"Ich hasse es im Mittelfeld"

Von Interview: Alexis Menuge
Montag, 28.04.2008 | 12:22 Uhr
Sagnol, Willy
© Getty
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München - Der FC Bayern München steuert auf eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte hin.

Willy Sagnol hat davon jedoch aktiv fast nichts mitbekommen. Fast ein Jahr lang spielte der Franzose wegen schwerer Verletzungen kein einziges Mal von Beginn an. 

Beim 4:1 gegen Stuttgart stand er zwar in der Startelf, wurde aber nach einer schwachen Leistung in der 58. Minute ausgewechselt. Im Interview mit SPOX.com kritisiert Sagnol die Aufstellung von Trainer Ottmar Hitzfeld, spricht über die "schwerste Saison" seiner Karriere und Pfiffe von den Bayern-Fans.

SPOX: Ihre Saison läuft bescheiden. Acht Monate außer Gefecht, danach noch einen weiteren Monat wegen eines Bandscheibenvorfalls ausgefallen. Wie geht es Ihnen?

Willy Sagnol: Ich fühle mich wieder gut. Seit November gebe ich bei den Trainingseinheiten richtig Gas und hoffe, dass das auch belohnt wird. Ich hoffe inständig, bei den Bayern bis zum Saisonende meinen Rhythmus wieder zu finden, damit ich ohne Sorgen zur EM fahren kann.

SPOX: Über den Berg sind Sie aber noch nicht?

Sagnol: Eines ist klar: Ich erlebe die schwerste Saison meiner Karriere. Zwischen April 2007 und dem Februar 2008 hatte ich kein einziges Punktspiel von Anfang an bestritten. Es ist das erste Mal in meiner Laufbahn, dass ich so lange pausieren musste.

SPOX: Haben Sie während Ihrer Leidenszeit Zweifel gehabt?

Sagnol: Klar, manchmal dachte ich sogar, ich könnte die Europameisterschaft verpassen. Es ist normal, sich Sorgen zu machen, wenn man eine so lange Zeit überhaupt nichts machen kann. Andererseits ist es nicht das Ende der Welt, eine EM oder WM zu verpassen. Das Leben geht weiter.

SPOX: Am Sonntag gegen den VfB Stuttgart durften sie von Beginn an ran, wie schon gegen Dortmund im rechten Mittelfeld. Allerdings lief es überhaupt nicht bei Ihnen. Nach einer knappen Stunde wurden Sie ausgewechselt und von den Bayern-Fans ausgepfiffen.

Sagnol: Die Zuschauer haben von mir mehr erwartet, ich habe die Erwartungen nicht erfüllt. C'est la vie. Vielleicht wird nächstes Mal Luca Toni als Linksverteidiger eingesetzt und nach einer schwachen Leistung wird er dann auch ausgepfiffen... Ich bin wütend, aber nicht auf die Fans...

SPOX: Sondern auf Ottmar Hitzfeld? Haben Sie mit ihm gesprochen, als Sie erfuhren, dass Sie wieder im Mittelfeld spielen würden?

Sagnol: Nein, weil wir so gut wie keinen Kontakt haben. Unsere Beziehung ist praktisch nicht-existent. Seit meinem Bandscheibenvorfall habe ich nur ein Mal als Rechtsverteidiger spielen dürfen. Das ärgert mich.

SPOX: Warum sträuben Sie sich gegen die Versetzung ins Mittelfeld?

Sagnol: Erstens ist mir natürlich auch klar, dass es nicht mein bestes Spiel für den FC Bayern war. Aber ehrlich gesagt habe ich es satt, auf dieser Position zu spielen. Ich hasse es, im Mittelfeld aufzulaufen. Ich habe keine Lust, dort zu spielen. Hätte ich wirklich die Qualitäten für das rechte Mittelfeld, hätten mich andere Trainer doch schon in der Vergangenheit auf dieser Position spielen lassen...

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SPOX: Die Partie gegen Stuttgart war für Sie demnach völlig verschenkt?

Sagnol: Das einzig Positive: Ich spiele und komme somit immer besser in Form. Das ist mir sehr wichtig im Hinblick auf die EM.

SPOX: Wie geht es weiter?

Sagnol: Mein Ziel ist es, vier bis fünf Spiele mit dem FC Bayern zu absolvieren, bevor ich zur Nationalmannschaft fahre. Aber ich weiß nicht genau, wie der Trainer mit mir plant.

SPOX: Hitzfeld hat gesagt, dass Sie noch nicht soweit sind, 90 Minuten zu spielen. Sind Sie damit einverstanden?

Sagnol: Nach einer so langen Verletzung ist es immer besonders wichtig, Spielpraxis zu sammeln. Klar, ich bin noch nicht bei hundert Prozent, aber sicherlich auf einem guten Weg.

SPOX: Gab es schon Kontakt zum künftigen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann ?

Sagnol: Ja, ich habe ein erstes Gespräch mit ihm gehabt, das sehr positiv verlaufen ist. Ein weiteres soll noch folgen. Aber das Thema Klinsmann ist nicht aktuell. Er kommt erst am 1.Juli nach München. Zurzeit haben wir mit einem anderen Trainer noch zwei große Ziele: Die Meisterschaft und den UEFA-Cup. Ich denke nicht an meine Zukunft. 

SPOX: Der FC Bayern ist DFB-Pokalsieger, baldiger Deutscher Meister und im Halbfinale des UEFA-Cups. Glauben Sie an das Triple?

Sagnol: Unser Ziel ist nicht das Triple, sondern das Quadrupel. Vergessen Sie nicht, dass wir Anfang der Saison den Liga-Pokal geholt haben und das zählt auch. Aber klar, der UEFA-Cup wäre die Krönung einer großartigen Saison, nachdem das letzte Jahr verkorkst war.

SPOX: Luca Toni trifft derzeit nach Belieben. Bei der Europameisterschaft werden sie sich gegenüberstehen. Machen Sie sich Sorgen um die französische Nationalmannschaft?

Sagnol: Zwar hat Luca schon über 36 Treffer in allen Wettbewerben erzielt, aber schauen Sie sich doch mal Cristiano Ronaldo von Manchester United an: Er macht genauso viele Tore, und das als Mittelfeldspieler.

Das heißt doch, dass Luca noch kein großartiger Spieler ist (lacht). Im Ernst: Luca ist groß, er kann den Ball sehr gut halten. Er ist wie David Trezeguet.

SPOX: Warum? 

Sagnol: Wenn sich der Ball im gegnerischen Strafraum befindet, ist er immer zur Stelle. Für jeden Verteidiger ist es schwer gegen ihn. Er verschwindet minutenlang - und netzt auf einmal ein.

SPOX: Sie hatten lange dafür gekämpft, dass Franck Ribery im Sommer 2007 nach München kommt. Hat sich gelohnt, oder?

Sagnol: Er hat allen gezeigt, was er drauf hat. Allein seine Leistung nach seiner Einwechslung gegen Stuttgart. Er kommt rein und dreht das Spiel quasi im Alleingang. Er hat das Zeug, irgendwann zum Weltfußballer des Jahres gewählt zu werden. Dafür muss er weiter hart an sich arbeiten und bescheiden bleiben.

SPOX: Der FC Bayern ist an Arsenals Mittelfeldspieler Mathieu Flamini interessiert. Wäre er eine Verstärkung für die Münchner?

Sagnol: Ja, Mathieu ist ein sehr guter Spieler. Technisch nicht schlecht, lauf- und kampfstark. Er erinnert mich an Jens Jeremies.

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