Das Ende der Geraden

Von Andreas Lehner
Montag, 11.02.2008 | 13:34 Uhr
Bayern, Bremen, Klose, Mertesacker
© Getty
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München - Der bisherige Saisonverlauf des FC Bayern ist ein bisschen eintönig. Eine Monotonie, die den Münchnern ausnahmsweise aber richtig gut gefällt.

Denn die Verlaufskurve der Tabellenplatzierung hat die Bezeichnung als solche im Grunde nicht verdient. Die Bayern liegen seit dem 1. Spieltag ununterbrochen auf Platz eins. Die Kurve hat sich daher verkleidet, als Gerade. Diese wäre im mathematischen Sinne allerdings unendlich. Ottmar Hitzfeld weiß das sicherlich und natürlich hofft er, dass das bis Saisonende so ist.

Doch beim 1:1 gegen Werder Bremen am Sonntag verpasste es der Rekordmeistern den Big Point zu sammeln, der die Gerade auch auf Wochen hinaus verlängert hätte.

Durch das Remis kleben die Bremer weiter an den Bayern und heimlich still und leise hat sich auch Schalke 04 bis auf fünf Punkte herangeschoben. Wenn man die sechs Punkte zurückliegenden Hamburger und Leverkusener noch dazu nimmt, kann man - wie Uli Hoeneß - von einem Fünfkampf um die Meisterschaft sprechen.

Bewahrung des Status Quo

Die Liga ist also spannend. Zu spannend aus Sicht der Münchner. Denn mit einem Sieg gegen Werder hätte man einen satten Vorsprung ergattern können. Doch anstatt mit aller Macht auf die Vorentscheidung im Titelkampf zu drängen, versteiften sich die Bayern und allen voran Trainer Hitzfeld auf die Bewahrung des Status Quo.

Besonders in der zweiten Hälfte hätte er bei seinen Wechseln mehr Risiko nehmen müssen, der Coach vertraute aber alten Mustern.

Diese hatten auch schon seine Startelf beeinflusst. Anstatt Toni Kroos für den verletzten Franck Ribery aufzustellen, brachte er den in der Hierarchie höher stehenden, aber seit Wochen formschwachen Bastian Schweinsteiger. Der musste seine Auswechslung unter Pfiffen über sich ergehen lassen. Pfiffe, die indirekt auch Hitzfeld für dessen Nominierung galten.

Offensichtliche Probleme

Dabei hätten die Münchner die Ideen Kroos' durchaus gebrauchen können. Wieder einmal wurde klar, dass den Bayern ohne Ribery die spielerische Leichtigkeit und das Tempo fehlen. Die deutliche Feldüberlegenheit kann nicht in Chancen und schon gar nicht in Tore umgemünzt werden.

Probleme, die offensichtlich sind, und die auch der Manager gesehen haben sollte. Dennoch sprach Hoeneß nach der Partie von einem "wunderbaren Fußballspiel mit hohem Unterhaltungswert".

Hoeneß schimpft auf Schiedsrichter

Viel mehr erregte ihn die Leistung des Schiedsrichters, besser gesagt der ganzen Zunft im Allgemeinen. "Die sind im Zweifelsfall immer daran interessiert, Bayern München keinen Vorteil zu verschaffen, weil sie dann in der nächsten Woche Telefonterror haben und nicht zur Arbeit gehen können", wetterte Hoeneß.

Es beschleicht einen der Verdacht, als wolle er wie schon so oft Nebenkriegsschauplätze aufmachen, um von eigenen Schwierigkeiten abzulenken.

Fehlende Effizienz

Denn an den Problemen kommen die Bayern nicht vorbei. Auch nicht der Kapitän. "Man hat nicht das Gefühl, dass wir aus einem Freistoß oder einem Eckball ein Tor erzielen können, damit man so ein Spiel umbiegt und gewinnen kann. Das ist das Problem, wir spielen zwar gefällig und auf ein Tor, aber machen einfach zu wenig draus", resümierte Oliver Kahn.

Die Lösung dieses Problems sollte Hitzfeld schnell aus dem Hut zaubern, denn Ribery fehlt wegen seines Muskelfaserrisses wohl auch die beiden nächsten Spiele. Und die haben es in sich.

Harte Wochen

Zunächst müssen die Bayern nach Hannover, wo sie sich traditionsgemäß schwertun, dann kommt der HSV nach München, der seine beiden bisherigen Spiele in der Arena 2:1 gewann.

Anschließend geht's nach Gelsenkirchen. Dort haben die Münchner bis auf ein Pokalspiel noch nicht gewinnen können. Das war aber dummerweise gegen den Wuppertaler SV, der eigentlich in der Regionalliga Nord sein Glück versucht. 

Und sozusagen als Sahnehäubchen kommt eine Woche später mit dem KSC eines der auswärtsstärksten Teams der Liga nach München.

Der Weitblick fehlt

Wenn man Bremen hinzuzählt, müssen sich die Bayern innerhalb von fünf Wochen mit fünf der sieben Verfolger im direkten Duell auseinandersetzen.

Hitzfeld hat die Gefahr offenbar nicht erkannt. Die Gefahr, zum erstenmal überhaupt in dieser Saison nicht ganz oben zu stehen.

Vielleicht fehlte ihm der Weitblick für die Situation. Auf alle Fälle offenbaren sich in den nächsten Wochen etliche Chance für die Liga, die Bayern von der Spitze zu stoßen und der Geraden ein Ende zu setzen.

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