Neuer TV-Vertrag auf dem Prüfstand

SID
Montag, 10.03.2008 | 14:35 Uhr
© DPA
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Hannover - Der neue TV-Vertrag zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Kirch-Tochter KF 15 droht zu platzen.

Das Bundeskartellamt hat grundlegende Bedenken gegen die Zentralvermarktung angemeldet, auf die der Sechsjahreskontrakt mit einem Gesamtvolumen von drei Milliarden Euro beruht.

Wegen der Intervention der Bonner Behörde, die nach Angaben des "Kicker" alle 36 Proficlubs angeschrieben hat, kann die DFL den vorgesehenen Zeitplan bei der Vergabe der zukünftigen Bundesliga-Rechte nicht einhalten. Die DFL wollte die Situation nicht kommentieren.

Zentralvermarktung wackelt

In dem Schreiben des Kartellamtes werden die Vereine aufgefordert, bis zum 19. März einen 12-Fragen-Katalog zu beantworten. Dabei sollen die Klubs unter anderem die Umsatzerlöse mit selbst vermarkteten Rechten angeben.

Die Aktion ist Teil des Prüfungsverfahrens, mit dem das Kartellamt die seit vielen Jahren praktizierte Zentralvermarktung der Bundesliga-Rechte untersucht. Diese Praxis ist der Behörde aber ein Dorn im Auge.

"Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell", sagte Ralph Langhoff, der Vorsitzende der 6. Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes, dem Fachmagazin.

Eine Fortführung der Zentralvermarktung sei deshalb nur dann möglich, wenn kleinere Klubs stärker an den TV-Honoraren beteiligt werden.

Rummenigge für Spagat 

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, hatte zuletzt mehr Geld für die Spitzenclubs gefordert, damit diese international in der Champions League wettbewerbsfähig bleiben können.

Sein Verein erhält derzeit rund 25 Millionen Euro TV- Honorar aus dem Bundesliga-Topf. Bei einer Einzelvermarktung könnte der Rekordmeister schätzungsweise rund 100 Millionen Euro kassieren.

Dennoch hatte Rummenigge bei einem Besuch des Kartellamts vor zwei Wochen die Zentralvermarktung als "wichtiges Gut" bezeichnet. Er forderte einen "Spagat" zwischen Einzel- und Zentralvermarktung. Würde jeder Verein seine TV-Rechte einzeln vermarkten, müssten vor allem die Zweitligisten erhebliche Einbußen befürchten.

Gespräche mit Kartellamt 

Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball und DFB-Präsident Theo Zwanziger führten am Montag informelle Gespräche mit dem Kartellamt in Bonn. Die Gespräche, zu deren Inhalt nichts gesagt wurde, sollen fortgesetzt werden.

Der Besuch erfolgte laut DFB auf Grund der Durchsuchung der Geschäftsräume von DFB und DFL am 26. Februar wegen des Verdachts der Absprache bei der Sponsorensuche.

Heikle Situation für die DFL

Die DFL befindet sich in einer heiklen Situation und will am 13. März Stellung zu dem Thema beziehen. Der Dachverband bereitet derzeit mit KF 15 die Ausschreibung der TV-Rechte für die Spielzeiten 2009/2010 bis 2011/2012 vor.

Die Kirch-Tochter hat dem Dachverband durchschnittlich 500 Millionen Euro pro Saison garantiert. Ursprünglich wollte die DFL die sogenannte Ankündigung der Ausschreibung bereits Anfang März an Sender, Kabelnetzbetreiber und andere interessierte Unternehmen verschicken.

Diesen Termin hat die DFL bereits verstreichen lassen. Vier Wochen nach der Ankündigung kann das eigentliche Vergabe-Verfahren eröffnet werden. Dann sollen die verschiedenen Spieltags- und Übertragsmodelle vorgestellt werden.

Umstrittener Plan

Ob es dazu kommt, wird aber immer fraglicher. Neben der Zentralvermarktung prüft das Kartellamt auch den umstrittenen Plan der DFL und der Kirch-Agentur Sirius, ab 2009 allen Pay TV-Anbietern ein fertiges Bundesliga-Produkt für die Live-Übertragungen zur Verfügung zu stellen.

Dieses Verfahren lehnt auch der bisherige Pay TV-Partner Premiere konsequent ab. Das Kartellamt hatte bereits vor zwei Wochen in einer spektakulären Aktion Räume der DFL und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen des Verdachts der Absprache bei der Sponsorensuche untersucht.

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