Samstag, 12.04.2008

Club der Depp des Spieltags

Die Helden des Untergrunds

München - Da standen sie da, die Nürnberger. Sprichwörtlich wie die begossenen Pudel. Und ahnten nicht, dass diese Versinnbildlichung einen Tag später noch mehr auf sie zutreffen wird.

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© Getty

Der Club ist der Depp des 28. Spieltags. Gestern spielte Mutter Natur den Franken böse mit und erzwang den Spielabbruch gegen den VfL Wolfsburg. Und das bei eigener Führung.

Heute war es auch höhere Gewalt, die dem Club den schwarzen Peter zuschob. Der Fußballgott zeigte sich von seiner unbarmherzigen Seite.

Im Frankenland mussten die leidgeplagten Clubberer Samstagmittag tatenlos der Auferstehung des nächsten deutschen Weltklassespielers zusehen.

Bengel Bartels ballert in Baden

Fin Bartels, 21-jähriger Novize im Sturm von Hansa Rostock, schwang sich in seinem 15. Bundesligaspiel zum Matchwinner im Spiel beim Karlsruher SC auf. Sein Fallrückziehertor beim 1:1 gegen Bielefeld am 22. Spieltag wurde noch als Zufallstreffer belächelt. Nach dem Motto: Den macht man halt mal. Doch sein Auftritt gegen die Badener, gekrönt von den beiden Toren, war schon reichlich abgezockt.

Die besten Bilder des 28. Spieltags

"Fin hat heute eine weltklasse Leistung gezeigt. Großes Kompliment an den Bengel", sprudelte es aus dem emotionalsten aller Bundesligatrainer, Frank Pagelsdorf, heraus. Dass in Rostock das Attribut "Weltklasse" im Zusammenhang mit Fußball fällt, hätte noch vor Wochen allgemeine Verwunderung ausgelöst. Doch nach dem erst zweiten Auswärtssieg der Saison, der die zuletzt siebenmal sieglose Hansa wieder über den ominösen Strich hievte, sei das Pagel einmal erlaubt.

In Duisburg haben sie dagegen die Schnauze voll von Auswärtssiegen. Zumindest wenn man sich MSV-Torwart Tom Starke nach dem 1:0 in Hamburg anhört: "Ich habe zwiespältige Gefühle. Wir sind auch gebrannte Kinder. Nach dem Sieg in Bremen haben wir prompt gegen Cottbus verloren. Jetzt müssen wir endlich einmal nachlegen. Von daher halten wir die Euphorie erst einmal unten."

MSV macht Nürnberg nass

Mit Recht, denn am Mittwoch steht für die heimschwächste Truppe der Liga nämlich mal wieder eine Partie vor eigenem Publikum an. Wird dann gegen den KSC wieder vergeigt, hätte sich der MSV trotz zweier unerwarteter Auswärtserfolge gegen Champions-League-Anwärter tabellarisch keinen Zentimeter bewegt. In dieser Phase der Saison eigentlich unverzeihlich. Mit zwei Punkten mehr auf dem Konto haben sie die Nürnberger aber dennoch nass gemacht.

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Das macht derzeit auch Energie Cottbus, der Tabellenführer der letzten fünf, mit seinen Gegnern. Die Lausitzer sorgten, wie die Nürnberger mit ihrem ersten wetterbedingten Spielabbruch der Bundesligahistorie, für ein Novum. "Rekordbus" lautet das Stichwort.

Noch nie gewann Energie drei Bundesligapartien in Serie. Wenn man dabei einen Blick auf die vier Cottbuser Torschützen wirft, ist der Schuldige schnell ausgemacht: Ervin Skela. Ohne den Albaner wäre in den drei "Rekordspielen" nämlich gar kein Tor gelungen.

"Die Mannschaft braucht diesen Mann"

Zudem fahren die ersten echten Helden der Cottbuser Vereinshistorie im Gegensatz zu ihren direkten Konkurrenten die Big Points ein. Erst beim MSV gewonnen, heute Bielefeld niedergerungen, macht vier Zähler Vorsprung auf Platz 15.

Ringen mussten dabei auch die Nürnberger Fans, wohl aber mehr mit der eigenen Fassung. Schiri Florian Meyer verhängte einen spielentscheidenden Elfmeter der Kategorie "Hart, aber vertretbar" und sorgte dafür, dass aus dem Wunschergebnis der Clubfans, ein Unentschieden, nichts wurde. Der vierfache Skela verwandelte humorlos. "Die Mannschaft braucht diesen Mann", war der trockene Kommentar des nächsten Cottbuser Helden.

Der steht aber nicht auf dem Feld, sondern an der Linie. Der Macher des Rekords heißt Bojan Prasnikar. In der Lausitz ernten sie aktuell die Früchte der konstant aufgezogenen Arbeit des 55-Jährigen. Der Sander-Nachfolger hat seinem Team wieder das eigentümliche Cottbus-Gen eingeimpft.

Kämpfen, Mauern, Kontern

Kein spektakulärer Fußball, kein Aufsehen erregendes Kombinationsspiel, sondern die Rückbesinnung auf alte Energie-Tugenden ist der Garant für den Erfolg: Kämpfen, Mauern, Kontern. Und auch der Mut des Slowenen wird belohnt: Heute war wie schon beim Sensationssieg gegen die Bayern die offensive Variante des flexiblen 4-5-1 der Schlüssel zum 1:0-Sieg über die Arminen.

Deren Held der letzte Woche, Leonidas Kampantais, ging heute wie die gesamte Truppe leer aus. Wer nach neun sieglosen Spielen endlich den langersehnten Dreier einfährt und dann nicht nachlegt, steht im Abstiegskampf eben wieder im Regen da. Fragen Sie mal bei den Nürnbergern nach.

Jochen Tittmar

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