Donnerstag, 27.03.2008

Nach Fan-Prostesten

Bayern-Training bleibt öffentlich

München - Nach einem massiven Aufschrei seiner Fans hat der FC Bayern seine Gedankenspiele über eine künftige verstärkte Abschottung auf Eis gelegt.

Bayern, Fans, Säbener Straße
© DPA

"Es wird auch in der Saison 2008/09 und darüber hinaus öffentliche Trainingseinheiten unserer Mannschaft am Gelände an der Säbener Straße geben", stellte Vereinsspecher Markus Hörwick in einer Mitteilung klar.

Damit zog der Bundesliga-Branchenführer nach zwei Tagen heftiger Proteste gegen das von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angedachte Aus für öffentliche Trainingseinheiten auf dem Vereinsgelände die Notbremse.

Rummenigge sorgt für Unmut

"Die Spieler sollen hier auf dem Gelände einfach Ruhe finden", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der "Sport Bild" erklärt und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Demnach soll den Profis auf dem Vereinsgelände eine Rundumbetreuung ermöglicht werden - etwa mit Schlafgemächern. Das Clubrestaurant wird geschlossen und soll dem Freizeit-Bereich für die Profis weichen.

Vor allem die Gedankenspiele Rummenigges zur Abschottung unter dem künftigen Trainer Jürgen Klinsmann sorgten für Unmut bei den Anhängern. "Der Trainingsplatz ist für die Mannschaft und den Trainer da, das Stadion für die Fans", zitierte Rummenigge Arsenal-Trainer Arsene Wenger und stellte ersatzweise öffentliche Übungseinheiten in der Allianz Arena in Aussicht. "Wir müssen den veränderten Verhältnissen im Profi-Fußball Rechnung tragen."

Wie eine gemolkene Kuh

Dies bewerteten Fans in Münchner Zeitungen als "totalen Schrott" und "echten Schmarrn". Ein Bayern-Anhänger fand deutliche Worte: "Ich fühle mich als zahlendes Opfer. Wie eine Kuh, die ausgemolken wird und nichts zurückbekommt."

Nach den Rummenigge-Aussagen hatte der Verein am 26. März in einer nur vier Sätze langen Erklärung zunächst mitgeteilt, mögliche Änderungen des öffentlichen Trainings sollten in den kommenden Wochen erörtert werden.

Nähe zu den Fans ist Klub-Philosophie

Einen Tag später stellte Vereinssprecher Hörwick dann klar: "Die Nähe zu den Fans und die Nähe der Fans zum FC Bayern ist eine Philosophie unseres Klubs, wie sie kaum anderswo in Deutschland und Europa so gelebt wird wie beim FC Bayern in München. Daran soll und wird sich nichts ändern." Zugleich erklärte Hörwick, die öffentliche Diskussion um die Trainingseinheiten sei "weder von uns verursacht noch in irgendeiner Weise bestätigt" worden.

"Alles was wir tun, machen wir nicht, um unsere Fans zu ärgern, sondern um die Mannschaft perfekt vorzubereiten. Wir prüfen im Moment verschiedene Optionen", hatte Manager Uli Hoeneß zuvor der "Bild"- Zeitung gesagt. In der "Süddeutschen Zeitung" verwies er auf die Praxis bei europäischen Spitzenclubs: "Es gibt nirgendwo ein Zuschauen beim Training, bei Milan nicht, bei Real nicht, bei Chelsea nicht. Wir beim FC Bayern sind hier bis jetzt eine Oase."

Hitzfeld hält sich raus

Trainer Ottmar Hitzfeld, der am Donnerstag das Saison-Aus von Hamit Altintop (Mittelfußbruch) verkraften musste, lehnte es ab, in der Fan-Frage seinem Nachfolger Klinsmann Ratschläge zu erteilen.

Der Coach zeigte aber Verständnis für eine mögliche Abschottung: "Im Sommer zum Beispiel war der Geräuschpegel hoch", erinnerte Hitzfeld an Trainingseinheiten vor mehreren 1000 Fans. "Da muss man schon mal einen Riegel vorschieben." Abwehrspieler Christian Lell sagte: "Wenn etwas alltäglich wird, wird es langweilig. Wenn der Zugang der Fans eingeschränkt wird, freuen sie sich vielleicht wieder mehr drauf."

Vorfall auf der Jahreshauptversammlung

Bereits im Herbst hatte sich der FC Bayern Fan-Unmut zugezogen. Auf der Jahreshauptversammlung im November konterte Hoeneß Fan-Kritik an der angeblich schlechten Stimmung im Heimstadion mit drastischen Worten: "Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir", ging Hoeneß die Fans an.

"Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden." Wenig später meldete sich der Vorstand in einem Offenen Brief zu Wort und bat die Anhänger kleinlaut um ein "respektvolles Miteinander".


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