Mittwoch, 13.02.2008

Porträt eines Unauffälligen

Still und erfolgreich: Bayer-Coach Skibbe

Istanbul - Michael Skibbe ist in der illustren Schar der 18 Bundesligatrainer einer der ruhigen und unauffälligen. Still und leise hat sich der Chefcoach von Bayer 04 Leverkusen aber zu einem der erfolgreichsten seiner Zunft hochgearbeitet.

Fußball, Bundesliga, Leverkusen, Skibbe
© DPA

Nur ein Punkt fehlt dem Tabellenvierten derzeit zu einem Champions-League-Platz, sechs Zähler ist Bayern München entfernt und im UEFA-Cup kämpft die Skibbe-Elf gegen Galatasaray Istanbul um den Achtelfinal-Einzug. "Wir haben eine homogene Mannschaft mit jungen Spielern, bei denen wir ein gutes Händchen hatten und die sich mit dem Klub identifizieren", sagt der gebürtige Gelsenkirchener, dem Allüren und Egozentrik fremd sind.

Dass aus der einstigen launischen Werkself vom Rhein, die 2002 fast die Champions League gewonnenen hätte und in der darauffolgenden Saison dem Abstieg knapp entkam, eine spielstarke Spitzenmannschaft geworden ist, ist wesentlich sein Verdienst.


"Da ist die Handschrift des Trainers zu erkennen", lobt Interimskapitän Simon Rolfes und ergänzt: "Er verfällt nicht in Panik, wenn es mal nicht gut läuft, und bei Erfolg nicht in Euphorie. Der Trainer hat ein Gespür für junge Spieler, gibt Orientierung und Stabilität." Auch ein Routinier wie der 36-jährige Sergej Barbarez, an dem er trotz heftiger Kritik stets festhielt, spricht voller Anerkennung über Skibbe: "Wir haben einen sehr guten Trainer mit großer menschlicher Qualität."

Attraktiv und mutig 

Ex-Profi Skibbe, der lediglich 14 Bundesliga-Spiele für Schalke 04 bestritt und nach einer Knieverletzung 1987 zum Sportinvaliden wurde, will von solchen Lobeshymnen ebenso wenig wissen wie von den Klischees über sein Image als smarter, freundlicher Typ. "Ich bin ein ausgeglichener Mensch, aber ohne Stärke kann man keine Mannschaft führen", betont der 42-Jährige, der im Oktober 2005 in Leverkusen Klaus Augenthalers Nachfolger wurde.

Dass er mit seinem unaufgeregten Führungsstil etwas bewegt hat, freut ihn: "Ich glaube, dass wir gut wahrgenommen werden in Fußball-Deutschland. Wir versuchen attraktiv und mutig nach vorne zu spielen."

36 Tore in Liga eins sind der Lohn für den Offensiv-Fußball, nur Werder Bremen (44) traf öfter. Mit seiner Spielphilosophie liegt Skibbe, der im Mai 1998 seine Trainerlaufbahn bei Borussia Dortmund begann, auf einer Wellenlänge mit seinem Freund Rudi Völler. "Wir haben die gleiche Auffassung, wie man erfolgreich spielen kann", sagt Skibbe über den heutigen Bayer-Sportdirektor.

Das Umfeld stimmt 

Während Völlers Zeit als DFB-Teamchef wurde er als dessen Assistent 2002 Vize-Weltmeister. "Uns war bei Bayer klar, dass Michael Skibbe der Richtige für unsere Konzeption war, mit vielen jungen Spielern, ergänzt durch einige erfahrene, zu arbeiten", erklärt Völler.

Trotz des Spitzenplatzes in der Liga und der zu Top-Kräften gereiften Jung-Profis wie Torwart Rene Adler, Gonzalo Castro, Stefan Kießling, Tranquillo Barnetta oder Rolfes sieht Skibbe noch viel Luft nach oben. "Der Umbau wird abgeschlossen sein, wenn der Umbau des Stadions fertig ist. Dann wollen wir konkurrenzfähig mit den großen Klubs der Liga sein."

Die neue BayArena soll im Juli 2009 fertiggestellt sein - bis dahin ist sein Vertrag zunächst datiert. Kein Geheimnis macht er daraus, dass er sich bei Bayer rundum wohl fühlt und gern lange bleiben würde. "Es macht mir Spaß, das Umfeld stimmt", meint Skibbe, fügt aber im Wissen um die Gesetze der Branche hinzu: "Maßstab für Trainer bleibt aber immer der Erfolg."


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