", sagte Kapitän Timo Rost. 

Restprogramm:
Karlsruher SC (A)
Hamburger SV (H)
Hannover 96 (A) 

So lala. Energie hat die letzten vier Heimspiele für sich entschieden, selbst der designierte Meister FC Bayern ging mit leeren Händen von Dannen. Kein Wunder dass die Prasnikar-Elf alle Hoffnung in das letzte verbleibende Heimspiel gegen den HSV legt.

Arminia Bielefeld (32 Punkte)

Form: Hoffnungsvoll. Von den fünf Abstiegskandidaten waren die Bielefelder zuletzt die Beständigsten. Der Aufwärtstrend setzte sich mit dem 2:0 gegen Bochum weiter fort. Nun sind die Arminen bereits seit sieben Partien (vier Unentschieden, drei Siege) ungeschlagen. Gegen Bochum fiel besonders die Kaltschnäuzigkeit der Frontzeck-Elf auf: Aus zweieinhalb Chancen erzielte sie zwei Tore. Eine optimale Ausbeute.

Stimmung: Hoffnungsvoll. Der Glaube an den Klassenerhalt ist nach dem jüngsten Sieg größer denn je. Schließlich beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsplätze bereits vier Punkte. "Wir haben heute einen richtigen Schritt gemacht, aber der Weg ist noch nicht zu Ende", warnt Trainer Michael Frontzeck. Der gleichen Meinung ist auch Präsident Hans-Hermann Schwick: "Wir sind noch nicht durch, wir müssen noch etwas tun."

Restprogramm:
FC Bayern (A)
Borussia Dortmund (H)
VfB Stuttgart (A) 

Trostlos. Die Arminia hat mit Abstand das schwierigste Restprogramm. In München und in Stuttgart dürfte unter normalen Umständen nicht viel zu holen sein, es sei denn, die Bayern haben bis dahin den Titel im Gepäck und lassen es etwas ruhiger angehen. Das "Endspiel" der Bielefelder ist die Partie gegen Dortmund. Im Hinspiel wurde die Arminia, damals noch unter Coach Ernst Middendorp, mit 1:6 demontiert. Da ist also noch eine Rechnung offen.

MSV Duisburg (29 Punkte)

Form: So lala. Beim 3:2 gegen Leverkusen bot der MSV eine leidenschaftliche Vorstellung und gewann auch endlich mal wieder ein Heimspiel. Doch ob Leidenschaft alleine zum Nicht-Abstieg reicht, ist fraglich.

Stimmung: Hoffnungsvoll. "Das war ein Sieg für den Kopf", sagte MSV-Profi Tobias Willi nach dem Leverkusen-Spiel. Der MSV geht optimistisch ins "Endspiel" gegen den Club. "Ein Wahnsinnsspiel", sagt Willi: "Das müssen wir gewinnen. Vielleicht werden die anderen dann nervös."

Restprogramm:

1. FC Nürnberg (A)
FC Bayern (H)
Eintracht Frankfurt (A)

Trostlos. Das Restprogramm der Duisburger hat es in sich. Mit Bayern wartet ein übermächtiger Gegner auf den MSV. Obwohl es für die Bommer-Elf in jedem verbleibenden Spiel ums Überleben geht, ist die Partie in Nürnberg von besonderer Wichtigkeit. Schließlich ist der Club ein direkter Konkurrent im Kampf gegen den Abstieg.

1. FC Nürnberg (28 Punkte)

Form: Trostlos. Das 0:0 in Dortmund offenbarte einmal mehr das große Manko im Nürnberger Spiel: die Chancenverwertung. Trotz einer Vielzahl an Möglichkeiten gelingt es den Franken einfach nicht, zum Torerfolg zu kommen. Ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison zieht. Laut "kicker" liegt der Club in Sachen Effizienz auf dem letzten Platz, versenkt gerade mal 18,4 Prozent seiner Torchancen. Gegen den BVB stellten das Aluminium (zweimal), Keeper Marcel Höttecke und das eigene Unvermögen unüberwindbare Hindernisse dar. Insgesamt landete die Elf von Trainer Thomas von Heesen nur zwei Siege in der Rückrunde - weniger geht fast nicht.

Stimmung: Trostlos. Der Frust sitzt tief. "Man sieht gut aus, spielt gut mit und muss am Ende mit dem Unentschieden leben. Von dieser Sorte hatten wieder leider in dieser Saison zu viele Spiele", resümierte Marco Engelhardt in Dortmund. Auch von Heesen scheint mit seinem Latein am Ende, überspielt seine Hilflosigkeit allerdings mit Durchhalteparolen: "Die Ausgangsposition ist nicht besser geworden, aber ich bin überzeugt, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen." Und dann noch die Sache zwischen Jan Koller und den Club-Fans: Weil sich der Stürmer in der Dortmunder Fankurve feiern ließ, wurde er von der eigenen Anhängerschaft ausgepfiffen. "F.....ing Nürnberg-Fans", machte der Tscheche seinem Ärger darüber Luft.

Restprogramm:
MSV Duisburg (H)
Hertha BSC Berlin (A)
FC Schalke 04 (H) 

So lala. Nürnberg hat als einziger Abstiegskandidat noch zwei Heimspiele. Ein Vorteil war dies in der Vergangenheit allerdings nicht zwangsläufig. Zwar ist der Club seit neun Heimspielen ungeschlagen, einen Sieg gab es jedoch nur gegen den VfL Wolfsburg. Richtungweisend ist schon die nächste Partie gegen Duisburg. Eine Niederlage gegen den direkten Abstiegs-Konkurrenten würde das Schicksal der Clubberer vorzeitig besiegeln, ein Sieg neue Hoffnung auf den Klassenerhalt wecken.

Hansa Rostock (27 Punkte)

Form: Trostlos. Rostock befindet sich weiter im freien Fall. In den letzten acht Spielen setzte es sage und schreibe sechs Niederlagen. Die 1:3-Pleite gegen den HSV kam sogar einer Kapitulation gleich. Anstatt sich nach Kräften gegen die Niederlage und den drohenden Abstieg zu wehren, ließ die Elf von Trainer Frank Pagelsdorf jegliche Leidenschaft vermissen. Uns so verwundert es nicht, dass aus einem Fünf-Punkte-Polster auf die Abstiegsränge (23. Spieltag) mittlerweile ein Fünf-Punkte-Rückstand zum rettenden Ufer geworden ist.

Stimmung: Trostlos. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch der Abwärtstrend der letzten Wochen ist nicht spurlos an den Akteuren vorbeigegangen. "Es gibt keine Rechnung mehr. Ich denke, wir können mit den letzten beiden Spielen, wo es um alles ging, nicht zufrieden sein. Ich gehe mal davon aus, dass es jetzt nichts mehr bringen wird", sagte Stürmer Enrico Kern und bekam dafür prompt einen Rüffel von Keeper Jörg Hahnel: "Wenn wir nicht mehr daran glauben, können wir gleich in der Kabine bleiben."

Restprogramm:
Hannover 96 (A)
Bayer Leverkusen (H)
VfL Bochum (A)

So lala. Schon die Begegnung in Hannover wird zum Schicksalsspiel für die Rostocker. Nur mit einem Sieg würden die Hanseaten eine minimale Chance auf den Klassenerhalt wahren. Die Chance ist durchaus da, denn Nürnberg und Duisburg nehmen sich im direkten Duell gegenseitig die Punkte weg und ein Sieg der Bielefelder beim FC Bayern wäre mehr als eine Überraschung.

Und wie geht es aus? 

SPOX-Prognose: Für Duisburg und Rostock ist die Sache seit Samstag gelaufen - und auch Nürnberg wird es nicht mehr schaffen, weil Energie und die Arminia jeweils noch einen Sieg landen werden. Cottbus wird auch weiterhin die Nerven behalten und die entscheidenden Punkte in einem der nächsten drei Partien einfahren. Bielefeld siegt gegen Dortmund und schickt den Club damit in Liga zwei.

Carolin Blüchel

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