Nach den Fanrandalen in Frankfurt

Absage an die Vernunft

Von Fabian Taverna
Freitag, 11.04.2008 | 13:19 Uhr
Nürnberg, Frankfurt, Fanausschreitungen
© Imago
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München - Die Fanrandale vom Wochenende, die die Partie Frankfurt gegen Nürnberg an den Rand des Spielabbruchs führte, löste eine neue Diskussion über die Sicherheit in deutschen Stadien aus. In der öffentlichen Diskussion wurde bereits vom Anfang italienischer Verhältnisse gesprochen. 

Von Seiten des DFB fordert man vor allem die Fans auf, tätig zu werden. Theo Zwanziger spricht von notwendiger "Zivilcourage" und appelliert dabei an "die Vernünftigen, die sich nicht wegdrehen dürfen".

Die Nürnberger-Ultras kündigten im Internet bereits an, ihre Selbstkontrolle zu verbessern und distanzieren sich dabei von dem Gebrauch von Feuerwerkskörpern im Stadion. Randale in Frankfurt: Die Bilder

Diese Aktion ist zwar löblich und verdient Respekt, trotzdem bezweifeln Kenner der Szene, dass sich die Ultras von den Phrasen der Selbstregulierung tatsächlich beeindrucken lassen.

Volker Körenzig, Fanbeauftragter des Fanprojekts Karlsruhe, erläuterte im Gespräch mit SPOX.com von einer eigenen Subkultur der Ultras: "Da gehört das Zünden von bengalischen Feuern dazu. Ihnen geht es vor allem um die Unterstützung des eigenen Vereins. Das Abfeuern von Feuerwerkskörpern wird unter den Fans toleriert, da sie selbst zur Szene gehören. Darum wird die Forderung nach Zivilcourage und Selbstregulierung im Block hier auch kein Gehör finden."

Alles andere als Italienische Verhältnisse

Körenzig hält die Diskussion über italienische Verhältnisse in deutschen Stadien für "total deplaziert und aus der Luft gegriffen".

Anders als in Italien, wo sich die gewaltbereite Anhängerschaft einen eigenen autonomen Stadionbereich gesichert habe, in dem anarchische Zustände, ohne polizeiliche Kontrolle, herrschten, seien die deutschen Ultras vor allem eins: "Fans des eigenen Klubs, den sie zwar bedingungslos unterstützen, dabei aber nicht politisch motiviert sind."

Außerdem gibt es in Italien keinerlei Fanbetreuung, während in Deutschland eine umfassende Betreuung durch regional agierende Fanprojekte sichergestellt ist. Mit Ausnahme von Baden-Württemberg werden diese von den Ländern finanziell unterstützt.

Die Lust am Spiel

Ob eine Erhöhung der Sicherheitsstandards durch umfassendere Kontrolle und polizeiliche Repression der Weisheit letzter Schluss ist, muss ebenfalls bezweifelt werden.

Gerade eine Verschärfung der Eingangskontrollen ist logistisch kaum umsetzbar. Die einzige Möglichkeit so Körenzig "ist ein Vertrauensverhältnis zu den Fans aufzubauen, um so den Schmuggel von Feuerwerkskörpern zu minimieren."

Zusammenarbeit mit der Polizei

Stadionverbote als Präventivmaßnahme verfehlen hier ihr Ziel, da sie "vor allem dafür eingerichtet wurden, um gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Anhängerschaft zu bestrafen und nicht um das Abfacklen von bengalischen Feuern zu ahnden."

Die Zusammenarbeit mit der Polizei bezeichnet Körenzig als eher dürftig und punktuell. Von einer umfassenden Zusammenarbeit kann nicht die Rede sein:

"Hier kollidieren die Interessen der beiden Institutionen. Die Polizei ist für die strafrechtliche Verfolgung von Delikten verantwortlich, wir dagegen legen den Focus auf Prävention."

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