Sonntag, 02.03.2008

Bundesliga

Schalke: Schwere Krise vor Spiel des Jahres

Gelsenkirchen - Ausgerechnet vor dem Spiel des Jahres muss das Führungsduo Mirko Slomka/Andreas Müller beim FC Schalke 04 die größte sportliche Krise der gemeinsamen Amtszeit bewältigen.

Der Manager hatte nach der dritten Bundesliga-Niederlage in Serie viel Mühe und wenig Argumente, sich weiter schützend vor den angezählten Coach zu stellen. Er tat es dennoch: "Wir diskutieren nicht über den Trainer, sondern wir reden wie immer mit allen Beteiligten", wiegelte Müller nach dem 0:1 gegen Liga-Primus Bayern München ab.

Der 45 Jahre alte Manager weiß: Was der Club und die verunsicherte Mannschaft vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League beim FC Porto am wenigsten gebrauchen kann, ist eine eskalierende Trainer-Diskussion.

"Stärken Slomka den Rücken" 

Nicht zuletzt deshalb sprach der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies deutliche Worte: "Wir stärken Slomka den Rücken. Auch bei einem Aus in der Champions League wird er weiter unser Trainer bleiben", sagte er der "Welt".

Aber eine Garantie für Slomka bis zum Saisonende wollte Tönnies nicht geben: "Wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt, müssen wir natürlich umdenken."

Doch die Vereinsbosse sind uneinig. Kein Geheimnis ist: Präsident Josef Schnusenberg, der Slomka - bewusst oder unbedacht - mit seinen Aussagen in der Vorwoche schwächte, ist offenbar kein Freund des Trainers mehr.

Schnusenberg schweigt 

Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, hat Schnusenberg sich Redeverbot erteilt. "Ich habe mein Fastengebot schon gebrochen. Nun halte ich mich wieder daran", meinte der anscheinend zurückgepfiffene Clubchef vielsagend nach der durch Miroslav Kloses Tor (14.) besiegelten dritten Heimpleite der Saison.

Die zum Teil widersprüchlichen Aussagen aus der Chefetage sorgen auch bei Rudi Assauer für Befremden. "Es ist nicht schlüssig, was derzeit passiert. Ich weiß auch nicht, wer momentan das Sagen hat", kritisierte der ehemals starke Mann auf Schalke in der DSF-Sendung "Doppelpass".

Er warf der Mannschaft Holperfußball vor und stichelte gegen Slomka: "Es ist immer schwierig, wenn ein ehemaliger Co-Trainer zum Chef befördert wird und von den Spielern geduzt wird. Das sind die Geschichten, die meistens nicht gut ausgehen."

Dass es Schnusenberg bei der rasanten Talfahrt allmählich schwindelig wird, kann ihm niemand verübeln. Nicht einmal der schleichend demontierte Coach selbst, der eigene Fehler offen eingestanden hatte.

Mutlos ins Schicksal gefügt 

"Es war eine schwere Woche", gab Slomka zu. "Für mich war der Druck nicht so passend vor den wichtigen Spielen. Aber auch damit muss man umgehen." Der Mannschaft geholfen hat der Weckruf des Clubchefs sicher nicht. Im Gegenteil: Selten hat Schalke gegen die allerdings starken Bayern derart mutlos agiert.

Der nett gemeinte Aufbauversuch von Ottmar Hitzfeld ist wohl mit dem auf 12 Punkte gewachsenen Abstand auf den einstigen Titelrivalen, sowie der guten Kinderstube des Bayern-Trainers zu erklären.

Ehrenwert, dass er sich auf die Seite des Kollegen schlug. "Es ist nicht richtig, wenn ein Präsident den Trainer in der Öffentlichkeit kritisiert. Das sollte man intern tun." Sein als Analyse getarntes Lob für den klar unterlegenen Gegner war selbst Marcelo Bordon zu viel.

"Nicht das Schalke, das ich kenne" 

"Das war nicht das Schalke, das ich kenne. Man kann wenigstens kämpfen. Wenn wir wollen, dass Slomka nicht geht, müssen wir mehr auf dem Platz machen."

Der Kapitän beschwor den Kampfgeist: "Wir brauchen nun echte Männer. Die Partie in Porto wird das Spiel des Jahres. Wer Angst hat, sollte besser zu Hause bleiben."

Slomka ist sicher, dass es "eine ganz andere Partie" wird. Ob es sein persönliches Endspiel wird, weiß er nicht. Aber: "Ich stelle mich auch diesen Mechanismen."


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