Dienstag, 22.04.2008

Der designierte Schalke-Coach im Porträt

Wer ist eigentlich Fred Rutten?

München - Der 14. Dezember 1991 war ein schlimmer Tag im Leben von Fredericus Jacobus Rutten.

© Getty

Ein paar Wochen vorher hatte er ein Traum-Angebot auf dem Tisch liegen. Rutten, damals 28 Jahre, jung, dynamisch und ambitioniert, sah seine große Chance in Amsterdam.

Als Spieler vom kleinen FC Twente Enschede kam er in der Elftal nicht gegen die Koemans, Rijkaards, van Tiggelens an. Der anstehende Wechsel konnte Abhilfe schaffen und ihn auf eine Stufe stellen mit den Großen.

Der AFC Ajax hatte die Vormachtstellung in Holland an den PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam verloren. Die Mannschaft war alt und überspielt. Die Europameister von 1988 längst weg oder im Vorruhestand.

Hüftschaden, Karriereende

Trainer Louis van Gaal läutete den Umschwung ein und war auf der Suche nach neuen Spielern. Spielern wie Fred Rutten. Der Innenverteidiger vom FC Twente Enschede war van Gaals erste Option als neuer Abwehrchef.

Der Kontrakt lag quasi unterschriftsreif vor, der Transfer schien perfekt. Dann aber die niederschmetternde Diagnose der Vereinsärzte: Irreparabler Hüftschaden, Karriereende.

Rutten hatte über einen längeren Zeitraum chronische Schmerzen am Hüftgelenk, spielte aber trotzdem immer weiter. Der größte Fehler seiner Laufbahn. Das Ende kam abrupt. Am 14. Dezember 1991 machte Rutten beim MVV Maastricht (3:0) das letzte seiner 307 Profispiele für den FC Twente.

"Unglaubliches Gefühl für junge Spieler"

Die Zeit danach fiel ihm schwer. So schwer, dass er erst gut 18 Monate später wieder auf dem Platz stand, als Jugendkoordinator in Enschede. Wo sonst.

Als 16-Jähriger wechselte er aus der Kleinstadt Wijchen, aus der übrigens auch Roy Makaay stammt, nach Enschede.

"De Tukkers", wie der FC Twente in Holland genannt wird, blieb er als Spieler bis zum letzten Tag treu. Als Chef machte er danach die Jugendabteilung nach der Ajax-Schule zur zweitbesten in Holland.

Sein Händchen für junge Spieler hat er bis heute behalten. "Er hat eine tolle Menschenkenntnis und ein unglaubliches Gefühl für junge Spieler", sagt Ruttens ehemaliger Zögling Peter Niemeyer im Gespräch mit SPOX.com.

Der jetzige Bremer durchlief von 1999 bis 2002 die Jugendabteilungen beim FC Twente und wurde danach Profi bei den "Tukkers".

Lehrmeister Guus Hiddink 

"Ich habe ihn als Detail besessenen Arbeiter kennen gelernt. Das heißt aber nicht, dass er nur der zitierte 'harte Hund' ist. Er ist ruhig, ausgeglichen und eher zurückhaltend. Er hat ein feines Gespür für Situationen und führt mit seinen Spielern sehr viele Einzelgespräche", sagt Niemeyer weiter.

Der PSV Eindhoven wurde auf Rutten und dessen Arbeit aufmerksam und holte ihn 2002 in die Philips-Stadt. Im Jahr davor hatte er als Chefcoach mit dem FC Twente völlig überraschend den holländischen Pokal geholt.

Neben seiner Aufgabe als Jugendkoordinator rückte er beim PSV auch zum Co-Trainer von Guus Hiddink auf. "Von ihm habe ich eine Menge gelernt", sagt Rutten.

PSV-Bosse wollten Rutten nicht

Durch Hiddink nahm er auch eine Art Fein-Tuning seiner Spielphilosophie vor. Rutten ließ alle seine Mannschaften im klassisch-holländischen 4-3-3-System spielen, immer bedingungslos nach vorne und mit dem Makel unzähliger Gegentore versehen.

Hiddink lehrte ihm Abstand vom totalen Fußball, hin zum kontrollierten Angriffsfußball. Als der Chef dem PSV 2006 den Rücken kehrte, schlug Hiddink persönlich den mittlerweile "einflussreichsten Co-Trainer der Niederlande" ("De Telegraph") dem Präsidium als seinen Nachfolger vor - die Bosse jedoch lehnten dankend ab und entschieden sich stattdessen für Ronald Koeman.

Probleme mit den Medien?

Verärgert kehrte er zurück nach Enschede und wurde im selben Jahr, nach dem Einzug in den UEFA-Cup mit dem FC Twente, zu "Hollands Trainer des Jahres" gewählt.

Sein Werdegang erinnert ein wenig an den von Ralf Rangnick, seine wortkarge Art an Huub Stevens.

"Er bringt alles mit, allerdings muss er sich was Medien und öffentliches Interesse betrifft schon sehr umstellen", sagt Niemeyer.

Auch Hans Meyer, zwischen 1996 und 1999 sein Chef in Enschede, äußerte im DSF-Doppelpass leise Bedenken: "Wenn es für Fred überhaupt ein Problem in Deutschland geben sollte, dann vielleicht am Anfang der Umgang mit der Öffentlichkeit. Denn das ist er in Holland so nicht gewöhnt."

Logischer Schritt Schalke 04

Der Wechsel zum FC Schalke 04 wäre jetzt der nächste logische Schritt. "Dort wird er sich weiter entwickeln und ich denke, dass er mit seinen Grundwerten Pünktlichkeit und Ehrlichkeit auch Erfolg haben wird", so Niemeyer.

Seinen vorerst letzten Dienst hat er dem FC Twente schon längst erwiesen. Im Jahr 2011 werden die Bauarbeiten am putzigen Arke-Stadion abgeschlossen sein, die Arena dann 40.000 statt bisher 13.500 Fans beherbergen.

Der entscheidende Impuls für den Umbau vor einigen Jahren kam von Fred Rutten.

Stefan Rommel

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