Ins Schicksal gefügt

Von Haruka Gruber
Dienstag, 26.02.2008 | 20:33 Uhr
Slomka, Schalke, Mirko
© Imago
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München - Vollkommen unerwartet kommt es nicht, dennoch erstaunt die Entwicklung der letzten Stunden: Wie die "Bild" berichtet, steht Trainer Mirko Slomka beim FC Schalke 04 vor der Entlassung.

So würden der Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies seit der 0:1-Niederlage in Leverkusen am Wochenende beraten, inwiefern Slomka (Vertrag bis 2009) noch tragbar sei, schreibt das Blatt.

Die "WAZ" und die "Ruhr Nachrichten" berichten ebenfalls von einer Opposition gegen Slomka, dem bis zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim FC Porto am kommenden Mittwoch eine "Schonzeit" gewährt werden soll.

"Wir haben Handlungsbedarf, doch es wird keinen Schnellschuss geben", wird Präsident Josef Schnusenberg in der "Bild" zitiert. Manager Andreas Müller sei bereits beauftragt worden, den Markt nach einem Kandidaten der Kategorie Jose Mourinho zu sondieren.

"Großes internationales Standing"

Als weitere Namen bringen die Zeitungen Kölns Coach Christoph Daum, Mainz-Trainer Jürgen Klopp und den Ex-Dortmunder Bert van Marwijk von Feyenoord Rotterdam ins Gespräch, wobei die beiden Letztgenannten bereits mehrfach betont hatten, frühestens im Sommer für einen Wechsel bereitzustehen.

Klopp wird unter anderem mit dem Hamburger SV in Verbindung gebracht, van Marwijk galt bis zuletzt als designierter Nachfolger des niederländischen Nationaltrainers Marco van Basten.

"Vielleicht brauchen wir auf Schalke wirklich mal einen Chefcoach, der großes internationales Standing hat", sagt Schnusenberg.

Bayern und Porto putzen - oder fliegen

Mehr noch: Es ist bereits von einem Ultimatum die Rede, die die Verantwortlichen Slomka nach dem Testspiel am Dienstagnachmittag gegen Dynamo Moskau setzen wollen.

Ein Sieg gegen den FC Bayern am Samstag und ein Weiterkommen in der Champions League vorausgesetzt, könne der 40-Jährige zumindest bis zum Saisonende bleiben. Und ansonsten?

Schnusenberg hatte nur halbherzig die Berichte über ein geplantes Ultimatum ("Das kann man nicht unbedingt so sagen") dementiert und sprach davon, dass man "sich mit dem Trainer zusammensetzen" und "durchaus auch ergebnisbezogen" diskutieren müsse. Am Dienstagmorgen ruderte er ein wenig zurück: "Ich will jetzt erstmal nichts sagen. Ich muss auf den inneren Frieden achten."

Slomka nimmt Kritik kleinlaut an 

Nach dem 5:0-Sieg gegen Moskau hatte Slomka die Chance, die Spekulationen um seinen eventuell anstehenden Rauswurf zu entkräften, stattdessen gab er sich aber kleinlaut: "Ich glaube nicht, dass es ein ausgesprochenes Ultimatum gibt. Aber ich kenne mich schon ein bisschen aus mit den Mechanismen. Denen muss man sich stellen. Es ist ja nichts Neues, wenn man nicht den gewünschten Erfolg bringt. Da wird man als Trainer in Frage gestellt. Das halte ich aber für völlig normal."

Geradezu bereitwillig gab Slomka zu, dass er beim 0:1 gegen Leverkusen taktische Fehler begangen hat. "Die Kritik, die gegen mich gerichtet wurde, geht in Ordnung. Es gab Maßnahmen, die wir getroffen haben, die nicht gegriffen haben", sagte der Trainer.

Das kann er sich gegen den FC Bayern am Samstag nicht mehr leisten. "Da gibt es keine Ausreden. Da muss jeder hundert Prozent oder mehr geben", sagte Slomka. "Wir haben die Pflicht, gegen Bayern etwas zu bewegen."

Tönnies kein Slomka-Fan

Spätestens seit dem Herbst letzten Jahres, als Schnusenberg öffentlich Slomka mit den Worten "Er steht genauso wie der Vorstand in der Verantwortung. Ob ich meine Kritik an ihm erweitern muss, wird sich in den nächsten Wochen zeigen" angegriffen hatte, gilt das Verhältnis der beiden als unterkühlt.

Aber auch abseits des Präsidenten formierte sich eine Front contra Slomka. Nach der Leverkusen-Niederlage skandierten die Fans "Slomka raus!", vor dem Hinspiel gegen Porto griff Kapitän Marcelo Bordon indirekt die taktischen Vorgaben seines Trainers an, zudem gilt Tönnies nicht als Slomka-Fan.

Der Aufsichtsratsboss in den "Ruhr Nachrichten": "In der letzten Zeit konnte ich auch so einige Entscheidungen nicht nachvollziehen."

Kritik an der Aufstellung

Gemeint ist damit die Personalpolitik Slomkas. Zuletzt in Leverkusen brachte der Coach in der zweiten Halbzeit Peter Lövenkrands und Halil Altintop, die beide seit Monaten ihrer Form hinterher laufen. Die Neuzugänge Ze Roberto II und Vicente Sanchez dagegen schmorten 90 Minuten auf der Bank.

Viele Beobachter meinen, Schalke hätte in der Winterpause die Schwächen im Kader erkannt und dementsprechend gehandelt - nur würde sich Slomka viel zu sehr dagegen sträuben, den Neuen genügend Einsatzzeit zu geben. 

Unerwartet käme eine Entlassung demnach nicht. Dennoch ist der Zeitpunkt ein heikler. Immerhin stehen mit dem Heimspiel gegen die Bayern am Wochenende und dem CL-Rückspiel in Porto die vielleicht wichtigsten Partien des Jahres an.

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