Der persönlichen Planung zum Trotz

Von Daniel Börlein
Dienstag, 12.02.2008 | 18:18 Uhr
© Getty
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München - Bei seinem ersten Auftritt in Nürnberg unterstrich Thomas von Heesen gleich mal die Prioritäten.

Es werde keine Einzelinterviews im Anschluss an die offizielle Pressekonferenz geben, erklärte der 46-Jährige vor versammelter Medienschar. Er müsse seine durch eine Grippe gehandicapte Stimme schonen, für die Ansprache vor der Mannschaft.

Kein launiges Pläuschchen also wie unter von Heesens Vorgänger Hans Meyer, der sich im Anschluss an Pressekonferenzen gerne ausgiebig Zeit nahm, um mit der Journalie zu scherzen. Die Zeit der Witze ist beim Club vorerst vorbei.

"Es geht um die Existenz"

"Wir haben keine Verbesserung mehr festgestellt. Im Gegenteil: Wir mussten von Spiel zu Spiel mehr dem Abstieg entgegen sehen", begründete Präsident Michael A. Roth die Entlassung Meyers. "Es geht schließlich um die Existenz des Vereines."

Die Franken sehen die mühsam erarbeitete Entwicklung der vergangenen zwei Jahre ernsthaft gefährdet. Deshalb zog man einen Schlussstrich und holte mit von Heesen einen Mann, der nun den Abstieg mit allen Mitteln verhindern soll.

"Tommy weiß, worum es geht"

"Er verfügt über herausragende Erfahrung im sehr komplizierten Abstiegskampf", erklärte Manager Martin Bader, und: "Er war kurzfristig bereit, die komplizierte Aufgabe zu übernehmen." Denn hätte der Club in der Kürze der Zeit keinen neuen Trainer präsentieren können, wäre Meyer noch jetzt im Amt, unterstrich Bader.

Doch ist von Heesen tatsächlich der Feuerwehrmann, den die Franken offensichtlich suchen? "Die Zielsetzung ist klar definiert", sagte der neue Club-Coach. "Der Fokus liegt zu 100 Prozent auf der Mannschaft und darauf, das Ziel Klassenerhalt zu erreichen." Von Heesen hat erkannt, worauf es ankommt. "Ich glaube, dass der Club mit Thomas von Heesen eine sehr gute Wahl getroffen hat", sagte Mathias Hain im Gespräch mit SPOX.com.

Der 35-Jährige war unter Trainer von Heesen einst Kapitän von Arminia Bielefeld und kennt Nürnbergs neuen Coach deshalb aus dem Effeff. "Als Typ wird er in Nürnberg sehr gut reinpassen", so Hain. "Tommy ist clever genug zu wissen, dass es in dieser Phase nicht darum geht, schönen Fußball zu spielen."

"Klarer Plan" wird verfolgt

Und deshalb wird sich von Heesen auch hüten, von langfristigen Plänen oder Vorstellungen zu reden. Dennoch stellt er klar: "Es geht nicht darum, dass ich Feuerwehrmann bin. Das ist auch nicht meine Ambition." Vielmehr macht er deutlich: "Ich habe klare Vorstellungen, gebe klare Vorgaben, stelle klare Aufgaben. Ich habe einen klaren Plan."

Wie der ausschauen könnte, verrät Hain: "Grundsätzlich ist er jemand, der gerne offensiv spielen lässt. Er lässt gerne schnell über Kombinationen nach vorne spielen. Lange Bälle auf Jan Koller nimmt er da sicher als Option dazu, grundsätzlich spielt er aber schon gerne übers Mittelfeld."

Ohnehin ist in von Heesens klarem Plan der kurzfristige Retter nicht einkalkuliert. Auch deshalb sagte er Anfang des vergangenen Jahres als vorzeitiger Nachfolger von Bert van Marwijk in Dortmund ab, obwohl der Vertrag ab 1. Juli bereits unterschrieben war. "Von meiner persönlichen Planung her hat das nicht gepasst", so von Heesen.

Zweiter Schritt vor dem ersten

In Nürnberg hat sich von Heesen nun vorerst auf den Abstiegskampf eingelassen, der persönlichen Planung zum Trotz. Die Gefahr allerdings lauert, dass er bereits den nächsten Schritt im Hinterkopf hat, den zweiten also vor dem ersten macht, der persönlichen Planung wegen.

"Ich werde mit der Mannschaft ein Grundsatzgespräch führen und meine Ausrichtung klar darlegen", sagte Nürnbergs Coach bei seiner Vorstellung. "Ich lege sehr viel Wert auf Teambuilding. Das findet bei mir allerdings auf dem Platz statt. Und jeder muss wissen, was der andere kann und was nicht."

Hinzu kommt, dass er "ein ganz anderer Typ als Hans Meyer" ist, so Hain. "Thomas ist jemand, der die Mannschaft schon gerne an der langen Leine lässt, solange sie spurt und mitarbeitet. Er ist schon jemand, der dann für jeden Spaß zu haben ist."

Fähigkeiten abseits des Platzes gefragt

Es wird sich also einiges ändern beim Club. Viel Zeit für Späße hat von Heesen allerdings nicht, und auch nicht die Möglichkeit, große Änderungen vorzunehmen, geschweige denn einer verunsicherten Mannschaft (s)ein neues System beizubringen oder die Hierarchie innerhalb der Mannschaft zu verändern.

All das muss von Heesen - zumindest vorerst - hinten anstellen. Nun sind vor allem seine Fähigkeiten abseits von Technik und Taktik gefragt, mit denen er das zweifellos vorhandene Potenzial der Mannschaft wieder herauskitzelt.

Dass er ein gutes Gefühl für die richtigen Worte hat, bewies er bei seinem Amtsantritt: "Zunächst muss ich mal die Fans loben. Das ist brutal und vielleicht auch einzigartig, dass man in dieser Situation komplett hinter der Mannschaft steht." Die Anhänger wird er damit wohl erreicht haben. Nun muss nur die Mannschaft noch folgen. Denn die hat beim Club derzeit Priorität.

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