Donnerstag, 24.04.2008

Klaus Allofs exklusiv

"Wir müssen kreativ bleiben"

München - Im zweiten Teil des Interviews spricht Klaus Allofs über die Lernerfahrung aus der Krise zu Beginn der Rückrunde und über die Möglichkeiten und Grenzen in einem Verein wie Werder Bremen.

Fußball, Bundesliga, Werder Bremen, Klaus Allofs
© Getty

SPOX: Zum Image von Werder Bremen gehört inzwischen auch eine Art Stehaufmännchen-Mentalität. Immer wieder Rückschläge verkraften, immer wieder Verletzungspech, immer wieder werden wichtige Spieler abgegeben - und immer wieder kommen Sie erfolgreich zurück.

Klaus Allofs: Die Rahmenbedingungen sind bei manchen anderen Vereinen sicher besser, aber damit haben wir uns abgefunden - auch damit, dass uns bisweilen Spieler verlassen. Aus dieser Situation sind wir gefordert, stets das Beste zu machen. Vor allem müssen wir unsere Situation, unsere Politik und Philosophie immer wieder offen an die Fans kommunizieren. Und das hat bislang sehr gut funktioniert. Denn vernünftiges Wirtschaften ist inzwischen auch eines der Markenzeichen von Werder.

SPOX: Das vernünftige Wirtschaften setzt Ihnen aber auch klare strukturelle Grenzen. Haben Sie das Gefühl, Bremen ist bereits am eigenen Horizont angekommen, hat sein Potential bereits ausgeschöpft?

Allofs: Ich glaube nicht, dass wir bereits am Ende unserer Möglichkeiten angelangt sind. Es gibt noch Spielraum, wie etwa das Stadion, da werden wir noch was machen. Auch in anderen Bereichen, wie im Sponsoring, sind noch Möglichkeiten zur Entwicklung. Aber wir werden insgesamt einfach kreativ bleiben müssen, um uns immer wieder neuen Spielraum zu erarbeiten.

SPOX: Und wie sieht mittelfristig die sportliche Perspektive aus? Für Ihre Vertragsverlängerung hat das vermutlich auch eine Rolle gespielt?

Allofs: Ich finde, dass die Perspektive gut aussieht, weil in der jungen Mannschaft noch viel Potential steckt. Natürlich werden wir immer wieder vor dem Problem stehen, dass wir den Abgang von wichtigen Spielern verkraften müssen, wie aktuell jetzt Tim Borowski.

Tim Wiese: klasse Torhüter - auch modisch ein ganz spezieller Typ
Tim Wiese: klasse Torhüter - auch modisch ein ganz spezieller Typ
© Getty
Aber ich glaube, dass im Kader genug Substanz steckt, dass wir auf dem Niveau weiterarbeiten können.

SPOX: Welche Rolle spielen Titel für die weitere Entwicklung?

Allofs: Das Double 2004 hat hier natürlich für einen richtigen Schub gesorgt. Aber für mich ist die viermalige Teilnahme an der Champions League auch jeweils ein Titel. Den kann man zwar nicht vorzeigen - aber auch daran arbeiten wir. Und es ärgert uns natürlich sehr, dass wir gerade in der ungünstigsten Phase gegen Glasgow spielen mussten und ausgeschieden sind. Ich hätte uns nämlich im weiteren Verlauf noch einiges zugetraut.

SPOX: In Anbetracht der schwierigen personellen Situation haben Sie sich in dieser Spielzeit - letztlich mit beachtlichem Erfolg - aber dennoch mehr durch die Saison geschleppt. In Bezug auf die Entwicklung des Vereins und der Mannschaft: Haben Sie das Gefühl 2007/08 war ein verlorenes Jahr?

Allofs: Ein deutliches Nein. Denn es gibt in der Entwicklung eines Vereins immer verschiedene Phasen. In den letzten Jahren ging es fast stetig bergauf, wir waren immer in der Champions League dabei. Dadurch waren wir in allen Bereichen sehr erfolgreich, es gab überall Zuwächse. Aber zur Entwicklung eines Klubs gehören auch mal schwierige Phasen. Dadurch kann man Dinge wieder neu in Frage stellen und verändern und an bestimmten Stellschrauben Dinge wieder korrigieren.

SPOX: Ein Lernprozess im Umgang mit Krisen?

Allofs: Richtig, das zum Einen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft mit sehr viel Potential haben.

Viele Spieler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Und die sind auf jeden Fall weitergekommen.

Alleine durch die Erfahrung in der Champions League, im UEFA-Cup aber auch in der Meisterschaft haben diese Spieler eine positive Entwicklung genommen.

Bleibt zu hoffen, dass das am Ende der Saison auch noch von Erfolg gekrönt wird.

Hier geht's zurück zum ersten Teil

Interview: Stefan Moser

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