EM gewinnen statt Blumen binden

Von Interview: Stefan Moser
Dienstag, 29.04.2008 | 16:40 Uhr
Fußball, Bundesliga, Wolfsburg, Benaglio, Magath
© Getty
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München - Seit Rückrundenbeginn steht der Schweizer Nationaltorhüter Diego Benaglio im Kasten des VfL Wolfsburg und ruft dort konstant starke Leistungen ab.

Mit einer Ausnhame: In Nürnberg ließ er einen haltbaren Ball durch seine vom Regen durchnässten Handschuhe rutschen. Das Ende ist bekannt: Schiedsrichter Dr. Jochen Drees brach die Partie ab und löschte damit den Makel aus Benaglios Vita.

Doch seither ist beim VfL irgendwie der Wurm drin. Nur ein Punkt aus den letzten drei Partien. Trotzdem ist Wolfsburg nach wie vor die drittbeste Mannschaft der Rückrunde und darf weiterhin vom europäischen Wettbewerb träumen. 

Im Interview mit SPOX.com spricht Benaglio über den Wettergott, seine Beziehung zu Felix Magath, die Bundesliga im internationalen Vergleich und seine Qualitäten als Florist.

SPOX: Vor zwei Wochen hat heftiger Regen dafür gesorgt, dass ein Patzer von Ihnen folgenlos blieb. Wer auch immer für das Wetter in Nürnberg verantwortlich war - Sie könnten ihm ein hübsches Sträußchen binden. Immerhin haben Sie zuletzt auf der Blumeninsel Madeira gespielt.

Diego Benaglio: (lacht). Das war der Wetter-Gott - höhere Gewalt also. Aber im Ernst: Es war kein regulärer Spielverlauf mehr möglich. Zudem war die Verletzungsgefahr für die Spieler zu groß. Insofern ist es gut, dass der Schiedsrichter die Partie abgebrochen hat - unabhängig vom Spielstand. Und, falls es Sie wirklich interessiert: Ich habe auf Madeira tatsächlich viele schöne Blumen gesehen, aber mit dem Blumen binden habe ich es trotzdem nicht so.

SPOX: Was hat sich für Sie persönlich seit Ihrem Wechsel zum VfL geändert? Im Vergleich zu Madeira steht Wolfsburg - als Stadt - nicht gerade in dem Ruf, eine beliebte Touristenattraktion zu sein...

Benaglio: Es war auf Madeira natürlich schon ein sehr angenehmes und schönes Leben, das ganze Jahr über herrscht dort ein fantastisches Klima. Aber letztendlich geht es ums Fußballspielen und nur sekundär um die äußeren Umstände.

Und die sind übrigens in Wolfsburg optimal. Ich habe mit meiner Verlobten eine schöne Wohnung in der Umgebung gefunden. Wir fühlen uns in Wolfsburg absolut wohl.

SPOX: Trotz ihrer Zeit in Stuttgart waren Sie in Deutschland ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Innerhalb von zwölf Bundesliga-Spielen sind Sie nun in aller Munde - überrascht von der fulminanten Entwicklung?

Benaglio: Erfreut auf jeden Fall. Ich habe mich sehr schnell in der Mannschaft zurecht gefunden. Zudem spüre ich das absolute Vertrauen des Trainers und die Akzeptanz in der Mannschaft, was sehr wichtig für eine gute Leistung ist.

SPOX: Sie hätten statt nach Wolfsburg auch zu Lazio Rom wechseln können. Hätte die ewige Stadt nicht gereizt? Was gab den Ausschlag für Wolfsburg?

Benaglio: Ich habe hier hervorragende Bedingungen vorgefunden. Und die Bundesliga hat einen sehr guten Ruf, die Qualität ist sehr hoch. Im internationalen Vergleich müssen wir uns nicht verstecken. Es war für mich außerdem ein sehr positives Zeichen, dass ein Trainer, der schon einmal mit mir zusammen gearbeitet hat, wieder auf mich zurückgekommen ist.

SPOX: Sie sprechen auf Felix Magath an, den Sie aus Ihrer Zeit beim VfB Stuttgart kennen. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Trainer? Betrachten Sie ihn als eine Art Ziehvater?

Benaglio: Ziehvater würde ich vielleicht nicht sagen, aber er spielt sicher eine wichtige Rolle in meiner Karriere.

SPOX: Trotz der Rückschlage zuletzt: Sie spielen in Wolfsburg in der drittbesten Mannschaft der Rückrunde. Wie weit kann es für den VfL nach oben gehen? Träumen Sie mal!

Benaglio: Ich denke da eher von Spiel zu Spiel, ohne zu weit voraus zu schauen. Damit bin ich bislang sehr gut gefahren und das werde ich auch weiterhin so halten. Und meine Träume behalte ich lieber für mich.

SPOX: Für Sie wird die EM das erste große Turnier. Was erwarten Sie sich persönlich davon?

Benaglio: Ich hoffe für die Mannschaft und für mich persönlich, dass wir eine gute EM spielen. Wir werden jedenfalls alles geben.

SPOX: Vor dem 1:4 gegen Deutschland haben Sie gesagt: "Wir werden Europameister!" keine Angst, auf die Nase zu fallen?

Benaglio: Ich glaube, jede Mannschaft, die an der Europameisterschaft teilnimmt, hat das Ziel, den Titel zu holen. Sonst bräuchte man gar nicht erst antreten.

SPOX: Was versprechen Sie sich von der Verpflichtung von Hitzfeld für den Fußball in der Schweiz?

Benaglio: Ottmar Hitzfeld ist ein großer Trainer, mit dem wir viel erreichen können. Seine Erfolge sprechen für sich und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Aber jetzt bringen wir erstmal die Arbeit von Köbi Kuhn erfolgreich zu Ende, indem wir eine gute EM spielen.

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