Nach dem Ost-Derby

Energie fast gerettet - Drama um Wächter

SID
Sonntag, 27.04.2008 | 14:31 Uhr
Cottbus, Bundesliga
© DPA
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Cottbus - Als die heiße Schlacht auch in Unterzahl erfolgreich geschlagen war, ließen sich die Lederhosenauszieher feiern, als sei das vierte Cottbuser Wunder schon perfekt.

Dagegen humpelte der tragische Held Stefan Wächter angeschlagen und frustriert aus dem Stadion der Freundschaft - seinem FC Hansa Rostock droht nach dem 1:2 in einem dramatischen Ost-Derby zum Saisonende der Erstliga-K.o.

Wächter hatte sich wenige Minuten vor Schluss böse das Knie verdreht, blieb aber im Kasten - und konnte das Siegtor der Gastgeber durch den nach Bandscheiben-Operation gerade genesenen Bulgaren Dimitar Rangelow in der Nachspielzeit nicht mehr verhindern.

Rostock muss auf Wächter länger verzichten

Nach einer ersten Diagnose von Mannschaftsarzt Frank Bartel zog sich Wächter einen Außenbandriss und eine Kapselverletzung im rechten Knie zu.

Weitere Aufschlüsse über die Verletzung soll eine Kernspin-Untersuchung ergeben, die am Montag vorgenommen werden soll.

Hansa Rostock muss damit in den restlichen Spielen der Saison auf den 30-Jährigen verzichten.

Anfangs war es schlimm

Mit dem 2:0 gegen den designierten Meister FC Bayern hatte der FC Energie vor sechs Wochen den überraschenden Aufstieg aus dem Tabellenkeller begonnen - nach dem dritten Heimsieg nacheinander sind die Lausitzer fünf Punkte weg von den Abstiegsplätzen und fast am Ziel.

"Wir brauchen noch einen Sieg, um ganz sicher drinzubleiben", formulierte Torwart Gerhard Tremmel, der kurz vor den beiden Energie- Toren zwei Rostocker Konter in großem Stil entschärft hatte, und wies auf ein spezielles Dopingmittel vom nationalen Branchenführer hin: "Wir haben immer Bayern gegen Getafe im Kopf gehabt."

Wie die Münchner im UEFA-Pokal-Viertelfinale schienen auch die Cottbuser im Abstiegs-Endspiel gegen Hansa am 30. Spieltag eigentlich schon weg vom Fenster.

Denn die Gäste von der Ostsee gingen durch den ersten Bundesliga-Treffer von Montenegro-Profi Djordjije Cetkovic (16.) nicht nur mit 1:0 in Führung.

Kurz vor der Pause holte sich Energie-Verteidiger Igor Mitreski nach einer Dummheit, wie es Coach Bojan Prasnikar ausdrückte, und einem weiteren Foul auch noch die Gelb-Rote Karte (42.) ab. "In der ersten Halbzeit war alles schlimm für uns", bemerkte der Slowene Prasnikar.

Rostock brach immer mehr ein

Doch im Stil der Bayern rissen die Cottbuser, die Hansa vor 21 357 Fans mit viel Nervosität zunächst den rettenden Strohhalm gereicht hatten, die Partie noch aus dem Feuer. "Wir haben immer daran geglaubt, dass wir mit zehn Mann gewinnen", betonte Prasnikar.

Auch mehrere vergebene Großchancen und zwei Lattenkracher ließen die dezimierten Gastgeber nicht verzagen, Rostock brach immer mehr ein.

"Obwohl wir uns selbst optimale Voraussetzungen geschaffen hatten, haben wir es nicht geschafft, Ruhe in unser Spiel zu bringen", nannte Hansa-Coach Frank Pagelsdorf das aus seiner Sicht spielentscheidende Manko.

Acht Minuten vor dem Ende köpfte Energie-Kapitän Frank Rost mit einem Kraftakt eine Eingabe von Ervin Skela zum Ausgleich ein.

Der vierte Erstliga-Verbleib

Es folgte das Drama um Wächter, das Hansa weiter zittern lässt. Der Keeper zog sich bei einem Rettungsversuch in der 84. Minute eine schwere Knieverletzung zu, konnte kaum laufen.

Pagelsdorf hatte aber schon dreimal gewechselt. "Stefan wollte unbedingt weitermachen und die Mannschaft nicht im Stich lassen, die Ärzte waren auch auf dem Platz", beschrieb der Hansa-Trainer die Szene und ergänzte: "Ich konnte erst nach seinem Signal reagieren, dass es nicht mehr geht. Leider war das erst nach dem 1:2." Verteidiger Tim Sebastian zog sich zwar noch das gelbe Torwart-Leibchen über - doch das ging schon kurz danach im Jubel der Cottbuser Fans unter. Kaum vorzustellen, was in der Lausitz los sein könnte, wenn der vierte Erstliga-Verbleib nach 2001, 2002 und 2007 tatsächlich perfekt ist.

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